
Eiszeit im Kanzleramt: Merkel bleibt bei Merz' Geburtstagsfeier drauĂen
Die politische BĂŒhne Berlins erlebt dieser Tage ein Schauspiel, das selbst fĂŒr die an Intrigen gewöhnte Hauptstadt bemerkenswert ist. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz am 11. November seinen 70. Geburtstag mit einem pompösen Empfang im Reichstag feiert, wird eine Person auffĂ€llig fehlen: seine AmtsvorgĂ€ngerin Angela Merkel. Die Nicht-Einladung der Altkanzlerin zu diesem Ereignis offenbart die tiefen GrĂ€ben, die sich durch die CDU ziehen â und wirft ein bezeichnendes Licht auf die Machtspiele in der deutschen Politik.
Ein Affront mit Ansage
Die CDU/CSU-Fraktion organisiert fĂŒr ihren Kanzler eine Feier mit 300 geladenen GĂ€sten im Protokollsaal des ReichstagsgebĂ€udes. WĂ€hrend die 208 Unionsabgeordneten und sĂ€mtliche CDU- und CSU-MinisterprĂ€sidenten ihre Einladungen bereits in HĂ€nden halten, ging Merkels BĂŒro leer aus. Die offizielle ErklĂ€rung ihrer Sprecherin klingt wie eine diplomatische Ohrfeige: Man habe keine Einladung "verzeichnet", und ĂŒberdies wĂ€re eine Teilnahme wegen einer Auslandsreise ohnehin nicht möglich gewesen.
Diese vorgeschobene BegrĂŒndung kann kaum ĂŒber die Brisanz des Vorgangs hinwegtĂ€uschen. Hier wird eine ehemalige Bundeskanzlerin, die 16 Jahre lang die Geschicke des Landes lenkte, demonstrativ von einer Parteifeier ausgeschlossen. Ein Vorgang, der in der Geschichte der Bundesrepublik seinesgleichen sucht.
Die Wurzeln einer politischen Fehde
Das zerrĂŒttete VerhĂ€ltnis zwischen Merz und Merkel reicht weit zurĂŒck. Im Jahr 2002 entriss die damals aufstrebende CDU-Vorsitzende dem ambitionierten Fraktionschef Merz die Macht â ein politischer DolchstoĂ, den der SauerlĂ€nder offenbar bis heute nicht verwunden hat. WĂ€hrend Merkel anschlieĂend zur mĂ€chtigsten Frau Europas aufstieg, verschwand Merz fĂŒr Jahre in der Versenkung der Privatwirtschaft.
"DaĂ Du der CDU gewogen bleibst" â diese Worte richtete Merz noch vor einem Jahr an Merkel, als er bei ihrer Geburtstagsfeier sprach. Heute klingen sie wie blanker Hohn.
Die Ironie der Geschichte: Als Merkel ihren 70. Geburtstag feierte, war Merz selbstverstĂ€ndlich eingeladen und hielt sogar eine Rede. Doch von solcher GroĂzĂŒgigkeit ist beim neuen starken Mann der CDU nichts zu spĂŒren. Die Rechnung fĂŒr 2002 wird offenbar noch immer beglichen.
Symbolpolitik mit Signalwirkung
Merz wird mit seinen 70 Jahren der erste Bundeskanzler seit Konrad Adenauer sein, der in diesem Alter das Amt ausĂŒbt. WĂ€hrend Adenauer jedoch als GrĂŒndungsvater der Bundesrepublik in die Geschichte einging, scheint Merz mehr damit beschĂ€ftigt zu sein, alte Rechnungen zu begleichen. Die demonstrative Ausladung Merkels sendet ein fatales Signal: In der neuen CDU unter Merz ist kein Platz fĂŒr die Ăra Merkel.
Besonders pikant wird die Angelegenheit durch Merkels jĂŒngste Kritik an Merz' Migrationspolitik. Als der Kanzler wĂ€hrend des Wahlkampfs einen Antrag mit Hilfe der AfD durchsetzte, meldete sich die sonst so schweigsame Ex-Kanzlerin zu Wort. Bei seiner Kanzlerwahl im Mai verlieĂ sie demonstrativ den Bundestag, nachdem Merz im ersten Wahlgang gescheitert war â ein Affront, den der neue Kanzler offenbar nicht vergessen hat.
Die CDU zwischen Erneuerung und Spaltung
Was sich hier abspielt, ist mehr als eine persönliche Fehde zweier Politiker. Es ist der Kampf um die Deutungshoheit ĂŒber 16 Jahre CDU-gefĂŒhrte Regierung. Merz, der sich als Erneuerer inszeniert, will offenbar mit der Merkel-Ăra brechen â koste es, was es wolle. Doch diese Strategie könnte sich als Bumerang erweisen.
Die CDU prĂ€sentiert sich nach auĂen als geschlossene Regierungspartei, doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Die Ausladung Merkels ist ein weiterer Riss im ohnehin brĂŒchigen Fundament der Partei. WĂ€hrend andere Parteien ihre Elder Statesmen ehren und einbinden, betreibt die CDU unter Merz eine Politik der verbrannten Erde.
Ein Kanzler, der nachtragend alte Rechnungen begleicht, statt das Land zu einen â ist das die neue politische Kultur, die Deutschland braucht? Die Antwort darauf werden die kommenden Monate zeigen. Fest steht: Der 11. November wird nicht nur Merz' Geburtstag markieren, sondern auch den endgĂŒltigen Bruch mit der Ăra Merkel. Ein Bruch, der die CDU noch teuer zu stehen kommen könnte.
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