Kettner Edelmetalle
04.08.2026
17:28 Uhr
KI-generiert

Eine einzige Abfangrakete: Wie der Westen die Ukraine in den Raketenwinter schickt

Eine einzige Abfangrakete: Wie der Westen die Ukraine in den Raketenwinter schickt
Symbolbild: KI-generiert

Ein Krieg, der sich in die Luft verlagert, ein PrĂ€sident, dem die Munition ausgeht, und ein Europa, dessen Waffenkammern leergefegt sind – die Lage in der Ukraine hat sich im Sommer 2026 zu einem Szenario verdichtet, das man in Berlin und BrĂŒssel jahrelang ausgeschlossen hat. Nun ist es RealitĂ€t.

Es ist eine Zahl, die man zweimal lesen muss, um ihre Wucht zu begreifen: Nach Angaben aus Kiew soll die ukrainische Luftverteidigung ĂŒber genau eine einzige PAC-3-Abfangrakete verfĂŒgen. Eine. Nicht ein Depot, nicht eine Reserve fĂŒr den Notfall – ein einzelnes Geschoss gegen ein russisches Arsenal, das laut Berichten auf rund 2.500 Raketen pro Jahr hochgefahren worden sei. In der Nacht zum 2. August seien 35 Raketen und 185 Angriffsdrohnen auf ukrainische StĂ€dte niedergegangen, 27 davon ballistisch. Abgefangen wurde offenbar exakt eine.

Wenn der Iron Dome zur Erinnerung wird

Man erinnert sich an jene Kriegsjahre, in denen die Kiewer beim Heulen der Sirenen kaum noch den Kaffee abstellten – im Vertrauen darauf, dass der blau-gelbe Schutzschirm ĂŒber der Hauptstadt halte. Dieses Vertrauen ist verbraucht. Zehntausende schlafen wieder in den prunkvollen U-Bahn-Stationen der Stadt, wĂ€hrend der BĂŒrgermeister einrĂ€umt, dass das Netz von rund 4.000 SchutzrĂ€umen nicht schnell genug wachse, weil Bezirksverwaltungen bereitgestellte Mittel fĂŒr mobile Bunker nicht einmal ausgegeben hĂ€tten. BĂŒrokratie im Bombenkrieg – ein Detail, das mehr ĂŒber den Zustand des Staates verrĂ€t als jede Sonntagsrede.

Die Stromerzeugung der Ukraine ist von knapp 60 Gigawatt vor dem Krieg auf rund 14 Gigawatt geschrumpft. Und Moskau hortet Berichten zufolge bereits Raketen fĂŒr die nĂ€chste Winterkampagne gegen den Energiesektor. Kalte Wohnungen, dunkle StĂ€dte, ein zermĂŒrbter Winter – das ist die Strategie, und sie ist zynisch wirksam.

Washington gibt – und nimmt drei Tage spĂ€ter zurĂŒck

Beim NATO-Gipfel in Ankara war die Welt noch in Ordnung. Der amerikanische PrĂ€sident versprach der Ukraine eine Lizenz zur Eigenproduktion von Patriot-Raketen, es wurden Joint Ventures mit US-Herstellern unterzeichnet, es gab Fotos, es gab Applaus. Wenige Tage spĂ€ter, nach einem Telefonat mit dem Kreml, hieß es in Camp David plötzlich, man habe dem nie zugestimmt; die Produktionstechnologie sei etwas, das man nur schwer aus der Hand gebe. Ein Konzern verweigerte zusĂ€tzlich die Weitergabe seiner Suchkopftechnologie. Damit war der Traum von der ukrainischen Raketenfabrik erledigt, bevor der erste Spatenstich gesetzt war.

Auch die Bitte um eine Notlieferung von 300 Abfangraketen verlief ins Leere. Nach Bestandsaufnahmen amerikanischer Denkfabriken sollen den USA nach dem ersten Monat des Iran-Krieges noch 759 solcher Abfangraketen verbleiben. Kiew wollte ein Drittel davon. Die Antwort aus Washington war schlicht: Man brauche sie selbst.

Wer ĂŒber Jahre die eigenen Depots verschenkt, ohne die Produktion hochzufahren, steht am Ende ohne Schirm im Regen. Das gilt fĂŒr Kiew – und es gilt fĂŒr Europa.

Europas leere Kammern – das Versagen mit Ansage

Und die EuropĂ€er? Sie haben viereinhalb Jahre lang großzĂŒgig verteilt, was sie hatten. Nachbestellungen liegen jahrelang im RĂŒckstand, weil in den Vereinigten Staaten nur etwa 650 dieser Abfangraketen pro Jahr entstehen – die Fertigung ist komplex und teuer. Wer sich fragt, warum das strategische Minimum der europĂ€ischen BestĂ€nde lĂ€ngst unterschritten ist, findet die Antwort in zwei Jahrzehnten deutscher und europĂ€ischer Sicherheitspolitik: abgewickelt, weggespart, moralisch ĂŒberhöht. Man hielt VerteidigungsfĂ€higkeit fĂŒr ein Relikt und WindrĂ€der fĂŒr Geopolitik. Jetzt bezahlt man die Rechnung – und zwar in einer WĂ€hrung, die man nicht drucken kann.

Symptomatisch ist das Projekt FREYJA, HerzstĂŒck einer neu gegrĂŒndeten Anti-Raketen-Koalition aus der Ukraine und mehreren europĂ€ischen Staaten. Solange keine echten Raketen geliefert werden, bleibt es das, was BrĂŒssel am besten beherrscht: ein Akronym mit Pressekonferenz. Die einst als E3 auftretende Achse aus Paris, London und Berlin ist nach dem RĂŒcktritt des britischen Premiers faktisch auf zwei geschrumpft und dĂŒrfte mit dem Abgang des französischen PrĂ€sidenten im nĂ€chsten Jahr auf eine RestgrĂ¶ĂŸe zusammenfallen.

Der zweite Krieg – im eigenen Land

WĂ€hrend die Front im Donbass nachgibt – Pokrowsk, Kostjantyniwka, Tschassiw Jar gelten als verloren, russische VerbĂ€nde sollen nur noch wenige Kilometer vor Kramatorsk und Slowjansk stehen –, tobt in Kiew ein Machtkampf. Die Entlassung eines populĂ€ren Verteidigungsministers, der offenbar als Rivale galt, hat die grĂ¶ĂŸten Straßenproteste seit 2014 ausgelöst. Vor der PrĂ€sidialverwaltung wird seit ĂŒber zwei Wochen demonstriert, Beobachter vergleichen die Sprechchöre mit denen des Maidan. Die Zustimmungswerte des PrĂ€sidenten sind auf 59 Prozent gerutscht – hinter jene dreier möglicher Konkurrenten. Ein Korruptionsskandal um den Energiekonzern Enerhoatom, in dem von 100 Millionen Dollar Schmiergeld die Rede ist und ein Vertrauter des PrĂ€sidenten ins israelische Exil entwich, tut sein Werk. Dazu die berĂŒchtigte „Busifizierung“: Rekrutierungsbeamte, die MĂ€nner von der Straße in Busse zwingen – in einem Fall einen alleinerziehenden Vater vor den Augen seiner fĂŒnfjĂ€hrigen Tochter. Die Gewalt gegen diese Beamten hat sich verdreifacht.

Das ist der Staat, dem deutsche Politiker unverdrossen weitere Milliarden und einen EU-Beitritt in Aussicht stellen, wĂ€hrend BrĂŒssel bei ausbleibenden Reformen nachsichtig bleibt. Wer den deutschen Steuerzahler ernst nimmt, muss diese Fragen stellen dĂŒrfen, ohne gleich in eine Schublade sortiert zu werden.

Was bleibt: Sanktionen wie ein Sieb – und eine Lehre fĂŒr den BĂŒrger

Das 21. Sanktionspaket der EU wurde durch Lobbyarbeit der Mitgliedstaaten spĂŒrbar verwĂ€ssert. Russlands neue, billig zu fertigende Marschflugkörper enthalten weiterhin Elektronik aus jenen LĂ€ndern, die Sanktionen verhĂ€ngt haben. Gleitbomben mit bis zu 3.000 Kilogramm Sprengstoff kann kein Patriot aufhalten – nur das TrĂ€gerflugzeug. Die Ukraine hat 37 F-16, Russland hunderte Maschinen.

FĂŒr uns in Deutschland heißt das: Wir erleben, wie fragil Lieferketten, BĂŒndniszusagen und politische Versprechen sind. Wer glaubt, Sicherheit sei ein Abonnement, das man in Berlin bestellt, wird enttĂ€uscht. Wirtschaftlich bedeutet eine Eskalation dieses Krieges höhere Energiepreise, neue Schulden, neue Inflation – bezahlt von Generationen, die nichts entschieden haben. In solchen Zeiten hat physisches Gold und Silber seine Rolle als krisenerprobter Vermögensanker ĂŒber Jahrhunderte bewiesen: greifbar, unabhĂ€ngig von Regierungsversprechen, nicht per Federstrich entwertbar. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Vermögens war das noch nie ein Fehler.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Er spiegelt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trĂ€gt fĂŒr seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung. FĂŒr Vermögens- oder Kursverluste wird keine Haftung ĂŒbernommen.

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