Kettner Edelmetalle
06.07.2026
10:17 Uhr

Ein Anruf, eine gestrichene Sperre: Wie Trump die Fifa in die Knie zwang

Ein Anruf, eine gestrichene Sperre: Wie Trump die Fifa in die Knie zwang
Symbolbild: KI-generiert

Es ist ein LehrstĂŒck ĂŒber Macht, Einfluss und die brĂŒchige Fassade der sportlichen UnabhĂ€ngigkeit. Ein einziger Telefonanruf des mĂ€chtigsten Mannes der Welt – und schon fĂ€llt eine Disziplinarentscheidung der Fifa in sich zusammen wie ein Kartenhaus im Sturm. Der Fall des US-StĂŒrmers Folarin Balogun offenbart, wie dĂŒnn die Trennlinie zwischen Sport und Politik in Wahrheit geworden ist.

Rote Karte? Ein Wisch, und weg ist sie

Rekapitulieren wir das Geschehene: Der 25jĂ€hrige Balogun sah im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte, weil er seinem Gegenspieler Tarik Muharemovic auf den Knöchel gestiegen war. Eine glasklare Sache, wie selbst hartgesottene Fußballexperten bestĂ€tigten. Die USA gewannen zwar mit 2:0, doch die automatische Sperre fĂŒr das Achtelfinale gegen Belgien stand fest. So weit, so regelkonform.

Dann geschah, was in einem funktionierenden Rechtsstaat des Sports niemals hĂ€tte geschehen dĂŒrfen. Nach Berichten mehrerer Medien sei US-PrĂ€sident Donald Trump noch am Abend ĂŒber die Sperre informiert worden – von seiner eigens eingerichteten WM-Taskforce im Weißen Haus. Kurz darauf soll er persönlich zum Hörer gegriffen und bei Fifa-Boss Gianni Infantino angerufen haben. Und siehe da: Wie von Zauberhand hob der Weltverband die Sperre auf, unter Berufung auf eine obskure, kaum bekannte Ermessensregel im Disziplinarrecht.

„Danke an die Fifa, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rĂŒckgĂ€ngig gemacht hat.“ – Donald Trump in den sozialen Medien

Der DFB verlangt AufklĂ€rung – doch wird sie kommen?

In Europa schlug der Vorgang hohe Wellen. DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf forderte umgehend eine ErklĂ€rung des Weltverbands. Der Eindruck einer politischen Einflussnahme mĂŒsse „zĂŒgig und schlĂŒssig ausgerĂ€umt werden“, hieß es. Es gehe um nichts Geringeres als die IntegritĂ€t des Wettbewerbs und die GlaubwĂŒrdigkeit der Fifa. Doch zu einer möglichen Intervention des Weißen Hauses schwieg der Verband bislang – vielsagend, wie man findet.

Klopp findet klare Worte

Noch deutlicher wurde JĂŒrgen Klopp, derzeit als TV-Experte im Einsatz und als möglicher Bundestrainer gehandelt. Er nannte den Vorgang schlicht „verrĂŒckt“. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“, so Klopp. Sollten Trump und Infantino die Angelegenheit tatsĂ€chlich unter sich ausgemacht haben, stelle dies „alles infrage“. Auch inhaltlich ließ Klopp keine Zweifel: Es sei eine klare Rote Karte gewesen, eine Tatsachenentscheidung, mit der der Fußball leben mĂŒsse – so wie mit jeder anderen Fehlentscheidung auch.

Ein Symptom unserer Zeit

Man mag zu Trump stehen, wie man will. Doch dieser Fall zeigt exemplarisch, was passiert, wenn Institutionen ihre Prinzipien nicht mehr verteidigen. Die Fifa, ohnehin nie ein Hort makelloser IntegritĂ€t, knickte offenbar beim ersten Windhauch aus Washington ein. Internationale Medien von der BBC bis ESPN verwiesen auf die seit Langem bekannten engen Beziehungen zwischen dem Weißen Haus und dem Weltverband. Wer möchte schon einen Sieg feiern, der durch undurchsichtige Hinterzimmer-Deals ĂŒberschattet wird?

Am Ende bleibt eine bittere Erkenntnis: Wenn ein einziger Anruf genĂŒgt, um sportliche Regeln außer Kraft zu setzen, dann ist es um die vielbeschworene UnabhĂ€ngigkeit des Fußballs schlecht bestellt. Der Ball rollt zwar noch – doch wer ihn wirklich lenkt, sitzt offenbar lĂ€ngst nicht mehr nur auf der Trainerbank.

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