
Chinesischer Konzern erkauft sich Zugang zur Trump-Regierung â und gewinnt gegen US-Firma
Ein brisanter Fall aus Washington wirft ein grelles Schlaglicht auf die Verflechtungen zwischen auslĂ€ndischem Lobbyismus und der politischen Machtelite rund um PrĂ€sident Donald Trump. Eine chinesische Pharmafirma engagierte ausgerechnet eine Lobbyfirma mit engen persönlichen Verbindungen zu Donald Trump Jr. â und erzielte damit einen bemerkenswerten Erfolg vor dem mĂ€chtigsten Sicherheitsgremium der Vereinigten Staaten.
Jagdfreunde und MillionengeschÀfte
Im Zentrum der Geschichte steht die Lobbyfirma Checkmate, gefĂŒhrt von Ches McDowell â einem Mann, der auf Social-Media-Fotos regelmĂ€Ăig neben Donald Trump Jr. posiert, sei es bei der Falkenjagd mit Gesundheitsminister Robert F. Kennedy oder beim VogelschieĂen mit Gewehren auf einem Steg. McDowell und Trump Jr. besitzen seit 2021 gemeinsam eine Immobilie in North Carolina. Die Freundschaft begann 2016 auf einer konservativen Gala, als McDowell dem PrĂ€sidentensohn einen Jagdausflug anbot, der besser sein sollte als jener, auf den Trump Jr. gerade geboten hatte.
Genau diese Lobbyfirma wurde im Dezember von der chinesischen Grand Pharmaceutical Group engagiert â fĂŒr 30.000 Dollar bei gerade einmal zwei Wochen Arbeit. Das Ziel: Einflussnahme auf das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), jenes Gremium, das auslĂ€ndische Investitionen in amerikanische Unternehmen auf nationale Sicherheitsrisiken prĂŒft.
Ein amerikanisches Startup am Abgrund
Der Fall dreht sich um FastWave, ein Startup aus Minnesota, das einen speziellen Katheter zur Behandlung von Kalkablagerungen in Arterien entwickelt hat â unter Verwendung eines Lasers, dessen Export nach China aufgrund möglicher militĂ€rischer Anwendungen streng reguliert ist. Grand Pharma hatte 2021 zwölf Millionen Dollar in FastWave investiert und dabei einen Anteil von 40 Prozent sowie ein Vetorecht bei kĂŒnftigen Kapitalerhöhungen erworben.
FastWave wandte sich 2025 an CFIUS mit der Bitte, die chinesische Investition zu ĂŒberprĂŒfen. Das Unternehmen befĂŒrchtete, Grand Pharma könnte versuchen, geistiges Eigentum zu stehlen, und blockiere gleichzeitig die Beschaffung neuen Kapitals. Besonders alarmiert zeigte sich FastWave, nachdem Grand Pharma auf seiner Website eine Partnerschaft mit Jiangsu Zhenyi Medical Technology bekannt gab â einem direkten chinesischen Konkurrenten von FastWave.
Ungleiche Waffen im Washingtoner Machtpoker
Was dann geschah, liest sich wie ein LehrstĂŒck darĂŒber, wie Zugang zu den richtigen Personen in Washington den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen kann. Checkmate verschaffte dem Anwalt von Grand Pharma, Jeff Bialos, einem ehemaligen hochrangigen Pentagon-Beamten, Anfang Januar ein persönliches Treffen mit Chris Pilkerton, dem frisch vom Senat bestĂ€tigten Leiter von CFIUS. Bei diesem Treffen argumentierte Bialos, es handele sich lediglich um einen kommerziellen Streit ohne sicherheitspolitische Relevanz.
FastWave hingegen blieb der Zugang zur FĂŒhrungsebene verwehrt. Das Startup bat zweimal um ein GesprĂ€ch mit Pilkerton â und musste sich mit Telefonaten mit nachgeordneten CFIUS-Mitarbeitern begnĂŒgen. Ende Januar wies CFIUS den Antrag von FastWave zurĂŒck, und zwar nicht aus sicherheitspolitischen GrĂŒnden, sondern wegen angeblicher âwesentlicher Falschaussagen" in den Unterlagen des Unternehmens.
âDie Höhe des Sumpfes"
Die Reaktionen auf diese EnthĂŒllung fielen scharf aus. Michael Sobolik vom Hudson Institute, einem konservativen Think Tank, formulierte es unmissverstĂ€ndlich: Wenn ein chinesisches Unternehmen die US-Regierung dazu bringen könne, in einer Frage der nationalen Sicherheit gegen eine amerikanische Firma Partei zu ergreifen, dann sei das âdie Höhe des Sumpfes". Eine bemerkenswerte Aussage, bedenkt man, dass Donald Trump einst mit dem Versprechen angetreten war, genau diesen Washingtoner Sumpf trockenzulegen.
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren nannte es âbeunruhigend", dass chinesische Unternehmen Trump-nahe Lobbyisten engagierten, um unabhĂ€ngige Entscheidungen ĂŒber die nationale Sicherheit Amerikas zu beeinflussen. Sie forderte AufklĂ€rung darĂŒber, wer die Entscheidungen getroffen habe und zu welchen RisikoeinschĂ€tzungen CFIUS gelangt sei.
Das WeiĂe Haus wies die Kritik entschieden zurĂŒck. Sprecher Kush Desai erklĂ€rte, an der Sorgfalt, den Ermittlungen und der Durchsetzungspraxis von CFIUS habe sich nichts geĂ€ndert. Jede Andeutung, die Trump-Regierung wĂŒrde CFIUS auf Betreiben von Sonderinteressen schwĂ€chen, sei âkategorisch falsch".
FragwĂŒrdige BegrĂŒndung der Ablehnung
Besonders pikant erscheint die BegrĂŒndung, mit der CFIUS den Antrag von FastWave abschmetterte. Das Gremium warf dem Startup vor, sich selbst widersprochen zu haben: Im Juli 2025 habe FastWave erklĂ€rt, Grand Pharma habe kein âsubstanzielles Feedback" zu einer Finanzierungsrunde gegeben, wĂ€hrend es im August eingerĂ€umt habe, es habe doch âsubstanzielle GesprĂ€che" gegeben. FastWave konterte, die RĂŒckmeldungen von Grand Pharma â Ănderungen an einem Termsheet â seien keineswegs substanziell gewesen und erst nach der Juli-ErklĂ€rung erfolgt.
Die AnwĂ€ltin Tatiana Sullivan, die regelmĂ€Ăig mit CFIUS-FĂ€llen befasst ist, bezeichnete das Vorgehen des Gremiums als ungewöhnlich. Normalerweise arbeite CFIUS mit Unternehmen zusammen, um MissverstĂ€ndnisse auszurĂ€umen, und lehne AntrĂ€ge nur bei âschwerwiegenden Ungenauigkeiten" im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit ab.
FastWave-Chef Scott Nelson beklagte die âundurchsichtigen und höchst irregulĂ€ren Verfahrensentscheidungen" von CFIUS. Die Ablehnung sei Monate nach den beanstandeten Aussagen erfolgt, ohne dass man das Unternehmen zuvor auf die Bedenken hingewiesen oder ihm Gelegenheit zur Klarstellung gegeben hĂ€tte â und dies am allerletzten Tag einer ĂŒber 200 Tage dauernden PrĂŒfung mit 29 Fragenkatalogen.
Ein Warnsignal fĂŒr die westliche Sicherheitsarchitektur
Dieser Fall sollte auch in Europa und insbesondere in Deutschland aufhorchen lassen. Wenn es chinesischen Unternehmen gelingt, ĂŒber geschickt platzierte Lobbyisten Zugang zu den höchsten Entscheidungsebenen der US-Regierung zu erlangen und dabei amerikanische Firmen mit sicherheitsrelevanter Technologie an den Rand des Ruins zu treiben, dann offenbart dies eine systemische Schwachstelle, die weit ĂŒber Washington hinausreicht.
Politikwissenschaftler Tim LaPira von der James Madison University ordnete das Lobbying zwar als âsehr typisch" ein â wer mit der Regierungspartei sprechen wolle, mĂŒsse eben jemanden mit den entsprechenden parteilichen Verbindungen engagieren. Doch sechs China-Experten und drei demokratische Abgeordnete, die von der Nachrichtenagentur Reuters ĂŒber den Fall informiert wurden, Ă€uĂerten die Sorge, dass chinesische Unternehmen durch die Beauftragung von Lobbyisten aus dem Trump-Umfeld Einfluss auf die Regierung gewinnen könnten.
Es bleibt festzuhalten: WĂ€hrend die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China weiter zunehmen und Washington Zölle von 34 Prozent auf chinesische Importe erhebt, scheint es auf der Lobbyebene durchaus KanĂ€le zu geben, ĂŒber die Peking seine Interessen wirkungsvoll vertreten kann. Ob das im Sinne der nationalen Sicherheit ist â diese Frage dĂŒrfte noch lange nachhallen. FĂŒr FastWave jedenfalls könnte es zu spĂ€t sein: Das Unternehmen steht nach eigenen Angaben vor der Insolvenz.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung â sei es in Aktien, Anleihen, Unternehmensbeteiligungen oder andere Kapitalanlagen â sollte stets auf eigener, grĂŒndlicher Recherche basieren. Wir ĂŒbernehmen keinerlei Haftung fĂŒr finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden. Im Zweifel empfiehlt sich die Konsultation eines qualifizierten Finanzberaters.
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