
Chinas E-Auto-Wahn: Wenn der Traum vom WeltmarktfĂŒhrer zum wirtschaftlichen Albtraum wird
Die chinesische Autoindustrie gleicht einem Patienten auf der Intensivstation: Die Ăberproduktion hat lebensbedrohliche AusmaĂe angenommen, wĂ€hrend die Nachfrage kollabiert. Was einst als Masterplan zur Eroberung der WeltmĂ€rkte gedacht war, entpuppt sich nun als wirtschaftspolitisches Desaster erster GĂŒte. Neuwagen werden zu Ramschpreisen verschleudert, Autofriedhöfe wachsen ins Unermessliche, und die Hersteller produzieren stur weiter â als gĂ€be es kein Morgen.
Ausverkauf im Reich der Mitte: Wenn Neuwagen zu LadenhĂŒtern werden
In Chengdu offenbart sich das ganze Elend: Ein nagelneuer Audi fĂŒr die HĂ€lfte des Listenpreises? Ein siebensitziges SUV mit ĂŒber 60 Prozent Rabatt? Was nach einem schlechten Scherz klingt, ist bittere RealitĂ€t. Wang Lihong, der fĂŒr den HĂ€ndler Zcar arbeitet, filmt diese automobilen SchnĂ€ppchen fĂŒr Social Media â und trifft dabei den Nagel auf den Kopf: "Es gibt kein Auto, das nicht verkauft werden kann, es gibt nur einen Preis, der nicht passt."
Diese Worte könnten als Epitaph fĂŒr Chinas gescheiterte Industriepolitik dienen. Denn was hier passiert, ist nichts anderes als die Kapitulation vor den eigenen Ambitionen. HĂ€ndler geben Fahrzeuge lieber als Tageszulassungen in den Graumarkt, als sie in ihren Hallen verstauben zu lassen. Ein System, das an AbsurditĂ€t kaum zu ĂŒberbieten ist.
Der verhÀngnisvolle Masterplan aus Peking
Die Wurzeln dieses Debakels reichen tief. Bereits in den 1990er Jahren trĂ€umten Chinas Politiker davon, mit Elektroautos die WeltmĂ€rkte zu erobern. 2009 folgte das erste Milliardenprogramm, 2017 dann der entscheidende Schachzug: Der "Mittel- und langfristige Entwicklungsplan fĂŒr die Autoindustrie" sollte die Produktion bis 2025 auf 35 Millionen Fahrzeuge jĂ€hrlich hochschrauben.
Was folgte, war ein Rausch der Superlative. Provinzverwaltungen lockten Autobauer mit billigem Land, Steuergeschenken und dem Versprechen auf ArbeitsplĂ€tze. Die Gemeinde Changfeng etwa bot BYD Baugrund 40 Prozent unter Marktpreis an. Das Ergebnis? Ein modernes E-Auto-Werk in einer Region, die zuvor hauptsĂ€chlich fĂŒr ihr traditionelles Fladenbrot bekannt war.
Wenn Politik auf Marktwirtschaft trifft â und verliert
Chen Keyun, ein AutohĂ€ndler im Ruhestand, bringt es auf den Punkt: Das chinesische Wirtschaftsmodell sei vollstĂ€ndig auf Produktion ausgerichtet, nicht auf Nachfrage. Eine Erkenntnis, die so simpel wie vernichtend ist. WĂ€hrend im Westen die unsichtbare Hand des Marktes regiert, dirigiert in China die sehr sichtbare Hand der Partei â mit katastrophalen Folgen.
Die Kommunen machen den Autobauern sogar konkrete Produktionsvorgaben. Guangzhou etwa will drei Hersteller fördern, die jeweils 500.000 Elektroautos jĂ€hrlich produzieren sollen. Wer binnen drei Jahren eine Fabrik fĂŒr mindestens 100.000 Autos baut, erhĂ€lt jĂ€hrlich umgerechnet 60 Millionen Euro. Ein Irrsinn, der seinesgleichen sucht.
Der Teufelskreis der Ăberproduktion
Seit drei Jahren tobt nun ein gnadenloser Preiskrieg. Selbst PrĂ€sident Xi Jinping musste im Sommer eingestehen, dass die Situation unhaltbar sei. Doch statt die Notbremse zu ziehen, strampeln die Hersteller weiter â wie Liang Linhe vom Lkw-Bauer Sany Heavy Truck treffend bemerkt: "Es ist wie beim Fahrradfahren: Solange man strampelt, ist man zwar vielleicht auĂer Atem, aber fĂ€llt nicht um."
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2024 liefen 31 Millionen Autos vom Band, doch die KapazitĂ€ten sind weitaus höher. Was nicht verkauft wird, landet auf Autofriedhöfen oder wird bei Alibaba versteigert. Allein in diesem Jahr wurden dort ĂŒber 5.100 BYD-Fahrzeuge unter den Hammer gebracht â im Vorjahr waren es gerade einmal 61.
Das groĂe Sterben steht bevor
He Xiaopeng, Chef des Volkswagen-Partners Xpeng, prophezeit, dass von den derzeit 129 E-Auto- und Hybridmarken nur acht als eigenstĂ€ndige Unternehmen ĂŒberleben werden. Die Beratungsgesellschaft Alix Partners ist noch pessimistischer: Nur 15 Marken dĂŒrften es bis 2030 schaffen.
Die marktwirtschaftliche Lösung wĂ€re simpel: Die Schwachen sterben lassen. Doch Chinas Politiker fĂŒrchten Massenarbeitslosigkeit und sozialen Unfrieden. Also hĂ€lt man die Zombieunternehmen kĂŒnstlich am Leben â ein Spiel auf Zeit, das niemand gewinnen kann.
Lehren fĂŒr Deutschland: Wenn Planwirtschaft auf RealitĂ€t trifft
Was können wir aus diesem Desaster lernen? ZunĂ€chst einmal zeigt es eindrucksvoll, wohin staatliche Ăberregulierung und Planwirtschaft fĂŒhren. WĂ€hrend unsere Ampelregierung mit Ă€hnlich ambitionierten Klimazielen und Subventionsprogrammen hantierte, sollte Chinas Scheitern als mahnendes Beispiel dienen.
Die neue GroĂe Koalition unter Friedrich Merz tĂ€te gut daran, diese Lektion zu beherzigen. Statt mit 500-Milliarden-Sondervermögen die nĂ€chste Subventionsblase zu schaffen, sollte man auf die KrĂ€fte des freien Marktes vertrauen. Denn eines zeigt China ĂŒberdeutlich: Wer gegen den Markt regiert, regiert ins Chaos.
In einer Zeit, in der physische Werte wieder an Bedeutung gewinnen, erscheint die Investition in greifbare Vermögenswerte wie Edelmetalle als sinnvolle Alternative zu den Luftschlössern staatlich geförderter Ăberproduktion. Gold und Silber mögen keine spektakulĂ€ren Renditen versprechen, aber sie verschwinden auch nicht auf Autofriedhöfen oder in Versteigerungsportalen.
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