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28.09.2026
19:34 Uhr
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BrĂĽssel greift nach dem Sport: Sanktionen gegen Russlands Comeback?

BrĂĽssel greift nach dem Sport: Sanktionen gegen Russlands Comeback?
Symbolbild: KI-generiert

Die EU erwägt Sanktionen, Visa-Sperren und das Kürzen von Fördergeld, um russische und belarussische Athleten von internationalen Wettkämpfen unter eigener Flagge fernzuhalten. Das berichtet das Brüsseler Portal Euractiv unter Berufung auf mehrere EU-Diplomaten. Die Ideen stammen aus einem internen Papier des Europäischen Auswärtigen Dienstes und der EU-Kommission. Einen formellen Vorschlag gebe es bisher nicht.

Der Werkzeugkasten aus BrĂĽssel

Was in dem sogenannten Non-Paper steht, liest sich wie eine Anleitung zur Fernsteuerung des Weltsports. Laut dem Bericht werden unter anderem diese Hebel diskutiert:

  • gezielte Sanktionen gegen Personen mit Verbindungen zum russischen oder belarussischen Sport
  • Einschränkungen bei der Vergabe von Visa
  • KĂĽrzung von EU-Fördergeld fĂĽr Organisationen, die Athleten unter nationalen Symbolen starten lassen
  • Eingriffe bei Medienerlösen, die Diplomaten allerdings selbst fĂĽr kaum umsetzbar halten
  • Druck auf Drittstaaten, eine RĂĽckkehr unter russischer Flagge nicht zu erleichtern

Gerade der letzte Punkt hat es in sich. Brüssel will offenbar nicht nur Europas Sportpolitik steuern, sondern auch anderen Ländern erklären, wen sie bei ihren Wettkämpfen starten lassen. Die nächsten Sommerspiele finden 2028 in Los Angeles statt, also weit außerhalb des Einflussbereichs der EU-Kommission.

Das IOC hat die Tür geöffnet

Auslöser ist ein Kurswechsel in Lausanne. Am 7. Juli 2026 hob das Internationale Olympische Komitee die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees vorläufig auf. Belarus hatte das IOC bereits im Mai wieder zugelassen. Suspendiert worden war das russische Komitee im Herbst 2023, weil es Sportverbände aus vier annektierten ukrainischen Regionen aufgenommen hatte.

In Paris 2024 und bei den Winterspielen in Mailand und Cortina durften Russen nur als neutrale Athleten starten, ohne Flagge und ohne Hymne. Ob in Los Angeles wieder die Trikolore weht, ist laut IOC noch offen. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry nannte den Schritt mit Blick auf die neue strategische Ausrichtung ihrer Organisation „nur logisch“. Sportler sollen demnach nicht für das Handeln ihrer Regierungen bestraft werden.

Wo bleibt die Autonomie des Sports?

Hier liegt der Kern des Streits. Politische Neutralität gehört zu den Grundpfeilern der olympischen Idee. Schon 2023 hatte der damalige IOC-Chef Thomas Bach gewarnt, es wäre das Ende des Weltsports, wie wir ihn kennen, wenn Regierungen über die Startberechtigung von Athleten entschieden. Der Deutsche Olympische Sportbund begrüßte im Juli, dass die Fachverbände nun selbst wählen können. Er mahnte aber strenge Dopingkontrollen an und warnte davor, Moskau eine Bühne für Propaganda zu bieten.

Niemand bestreitet den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Frage ist eine andere: Soll die EU-Kommission mit Visa-Sperren und Geldentzug durchregieren, wo bisher unabhängige Verbände entschieden haben? Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für den Hang Brüssels, sich immer neue Zuständigkeiten zu sichern, die in keinem Vertrag stehen.

Europa ist uneins

Einig sind sich die Mitgliedstaaten jedenfalls nicht. Manche Regierungen wollen die Entscheidung den Verbänden überlassen, andere drängen auf eine gemeinsame europäische Linie. Einen Entwurf für Schlussfolgerungen der EU-Sicherheitsbotschafter soll die Slowakei am Dienstag blockiert haben, wie drei Diplomaten berichten.

Die Staats- und Regierungschefs hatten sich im Juni zwar darauf verständigt, eine Normalisierung erst nach einem „gerechten und dauerhaften Frieden“ in der Ukraine zuzulassen. Wie das umgesetzt werden soll, ist aber offen. Kommission und Auswärtiger Dienst sollen nun nachlegen. Am 20. November treffen sich die EU-Minister für Bildung, Sport und Kultur, dann dürfte das Thema wieder auf den Tisch kommen.

Bis dahin bleibt eine unbequeme Frage. Sanktionen hat Brüssel in den vergangenen Jahren reichlich beschlossen, den Frieden hat keines dieser Pakete näher gebracht. Warum sollte es ausgerechnet ein Visum für einen Hochspringer schaffen?

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