
Berlin nach dem Anschlag: Wenn der BĂŒrgermeister die Schuld beim eigenen Volk sucht

Es sind SĂ€tze, die man zweimal lesen muss, um ihre ganze Wucht zu begreifen. Der Regierende BĂŒrgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), hat nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in der Hauptstadt eine Diagnose gestellt â und sie fĂ€llt exakt so aus, wie man es von der politischen Klasse dieses Landes seit einem Jahrzehnt gewohnt ist: Nicht der TĂ€ter habe versagt, sondern die Integrationspolitik.
âWir haben ihn trotzdem nicht erreicht"
In einem Interview mit der rbb24 Abendschau verwies Wegner darauf, dass der mutmaĂliche AttentĂ€ter Abdul Ballout im Jahr 2005 in Berlin geboren wurde. Kita, Schule, das komplette Bildungssystem der Bundesrepublik â alles habe er durchlaufen. Und dennoch, so Wegner, habe man ihn fĂŒr die hiesige Art des Zusammenlebens nicht gewinnen können. Die Konsequenz, die der BĂŒrgermeister daraus zieht? Man mĂŒsse ĂŒber eine bessere Integrationspolitik sprechen, um âgenau solche Leute" zu erreichen.
Ein Mann fĂ€hrt mit einem Transporter in eine Menschenmenge â und die Antwort des höchsten ReprĂ€sentanten der Stadt lautet, dass der Staat sich mehr um ihn hĂ€tte kĂŒmmern mĂŒssen.
Man muss sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen. Zwanzig Jahre deutsche Sozialisation, finanziert vom deutschen Steuerzahler, begleitet von Erziehern, Lehrern, Sozialarbeitern und PrĂ€ventionsprogrammen â und am Ende steht die Forderung nach noch mehr davon. Wer das Scheitern eines Konzepts mit der Verdoppelung ebendieses Konzepts beantwortet, hat entweder nichts verstanden oder will nichts verstehen.
Die Empörung im Netz â und die Verteidigung aus den eigenen Reihen
Ein Videoausschnitt des Interviews verbreitete sich rasant in den sozialen Medien. Zahlreiche Nutzer warfen Wegner vor, er schiebe die Verantwortung implizit der Mehrheitsgesellschaft zu. Andere formulierten das aus, was Millionen BĂŒrger seit Jahren denken: Integration sei keine Bringschuld des Gastgeberlandes, sondern eine Holschuld derer, die hier leben wollen. Wer nach Kita, Schule und StaatsbĂŒrgerschaft immer noch nicht âerreicht" wurde, der wollte womöglich schlicht nicht erreicht werden.
Berlins Finanzsenator und CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers sprang seinem Parteifreund bei. Menschen seien keine Maschinen, lieĂ er auf X verlauten, und wer aus einer Momentaufnahme einen Skandal konstruiere, missbrauche das Gedenken fĂŒr billige Empörung. Ein bemerkenswerter Reflex: Nicht die Aussage selbst wird hinterfragt, sondern die Reaktion darauf.
Ein Sicherheitskonzept, das gelobt wird
Wegner nutzte das Interview zudem, um die Arbeit der Behörden zu wĂŒrdigen. Dass nicht wesentlich mehr Menschen ums Leben gekommen seien, sei der Absicherung des HauptveranstaltungsgelĂ€ndes zu verdanken. Auch die schnelle Ermittlungsarbeit lobte er. Der TatverdĂ€chtige war nach der Fahrt in die Menschenmenge am Tiergarten geflohen, verschanzte sich in einer Gartenlaube im Wedding und starb dort am Sonntagabend bei einem Schusswechsel mit dem SEK.
Bemerkenswert bleibt die Perspektive: Der MaĂstab ist nicht mehr, dass so etwas gar nicht erst passiert. Der MaĂstab ist, dass es nicht noch schlimmer kam. Willkommen in der neuen deutschen NormalitĂ€t, in der Betonpoller und Absperrgitter zum StraĂenbild gehören wie frĂŒher LitfaĂsĂ€ulen.
Ein Mann mit GlaubwĂŒrdigkeitsproblem
Es sei daran erinnert, dass Wegner ohnehin angeschlagen ist. Nach der sogenannten Blackout-AffĂ€re und WidersprĂŒchen zu angeblichen GesprĂ€chen mit dem Kanzleramt hatte er seinen RĂŒckzug als CDU-Spitzenkandidat erklĂ€rt. Ein Politiker, dessen Aussagen mehrfach nicht der Wahrheit entsprachen, erklĂ€rt der Ăffentlichkeit nun, woran es beim Zusammenleben in dieser Stadt hakt. Man darf skeptisch sein.
Die eigentliche Frage stellt niemand
Nach unserer Auffassung â und wir sind ĂŒberzeugt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung das Ă€hnlich sieht â liegt der Kern des Problems woanders. Nicht in zu wenig Förderprogrammen, nicht in zu wenig Sozialarbeitern, nicht in zu wenig Steuergeld fĂŒr den Integrationsapparat. Sondern in einer Politik, die ĂŒber Jahre hinweg Kontrolle, Sicherheit und die Interessen der eigenen BĂŒrger dem moralischen Selbstbild geopfert hat. Wer Zuwanderung ohne Steuerung zulĂ€sst und anschlieĂend die Rechnung an die Mehrheitsgesellschaft schickt, muss sich ĂŒber Vertrauensverlust nicht wundern.
Die KriminalitĂ€t in Deutschland bewegt sich auf Rekordniveau. Messerangriffe, AnschlĂ€ge, Gewalttaten â die Meldungen reiĂen nicht ab. Und die Antwort der Verantwortlichen bleibt seit Jahren dieselbe Endlosschleife aus Betroffenheit, Kerzen und der AnkĂŒndigung, es beim nĂ€chsten Mal besser zu machen. Es braucht Politiker, die fĂŒr dieses Land regieren und nicht gegen es. Das ist keine radikale Forderung. Das ist das Mindeste.
Was bleibt
Ein Toter, eine Stadt in Schockstarre, ein BĂŒrgermeister, der ĂŒber PrĂ€vention spricht. Und ein BĂŒrger, der sich fragt, wann endlich jemand die naheliegende Frage stellt: Warum eigentlich sollte ein in Berlin geborener, in Berlin beschulter junger Mann sich derart radikalisieren â und was sagt das ĂŒber Parallelgesellschaften aus, die man jahrzehntelang wachsen lieĂ, weil das Benennen des Problems als unfein galt?
In unsicheren Zeiten wĂ€chst bei vielen Menschen das BedĂŒrfnis, wenigstens das eigene Ersparte vor politischen Fehlentscheidungen zu schĂŒtzen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte hinweg als wertbestĂ€ndiger Anker bewĂ€hrt â unabhĂ€ngig davon, wer gerade regiert und welche Parolen ausgegeben werden. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sind sie eine sinnvolle ErgĂ€nzung zur langfristigen Absicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion wieder und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Jeder Leser ist verpflichtet, sich eigenstĂ€ndig zu informieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Entscheidungen selbst. FĂŒr Vermögensfragen empfehlen wir die Konsultation qualifizierter Fachleute.










