
Attacke in Berlin-Mitte: Angriff mit Flasche wegen Davidstern

Es war kurz nach halb drei in der Nacht zu Freitag, mitten in der Hauptstadt. Auf der TorstraĂe in Berlin-Mitte sollen zwei MĂ€nner eine 43-jĂ€hrige Frau auf ihren Davidstern angesprochen und antisemitisch beleidigt haben. AnschlieĂend soll einer der beiden mit einer zerbrochenen Glasflasche auf sie losgegangen sein.
Das teilte die Berliner Polizei mit. Die Frau habe sich gewehrt und dabei mehrere Schnittverletzungen an der Hand erlitten. Sie kam in ein Krankenhaus. Die beiden mutmaĂlichen Angreifer flĂŒchteten. Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen ĂŒbernommen.
Ein SchmuckstĂŒck genĂŒgt â und die Gewalt beginnt
Man muss sich diesen Vorgang auf der Zunge zergehen lassen: Eine Frau trĂ€gt eine Kette mit einem religiösen Symbol. Mehr nicht. Das reichte den mutmaĂlichen TĂ€tern offenbar als Anlass, sie erst verbal und dann â den Angaben der Polizei zufolge â mit einer Waffe aus Glas anzugehen.
JĂŒdisches Leben in Deutschland, 2026. Ein Davidstern in der Ăffentlichkeit wird fĂŒr manche zum Risiko. Wer das fĂŒr einen bedauerlichen Einzelfall hĂ€lt, sollte einen Blick auf die Statistiken werfen.
24 VorfĂ€lle â jeden einzelnen Tag
Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) registrierte nach eigenen Angaben fĂŒr das Jahr 2025 bundesweit 8.725 antisemitische VorfĂ€lle. Das sind im Schnitt rund 24 pro Tag â und sogar leicht mehr als im Vorjahr, als der Bundesverband bereits ĂŒber 8.700 FĂ€lle zĂ€hlte.
In Berlin allein dokumentierte RIAS Medienberichten zufolge 2.197 VorfĂ€lle im Jahr 2025. Rechnerisch also sechs antisemitische VorfĂ€lle â tĂ€glich â in einer einzigen deutschen Stadt. Die Meldestelle selbst weist darauf hin, dass ihre Zahlen nicht statistisch reprĂ€sentativ seien, weil viele VorfĂ€lle nie gemeldet wĂŒrden. Die tatsĂ€chliche Zahl dĂŒrfte demnach höher liegen.
Wo bleibt die Konsequenz?
Seit Jahren wiederholen Politiker aller Couleur nach solchen Taten dieselben Formeln. Betroffenheit, SolidaritÀt, "Nie wieder ist jetzt". Und danach? Die Kurven der Meldestellen zeigen unbeirrt nach oben.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das kein Kommunikationsproblem, sondern ein Vollzugsproblem. Wer Sicherheit verspricht, muss sie liefern: durch konsequente Strafverfolgung, durch PrĂ€senz dort, wo Menschen tatsĂ€chlich angegriffen werden, und durch die Bereitschaft, die HintergrĂŒnde dieser Taten schonungslos zu benennen â ohne ideologische RĂŒcksichtnahme in irgendeine Richtung.
Kritiker der Sicherheits- und Migrationspolitik der vergangenen Jahre sehen in solchen FĂ€llen ein Symptom eines gröĂeren Versagens. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist fĂŒr Deutschland ein Rekordniveau bei der erfassten KriminalitĂ€t und einen deutlichen Anstieg bei Angriffen mit Messern aus. FĂŒr viele BĂŒrger ist die innere Sicherheit lĂ€ngst zur entscheidenden Frage geworden.
Was jetzt zÀhlt
FĂŒr die TĂ€ter gilt die Unschuldsvermutung â sie sind bislang flĂŒchtig und nicht identifiziert. Was bleibt, ist das Bild einer Frau, die sich nachts in der eigenen Hauptstadt mit bloĂen HĂ€nden gegen eine Flasche wehren musste.
Ein Staat, der den Schutz seiner BĂŒrger nicht zuverlĂ€ssig garantiert, verliert mehr als Statistikpunkte. Er verliert Vertrauen. Und Vertrauen ist, anders als Haushaltsmittel, nicht per Sondervermögen zu beschaffen.
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