
Anleihen versagen als Schutzschild: Pensionsfonds setzen auf Gold!

Ausgerechnet die vorsichtigsten Investoren der Welt halten am gelben Metall fest. Pensionsfonds in den Niederlanden, den USA, Großbritannien und Australien haben Gold dauerhaft in ihre Portfolios eingebaut. Das geht aus einem neuen Bericht des World Gold Council hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Der Grund: Staatsanleihen schützen kaum noch so verlässlich wie früher.
Das Ende einer jahrzehntealten Gewissheit
Über Generationen galt an den Finanzmärkten eine einfache Regel. Fallen die Aktien, steigen die Staatsanleihen und federn den Schaden ab. Diese Regel bröckelt jedoch, und zwar gewaltig.
Laut dem World Gold Council bewegen sich US-Staatsanleihen seit 2022 überwiegend im Gleichschritt mit den Aktienmärkten. Wenn Aktien und Anleihen gemeinsam fallen, verliert der klassische Puffer seinen Sinn. Gold dagegen habe ein deutlich stabileres Korrelationsprofil gezeigt. Bei heftigen Börsenstürzen habe es sich sogar häufig gegenläufig zu Aktien entwickelt.
Bemerkenswert ist auch, was am Markt passiert ist: Seit Anfang 2022 hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt, obwohl die Renditen von US-Anleihen kräftig gestiegen sind. Nach Lehrbuch hätte das Gold eigentlich belasten müssen. Teilnehmer des Precious Metals Summit in Beaver Creek sahen darin zuletzt ein mögliches Signal, dass Gold wieder eine monetäre Rolle zurückgewinnt. Der Gold-Future notierte zuletzt bei rund 4.713 US-Dollar je Unze.
Vier Fonds, eine Gemeinsamkeit
Die untersuchten Engagements sind keine SchnellschĂĽsse. Die meisten Positionen entstanden in den Pandemiejahren 2020 und 2021, als Notenbanken Geld in nie dagewesenem AusmaĂź druckten. Seitdem halten die Fonds zwischen 2 und 5 Prozent in Gold, physisch oder ĂĽber Terminkontrakte.
- Pensioenfonds PDN (Niederlande): 7,7 Milliarden Euro schwer, 5 Prozent Goldanteil in physischem Metall, aufgebaut zwischen Oktober 2020 und April 2021.
- Fairfax County Retirement Systems (USA): etwa 3 Prozent eines 6,2-Milliarden-Dollar-Portfolios, ĂĽber Futures.
- Now: Pensions Master Trust (GroĂźbritannien): mehr als 2,5 Millionen Mitglieder, ĂĽber 8 Milliarden Pfund verwaltet, rund 2 Prozent in Gold-Futures.
- NGS Super (Australien): seit Juni 2020 investiert, aktuell etwa 3 Prozent.
Negativzinsen als Weckruf
Besonders aufschlussreich ist der niederländische Fall. PDN stützte seine Entscheidung auf eine Studie aus dem Jahr 2020. Damals rentierten deutsche Bundesanleihen unter null, und die gewaltigen Corona-Hilfsprogramme schürten Inflationsängste. Der Fonds strich seinen Staatsanleihen-Anteil um 10 Prozent zusammen. Die Hälfte des Geldes floss in physisches Gold.
Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Deutsche Staatsschulden, die Sparern Geld kosteten, trieben ausländische Rentenkassen ins Gold. Wer heute auf die neuen Schuldenberge in Berlin blickt, etwa das 500-Milliarden-Sondervermögen, dürfte diese Logik kaum für überholt halten.
Barren statt Minenaktien
Auffällig ist, dass die Fonds lieber direkt auf das Metall setzen als auf Bergbauaktien. Bei Minenbetreibern kommen viele Risiken zusammen: Rohstoffpreisschwankungen, Genehmigungsverfahren, operative Pannen und geopolitische Gefahren. Gold selbst bringt diese unternehmensspezifischen Risiken nicht mit.
Die Motive unterscheiden sich im Detail. Fairfax sehe Gold weiterhin als Inflationsschutz, NGS Super schätze es zusätzlich als Absicherung gegen Währungsentwertung. Eine einheitliche Zielquote gebe es nicht, betont der World Gold Council. Die eigentliche Botschaft ist eine andere: Keiner der Fonds hat seine Position aufgegeben, auch fünf bis sechs Jahre später nicht.
Was Privatanleger daraus lernen können
Profis, die fĂĽr Millionen Menschen die Altersvorsorge verwalten, verlassen sich nicht mehr allein auf Anleihen. Das sollte auch hierzulande zu denken geben. In Deutschland wird ĂĽber die Rente vor allem als Umlagesystem gestritten, kaum ĂĽber ihre Absicherung gegen Inflation und Krisen.
Für Sparer, die selbst vorsorgen, kann eine Beimischung physischer Edelmetalle wie Gold und Silber eine sinnvolle Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen sein. Gold ist hier keine Wette auf schnelle Kursgewinne, sondern ein Stabilitätsanker für Zeiten, in denen alte Gewissheiten nicht mehr gelten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.










