Kettner Edelmetalle
29.07.2026
13:50 Uhr

91,9 Prozent fĂŒr den Kanzler-Vertrauten: Wie die Unionsfraktion ihren eigenen Aufstand absagte

91,9 Prozent fĂŒr den Kanzler-Vertrauten: Wie die Unionsfraktion ihren eigenen Aufstand absagte
Symbolbild: KI-generiert

Es hĂ€tte der Moment werden können, in dem eine Fraktion ihrem Kanzler die Rechnung prĂ€sentiert. Stattdessen wurde es ein Ritual der Ergebenheit. Thorsten Frei, bis dato Kanzleramtsminister und damit engster Mitarbeiter von Friedrich Merz, ist von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit 91,9 Prozent zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewĂ€hlt worden. Ein Ergebnis, das man in westlichen Parlamenten selten sieht – und das, wie Beobachter spöttisch anmerken, in anderen historischen ZusammenhĂ€ngen als Zeichen besonders ausgeprĂ€gter Einigkeit galt.

Ein Wunschkandidat, wie aus dem Katalog

Frei war nicht irgendein Kandidat. Er war der Kandidat der Parteispitze, aufgestellt in einer Sonder-Fraktionssitzung, nachdem der RĂŒcktritt von Jens Spahn eine LĂŒcke gerissen hatte. Wer erwartet hatte, dass die Abgeordneten diese Wahl nutzen wĂŒrden, um dem Kanzler einen Denkzettel zu verpassen, wurde enttĂ€uscht. Im Gegenteil: Frei liegt deutlich ĂŒber dem Ergebnis seines VorgĂ€ngers Spahn, der zuletzt bei 86,5 Prozent landete. Auch Merz selbst hat als Fraktionschef schlechter abgeschnitten.

Bemerkenswert bleibt dennoch die Delle: Als Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer wurde Frei einst mit 99,4 Prozent bestĂ€tigt. Sieben Prozentpunkte weniger sind in dieser Disziplin fast schon eine Ohrfeige – nur eben eine mit Samthandschuh.

Die Stimmung? Am Boden

Aus informierten Kreisen heißt es, die Laune in der Fraktion befinde sich auf einem Tiefpunkt. Nach der Wahl stand die lange angekĂŒndigte Aussprache an, und im Vorfeld war von einer harten Abrechnung mit dem Kurs des Kanzlers die Rede – nicht nur, aber vor allem wegen seiner Personalentscheidungen der letzten Wochen.

Merz selbst soll in der Fraktion erklĂ€rt haben, der RĂŒcktritt Spahns habe ihm „Entscheidungsnotwendigkeiten" aufgezwungen. Er hĂ€tte sich gern mehr Zeit genommen, gern einen anderen Zeitpunkt gewĂ€hlt. Man muss diesen Satz zweimal lesen, um seine ganze Schönheit zu erfassen: Der Regierungschef der grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft Europas erklĂ€rt seiner eigenen Fraktion, dass er unter Zeitdruck gehandelt habe.

Wer die Union wĂ€hlt, wĂ€hlt lĂ€ngst nicht mehr das, was auf dem Etikett steht – so lautet der Vorwurf, der aus der eigenen WĂ€hlerbasis immer lauter wird.

Was von der konservativen Wende ĂŒbrig blieb

Erinnern wir uns: Im Wahlkampf 2025 versprach Merz die RĂŒckkehr zur Vernunft. Keine neuen Schulden, hieß es. Dann kamen 500 Milliarden Euro Sondervermögen und die KlimaneutralitĂ€t ins Grundgesetz. Kurskorrektur bei der Migration? Ein Grenzregime, das man mit der Lupe suchen muss. Und nun eine Fraktion, die ihren eigenen Unmut in ein Zustimmungsergebnis von ĂŒber 90 Prozent fĂŒr den Vertrauten des Kanzlers verpackt.

Man kann das Disziplin nennen. Man kann es auch anders nennen. In den Kommentarspalten konservativer Medien fĂ€llt das Urteil jedenfalls unmissverstĂ€ndlich aus – dort ist von Unterwerfungsgesten die Rede, von Ja-Sagern, von einer Partei, die im Wahlkampf konservativ spielt und im Regierungsalltag sozialdemokratische Wunschlisten abarbeitet.

Der eigentliche Verlierer sitzt zu Hause

Wer glaubt, all das sei bloß Berliner PersonalgeplĂ€nkel, irrt. Denn eine Fraktion, die ihre Kontrollfunktion aufgibt, produziert Politik ohne Widerstand. Und Politik ohne Widerstand bedeutet in diesem Land seit Jahren: mehr Schulden, mehr Umverteilung, mehr Belastung fĂŒr jene, die morgens aufstehen und arbeiten. Die Inflation, die aus den Milliardenpaketen erwachsen wird, zahlt kein Fraktionsvorsitzender. Sie zahlt der Sparer, der Rentner, der Familienvater.

Wer sein Vermögen vor dem stillen Zugriff durch Geldentwertung schĂŒtzen will, hat sich traditionell nach Sachwerten umgesehen, die keine Regierung durch Beschluss vermehren kann. Physisches Gold und Silber gehören seit Jahrtausenden zu diesen Ankern – als ErgĂ€nzung eines breit gestreuten Portfolios, nicht als Wunderwaffe, aber als Versicherung gegen politische Unvernunft.

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