
Warschau rüstet auf: Polen baut Ostsee-Flotte massiv aus – Moskaus Schattenkrieg als Auslöser

Während Deutschland noch immer über Zeitenwenden debattiert und sich in bürokratischen Schleifen verfängt, handelt Polen. Das Land an der Weichsel investiert Milliarden in seine Marine und sendet damit ein unmissverständliches Signal gen Osten: Die Zeiten der Naivität sind vorbei.
Drei Fregatten, drei U-Boote – Polens maritime Offensive
Die polnische Regierung hat ein ambitioniertes Aufrüstungsprogramm auf den Weg gebracht, das seinesgleichen sucht. In der Werft von Gdynia an der Ostseeküste entstehen derzeit drei hochmoderne Fregatten, die im Rahmen einer 3,5 Milliarden Euro schweren Partnerschaft zwischen dem staatlichen Rüstungskonzern PGZ und dem britischen Hersteller Babcock gebaut werden. Hinzu kommen drei schwedische U-Boote des Konzerns Saab für weitere 2,3 Milliarden Euro. Neue Minensuchboote wurden bereits in Dienst gestellt, und der Bau eines Rettungsschiffes für U-Boot-Einsätze hat begonnen.
Diese Investitionen sollen Jahrzehnte der Vernachlässigung ausgleichen. Der aktuelle Zustand der polnischen Marine ist geradezu beschämend: Ein einziges U-Boot sowjetischer Bauart aus dem Jahr 1986 sowie zwei Fregatten, die in den 1970er-Jahren in den USA gefertigt und vor über zwei Jahrzehnten von Washington gespendet wurden – das ist alles, was Warschau derzeit aufbieten kann.
Russlands hybride Kriegsführung als Weckruf
Der Grund für diese beispiellose Aufrüstung liegt auf der Hand: Russland. Der stellvertretende polnische Verteidigungsminister brachte es auf den Punkt, als er erklärte, die russische Bedrohung weite sich aus, und man könne die hybride Kriegsführung Moskaus, wie beispielsweise die Beschädigung von Unterseekabeln, nicht länger ignorieren. Polen müsse sich „sehr aktiv für die Sicherheit in der Ostsee einsetzen".
Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Die baltischen Länder meldeten Anfang des Monats mehrere verdächtige Kabelvorfälle innerhalb weniger Tage. Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte treiben ihr Unwesen in europäischen Gewässern. Selbst die deutsche Bundespolizei musste bereits wegen verdächtiger Schiffe ausrücken. Moskau weist sämtliche Vorwürfe zurück – doch wer glaubt dem Kreml noch?
Aus den Fehlern anderer lernen
Bemerkenswert ist die strategische Klugheit, mit der Warschau vorgeht. Der späte Einstieg in die maritime Aufrüstung birgt durchaus Vorteile, wie der für die Marinebeschaffung zuständige Offizier Piotr Skóra betonte. Polen habe Zugang zu neuester Technologie und könne die Produktionsprobleme anderer Nationen vermeiden.
„Ich bin den Briten sehr dankbar, weil sie offen waren und ihre Fehler geteilt haben, damit wir sie vermeiden können."
Die polnischen Fregatten basieren auf dem Design der britischen Type-31-Fregatten, für die Babcock 2024 einen Verlust von 90 Millionen Pfund aufgrund von Designänderungen und Kostenüberschreitungen verbuchte. Warschau lernt aus den Fehlern anderer – eine Tugend, die man sich in Berlin durchaus abschauen könnte.
Vom Bankrott zum Phönix
Die Werft in Gdynia selbst ist ein Symbol für Polens Wiederaufstieg. Noch vor wenigen Jahren stand sie vor dem Bankrott, nachdem ein früheres Fregattenprogramm wegen Finanzierungsproblemen eingestellt werden musste. Nun wachse sie „wie ein Phönix aus der Asche", wie ein Vorstandsmitglied des Werft-Eigentümers PGZ stolz verkündete. Die neuen Fregatten sollen zwischen 2029 und 2031 in Dienst gestellt werden.
Während Deutschland seine Bundeswehr kaputtgespart hat und nun mühsam versucht, das Sondervermögen sinnvoll einzusetzen, zeigt Polen, wie entschlossene Sicherheitspolitik aussieht. Das NATO-Mitglied nimmt seine Verantwortung ernst – und schützt damit nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Ostflanke des Bündnisses. Es wäre an der Zeit, dass auch Berlin diese Lektion verinnerlicht.










