
Vogelgrippe-Alarm: Deutschland versagt erneut beim Seuchenschutz
Die Vogelgrippe hat nun auch die Hauptstadt erreicht. WĂ€hrend Brandenburg bereits mit einem dramatischen Massensterben von Kranichen kĂ€mpft, wurden in Berlin die ersten beiden FĂ€lle der hochansteckenden Tierseuche bestĂ€tigt. Das Landeslabor Berlin-Brandenburg wies die AviĂ€re Influenza bei zwei verendeten Kranichen nach â einem in Charlottenburg-Wilmersdorf, dem anderen in Friedrichshain-Kreuzberg. Die endgĂŒltige BestĂ€tigung durch das Friedrich-Loeffler-Institut steht noch aus, doch die Zeichen stehen auf Sturm.
Versagen auf ganzer Linie
Was sich derzeit in Deutschland abspielt, ist ein LehrstĂŒck behördlichen Versagens. WĂ€hrend in Brandenburg bereits ĂŒber 2.000 Kraniche qualvoll verenden und fast 18.000 Nutztiere notgeschlachtet werden mussten, reagieren die Behörden wie gewohnt: zu spĂ€t, zu zögerlich, zu planlos. In Mecklenburg-Vorpommern fielen bereits ĂŒber 150.000 Tiere der Seuche zum Opfer. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache ĂŒber die UnfĂ€higkeit unserer Verwaltung, rechtzeitig und effektiv zu handeln.
Die Senatsverwaltung fĂŒr Justiz und Verbraucherschutz warnt nun vor weiteren AusbrĂŒchen. Man mĂŒsse mit einer schnellen Verbreitung durch den Vogelzug rechnen, heiĂt es lapidar. Als ob das nicht vorhersehbar gewesen wĂ€re! Jedes Jahr ziehen Millionen Vögel ĂŒber Deutschland â und jedes Jahr scheint es die Behörden aufs Neue zu ĂŒberraschen.
Zoo und Tierpark in Alarmbereitschaft
Immerhin zeigen Zoo und Tierpark Berlin, wie verantwortungsvolles Handeln aussieht. Pelikane, GĂ€nse, Enten und Greifvögel wurden vorsorglich in geschĂŒtzte Winterquartiere gebracht. âDer Schutz unserer Tiere hat oberste PrioritĂ€t", betonte Matthias Papies, Senior Kurator des Tierparks. Ein wohltuender Kontrast zur Lethargie der Politik, die erst handelt, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.
Brandenburg im Ausnahmezustand
Die Situation in Brandenburg entwickelt sich derweil zur Katastrophe. Im Linumer Teichland, einem wichtigen Rastplatz fĂŒr Zugvögel, tĂŒrmen sich die Kadaver. Norbert SchneeweiĂ vom Artenschutzzentrum Linum schĂ€tzt die Zahl der toten Kraniche auf etwa 2.000. Eine Tragödie fĂŒr den Artenschutz und ein Armutszeugnis fĂŒr die SeuchenprĂ€vention in diesem Land.
âWas uns beunruhigt, ist der sehr schnelle Verlauf der letzten Tage. Wir sehen lokal Sterberaten von ĂŒber zehn Prozent", warnte Christa KĂŒhn, PrĂ€sidentin des Friedrich-Loeffler-Instituts.
Die tatsĂ€chlichen Zahlen dĂŒrften noch höher liegen, da viele verendete Tiere in unzugĂ€nglichen Gebieten nicht gefunden werden. Doch statt endlich durchgreifende MaĂnahmen zu ergreifen, ĂŒbt sich die Politik in Beschwichtigungen. Man solle nicht von âSuperspreadern" sprechen, das schĂŒre nur Panik, meint KĂŒhn. Als ob die RealitĂ€t weniger beunruhigend wĂ€re als die Wortwahl!
Hilflose Appelle statt wirksamer MaĂnahmen
Die Empfehlungen der Behörden lesen sich wie ein EingestĂ€ndnis der eigenen Hilflosigkeit: BĂŒrger sollen tote Vögel melden, aber bloĂ nicht anfassen. Katzen sollen drinnen bleiben, Hunde an der Leine gefĂŒhrt werden. GeflĂŒgelhalter werden angehalten, Futter und Wasser vor Wildvögeln zu schĂŒtzen. Alles richtig, aber wo bleibt die groĂflĂ€chige PrĂ€vention? Wo sind die FrĂŒhwarnsysteme? Wo die ausreichenden Ressourcen fĂŒr die VeterinĂ€rĂ€mter?
Stattdessen droht nun die Stallpflicht fĂŒr GeflĂŒgel â wieder einmal eine MaĂnahme, die vor allem kleine Halter und HobbyzĂŒchter trifft, wĂ€hrend die eigentlichen Probleme ungelöst bleiben. Es ist das ĂŒbliche Muster: Die Politik reagiert mit Verboten und EinschrĂ€nkungen fĂŒr die BĂŒrger, statt die strukturellen Defizite anzugehen.
Ein Weckruf, der ungehört verhallt?
Die aktuelle Vogelgrippe-Welle sollte ein Weckruf sein. Sie zeigt einmal mehr, wie schlecht Deutschland auf Krisen vorbereitet ist. WĂ€hrend andere LĂ€nder lĂ€ngst umfassende Monitoring-Systeme und NotfallplĂ€ne etabliert haben, stolpert man hierzulande von einer Krise in die nĂ€chste. Die Parallelen zur Corona-Pandemie sind unĂŒbersehbar: Auch damals war man trotz aller Warnungen unvorbereitet, reagierte zu spĂ€t und setzte dann auf ĂŒberzogene MaĂnahmen, die mehr schadeten als nutzten.
Es ist höchste Zeit fĂŒr einen Paradigmenwechsel. Deutschland braucht eine vorausschauende Seuchenpolitik, die nicht erst handelt, wenn die Katastrophe bereits eingetreten ist. Doch solange in Berlin Ideologie vor Pragmatismus geht und Symbolpolitik wichtiger ist als echter Tierschutz, werden wir weiter von einer Krise in die nĂ€chste taumeln. Die toten Kraniche von Brandenburg sind ein mahnendes Symbol fĂŒr das Versagen einer Politik, die ihre PrioritĂ€ten lĂ€ngst aus den Augen verloren hat.
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