Kettner Edelmetalle
20.02.2026
19:34 Uhr

Trumps riskantes Pokerspiel: Begrenzter MilitÀrschlag gegen den Iran als diplomatisches Druckmittel?

Die Vereinigten Staaten haben die grĂ¶ĂŸte Konzentration an LuftstreitkrĂ€ften im Nahen Osten seit der verheerenden Irak-Invasion von 2003 zusammengezogen. Und nun erwĂ€gt PrĂ€sident Donald Trump offenbar einen sogenannten „begrenzten Erstschlag" gegen den Iran – ein militĂ€risches Manöver, das Teheran an den Verhandlungstisch zwingen soll, um den maximalistischen Forderungen Israels und Washingtons nachzugeben. Was auf dem Papier wie chirurgische PrĂ€zision klingt, könnte sich in der RealitĂ€t als ZĂŒndschnur an einem Pulverfass erweisen.

Zwei fragwĂŒrdige PrĂ€missen als Grundlage

Die Idee eines limitierten Schlags basiert auf zwei Annahmen, die man bestenfalls als gewagt, schlimmstenfalls als naiv bezeichnen muss. Erstens: Luftangriffe allein wĂŒrden den Iran dazu bewegen, seine defensiven ballistischen RaketenkapazitĂ€ten aufzugeben und jegliche Urananreicherung einzustellen. Zweitens: Der Iran wĂŒrde auf einen amerikanischen „begrenzten Schlag" nicht in einer Weise reagieren, die die USA, Israel, den Iran und möglicherweise sogar Russland und China auf eine unkontrollierbare Eskalationsleiter treibt.

Wer die Geschichte des Nahen Ostens auch nur oberflĂ€chlich kennt, weiß, dass beide PrĂ€missen auf tönernen FĂŒĂŸen stehen. Das Wall Street Journal berichtete, der Einzelschlag-Ansatz sei eine Alternative zu einer wochenlangen MilitĂ€rkampagne, die nicht nur Nuklearanlagen, sondern auch staatliche Sicherheitseinrichtungen ins Visier nehmen wĂŒrde. Das Pentagon plane aktiv fĂŒr ein solches Szenario, und ein Beamter habe gegenĂŒber Reuters eingerĂ€umt, dass die Regierung mit iranischen Vergeltungsmaßnahmen rechne – einer Kette von SchlĂ€gen und GegenschlĂ€gen, die weit lĂ€nger dauern wĂŒrde als der zwölftĂ€gige Krieg im vergangenen Sommer, den Israel initiiert hatte.

Irans strategische Geduld am Ende?

Jahrzehntelang hat der Iran trotz massiver Provokationen bemerkenswerte ZurĂŒckhaltung geĂŒbt. Die Tötung von General Qasem Soleimani durch die USA im Jahr 2020, der israelische Angriff auf das iranische Konsulat in Syrien im April 2024, die systematische Ermordung iranischer Nuklearwissenschaftler durch israelische Geheimdienste – all das beantwortete Teheran mit kalkulierter MĂ€ĂŸigung. Doch diese Ära scheint vorĂŒber zu sein.

„Anders als bei der ZurĂŒckhaltung, die der Iran im Juni 2025 zeigte, haben unsere mĂ€chtigen StreitkrĂ€fte keinerlei Bedenken, mit allem zurĂŒckzuschlagen, was wir haben, sollten wir erneut angegriffen werden", schrieb der iranische Außenminister Abbas Araghchi im Januar.

Noch deutlicher wurde Ayatollah Khamenei selbst, der das Bild amerikanischer Matrosen beschwor, die durch Trumps Kriegsinitiative ein nasses Grab finden könnten. Die Amerikaner prahlten stĂ€ndig damit, ein Kriegsschiff in Richtung Iran geschickt zu haben. Doch gefĂ€hrlicher als dieses Kriegsschiff sei die Waffe, die es auf den Meeresgrund schicken könne. Worte, die man nicht als leere Drohungen abtun sollte – insbesondere nachdem iranische Hyperschallraketen im vergangenen Sommer ihre verheerende Wirksamkeit unter Beweis gestellt haben und israelische Abfangraketen schlichtweg ĂŒberforderten.

Russland und China als unberechenbare Variablen

Was die Lage zusĂ€tzlich verkompliziert, sind die zunehmend engen Beziehungen des Iran zu Russland und China. Die drei Nationen haben kĂŒrzlich gemeinsame Marinemanöver in der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus, dem Golf von Oman und dem nördlichen Indischen Ozean durchgefĂŒhrt. Putins Berater Nikolai Patruschew rahmte die Übungen als Teil von Russlands Bestrebungen ein, eine „multipolare Weltordnung auf den Ozeanen" voranzutreiben – unter Einbeziehung des BRICS-BĂŒndnisses, dem nun eine „vollwertige strategische maritime Dimension" verliehen werden solle.

Zwar sei es unwahrscheinlich, dass chinesische oder russische StreitkrĂ€fte direkt mit US-Truppen aneinandergeraten wĂŒrden. Doch ihre bloße PrĂ€senz in den ohnehin ĂŒberfĂŒllten GewĂ€ssern erhöht das Risiko versehentlicher ZusammenstĂ¶ĂŸe und schrĂ€nkt die ManövrierfĂ€higkeit der US-Marine erheblich ein. Ein amerikanischer Angriff auf den Iran wĂŒrde die geopolitische Tektonik in einer Weise verschieben, deren Konsequenzen niemand seriös vorhersagen kann.

Gescheiterte Diplomatie und absurde Forderungen

Ein MilitĂ€rschlag wĂŒrde zweifellos das Ende der jĂŒngsten amerikanisch-iranischen Verhandlungen bedeuten. Zwei GesprĂ€chsrunden fanden im Februar statt – zunĂ€chst im Oman, dann in Genf. Obwohl der Iran anfĂ€nglich positive Signale ĂŒber die Genfer GesprĂ€che aussandte, Ă€ußerten letztlich beide Seiten Unzufriedenheit. VizeprĂ€sident J.D. Vance warf dem Iran vor, Trumps Forderungen nicht ernst zu nehmen: die vollstĂ€ndige Einstellung der Urananreicherung und die Begrenzung der Reichweite konventioneller ballistischer Raketen, einschließlich der Hyperschallraketen.

Die Forderung, der Iran solle ausgerechnet auf seine letzte verbliebene Abschreckung gegen Israel verzichten, wird weithin als Bedingung betrachtet, der Teheran niemals zustimmen wird. Ohne dieses Abschreckungspotenzial, so die Analyse des Quincy Institute, wĂ€re Israel eher geneigt, den Iran anzugreifen, um dessen Unterwerfung zu zementieren. Eine Kapitulation vor Trumps „Deal" wĂŒrde die Konfrontation nicht beenden, sondern Teheran nur verwundbarer fĂŒr weitere Angriffe machen.

Besonders pikant: WĂ€hrend der Iran seinen Außenminister zu den GesprĂ€chen entsandte, wurde die US-Delegation von Trumps Immobilien-Vertrautem und „Sondergesandten" Steve Witkoff sowie Schwiegersohn Jared Kushner angefĂŒhrt. Iranische Offizielle zeigten sich bestĂŒrzt ĂŒber diese diplomatische Asymmetrie. Man behandle Genf wie einen diplomatischen Drive-Through, so der Vorwurf – eine Iran-Lösung zum FrĂŒhstĂŒck bestellen und nachmittags noch schnell einen Ukraine-Deal mitnehmen.

Parallelen zu Nordkorea – und zum Irak

Die Diskussion ĂŒber einen „Denkzettel-Schlag" gegen den Iran hat durchaus Parallelen zu Trumps erster Amtszeit. 2018 erwog er einen Angriff auf Nordkorea, um die Ernsthaftigkeit seiner Absichten bezĂŒglich des dortigen Atomwaffenprogramms zu unterstreichen. Jenes Kapitel endete ohne Krieg – Trump entschied sich fĂŒr diplomatische GesprĂ€che, die zwar ohne nordkoreanische ZugestĂ€ndnisse blieben, aber immerhin Frieden bewahrten.

Doch der Iran ist nicht Nordkorea. Die geographische Lage an der Straße von Hormus, durch die ein FĂŒnftel des weltweiten Öltransports fließt, macht jeden militĂ€rischen Konflikt zu einem globalen Wirtschaftsrisiko ersten Ranges. Trump selbst deutete am Donnerstag vage einen Zeitrahmen an: Man werde „in den nĂ€chsten zehn Tagen" erfahren, ob weitere Schritte nötig seien.

Die Kosten des Krieges – eine Mahnung aus der jĂŒngsten Geschichte

Was auf dem Spiel steht, lĂ€sst sich in nĂŒchternen Zahlen ausdrĂŒcken: Die Kriege nach dem 11. September 2001 – im Irak, in Afghanistan und anderswo – forderten mindestens 4,5 Millionen Menschenleben und kosteten rund acht Billionen Dollar. Ausgerechnet Trump, der im Wahlkampf 2016 den Irakkrieg mutig verurteilte, steht nun vor der Frage, ob er dem Druck von Iran-Falken wie dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und Senator Lindsey Graham nachgibt.

FĂŒr Europa und insbesondere fĂŒr Deutschland hĂ€tte eine militĂ€rische Eskalation im Nahen Osten verheerende wirtschaftliche Folgen. Die Energiepreise wĂŒrden explodieren, die ohnehin fragile Konjunktur weiter belastet, die Inflation angeheizt. In einer Zeit, in der die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz bereits ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen plant und die Schuldenlast der kommenden Generationen ins Unermessliche steigt, wĂ€re ein neuer Nahostkrieg das Letzte, was die deutsche Wirtschaft verkraften könnte.

Gold und andere physische Edelmetalle dĂŒrften in einem solchen Szenario einmal mehr ihre Rolle als sicherer Hafen unter Beweis stellen. Wer angesichts der geopolitischen UnwĂ€gbarkeiten sein Vermögen schĂŒtzen möchte, sollte die Beimischung physischer Edelmetalle in ein breit gestreutes Portfolio ernsthaft in Betracht ziehen. In Zeiten, in denen Diplomatie zum Drive-Through verkommt und Kriegsschiffe als Verhandlungsinstrumente dienen, bleibt Gold das, was es seit Jahrtausenden ist: der ultimative Wertspeicher in unsicheren Zeiten.

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