Kettner Edelmetalle
18.03.2026
16:21 Uhr

Trump setzt Jones Act aus: Verzweifelter Versuch, den Ölmarkt zu beruhigen

WĂ€hrend der Nahost-Konflikt die globalen EnergiemĂ€rkte in Aufruhr versetzt und die Ölpreise in schwindelerregende Höhen klettern, greift US-PrĂ€sident Donald Trump zu einem drastischen Mittel: Er hat den legendĂ€ren Jones Act – ein ĂŒber hundert Jahre altes Schifffahrtsgesetz – fĂŒr 60 Tage außer Kraft gesetzt. Ein Schritt, der die Verwundbarkeit der westlichen Energieversorgung schonungslos offenlegt.

Ein Gesetz aus der Mottenkiste – und seine plötzliche Relevanz

Der Jones Act, 1920 unter PrĂ€sident Woodrow Wilson in Kraft getreten, schreibt vor, dass der Transport von GĂŒtern zwischen US-amerikanischen HĂ€fen ausschließlich durch amerikanische Schiffe erfolgen darf. Was einst als Maßnahme zur StĂ€rkung der heimischen Schifffahrtsindustrie nach dem Ersten Weltkrieg gedacht war, entpuppt sich in Krisenzeiten als logistischer Flaschenhals. Denn es gibt weniger als 100 Schiffe, die den strengen Anforderungen des Gesetzes entsprechen – eine geradezu lĂ€cherliche Zahl angesichts der gewaltigen Mengen an Öl, Gas und Kohle, die tĂ€glich zwischen amerikanischen HĂ€fen bewegt werden mĂŒssen.

Die vorĂŒbergehende Aussetzung soll es nun ermöglichen, dass „lebenswichtige Ressourcen wie Öl, Erdgas, DĂŒngemittel und Kohle frei zu den US-HĂ€fen fließen können", wie Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt erklĂ€rte. Internationale Tanker dĂŒrfen damit vorĂŒbergehend einspringen – ein EingestĂ€ndnis, dass die USA trotz ihrer enormen Schieferölproduktion keineswegs so energieunabhĂ€ngig sind, wie es die politische Rhetorik gerne suggeriert.

Die Straße von Hormus – Nadelöhr der Weltwirtschaft

Der Hintergrund dieser Notmaßnahme ist alarmierend. Die Straße von Hormus, durch die rund ein FĂŒnftel des weltweiten Ölhandels fließt, ist durch die Eskalation des Iran-Konflikts faktisch blockiert. Iranische Drohungen gegen Handelsschiffe haben diese strategisch bedeutsame Wasserstraße praktisch unpassierbar gemacht. Die Konsequenzen spĂŒrt die gesamte Weltwirtschaft: Der Brent-Ölpreis schoss am Mittwoch um ĂŒber sechs Prozent nach oben und durchbrach die Marke von 109 Dollar pro Barrel. Auch der US-Ölpreis kletterte um knapp drei Prozent auf 99 Dollar.

FĂŒr europĂ€ische Verbraucher – und ganz besonders fĂŒr die ohnehin gebeutelte deutsche Wirtschaft – sind das keine guten Nachrichten. Steigende Energiepreise wirken wie eine Steuer auf alles: auf Produktion, Transport, Heizung und letztlich auf jeden einzelnen Einkauf im Supermarkt. Man darf sich fragen, ob die neue Große Koalition unter Friedrich Merz fĂŒr solche externen Schocks gewappnet ist – oder ob man in Berlin wieder einmal von den Ereignissen ĂŒberrollt wird.

Strukturelles Problem bleibt ungelöst

Doch selbst Experten warnen davor, die Wirkung der Jones-Act-Aussetzung zu ĂŒberschĂ€tzen. Daleep Singh, Chefökonom beim Vermögensverwalter PGIM, wies auf ein fundamentales MissverhĂ€ltnis hin: Die meisten US-Raffinerien seien darauf ausgelegt, schweres Rohöl aus dem Nahen Osten zu verarbeiten, wĂ€hrend die USA hauptsĂ€chlich leichteres Schieferöl fördern. Die Amerikaner können ihr Öl nun zwar leichter im Land bewegen, aber sie können nicht genug von dem raffinieren, was sie selbst produzieren, so Singh in einer Kundennotiz. Von Energieautarkie könne also keine Rede sein.

Trump selbst zeigte sich in den vergangenen Tagen zunehmend frustriert ĂŒber die mangelnde Bereitschaft verbĂŒndeter Nationen, bei der Sicherung der Straße von Hormus zu helfen. Gleichzeitig betonte er, die USA brĂ€uchten keinerlei UnterstĂŒtzung bei ihren laufenden MilitĂ€roperationen – ein Widerspruch, der die komplizierte Gemengelage treffend illustriert.

Was bedeutet das fĂŒr Anleger?

Die aktuelle Krise zeigt einmal mehr, wie fragil die globalen Lieferketten und EnergiemĂ€rkte sind. Geopolitische Verwerfungen können binnen Stunden Milliardenwerte vernichten und ganze Volkswirtschaften unter Druck setzen. In solchen Zeiten erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber als das, was sie seit Jahrtausenden sind: ein verlĂ€sslicher Anker in stĂŒrmischen Zeiten. Wer sein Portfolio mit physischen Edelmetallen ergĂ€nzt, schafft sich eine Absicherung gegen genau jene Verwerfungen, die wir derzeit in Echtzeit beobachten können.

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