
TrÀnengas und Blendgranaten: EU-Polizei geht brutal gegen protestierende Bauern vor

Was sich gestern vor dem EuropĂ€ischen Parlament in StraĂburg abspielte, gleicht einem Armutszeugnis fĂŒr die viel beschworene europĂ€ische Demokratie. WĂ€hrend die selbsternannten Eliten der EU beim Weltwirtschaftsforum in Davos Champagner schlĂŒrften und ĂŒber das Schicksal der Welt philosophierten, wurden jene Menschen, die tĂ€glich fĂŒr unsere ErnĂ€hrung sorgen, mit TrĂ€nengas und Blendgranaten empfangen.
Tausende Landwirte fordern Gehör â und werden niedergeknĂŒppelt
Rund 4.500 Bauern aus ganz Europa â aus Italien, Belgien, Deutschland und vor allem aus Frankreich â hatten sich auf den Weg nach StraĂburg gemacht. Ihr Anliegen: Die Blockade des umstrittenen Mercosur-Handelsabkommens, das EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen im Alleingang durchgedrĂŒckt hatte. Doch statt eines offenen Ohrs fanden sie Polizeiketten vor.
Der polnische EU-Abgeordnete Maciej WÄ sik von der Partei Recht und Gerechtigkeit dokumentierte die Szenen in den sozialen Medien:
âBauern versuchen, ins EuropĂ€ische Parlament zu gelangen. Die Polizei setzte TrĂ€nengas ein."
Als die Demonstranten versuchten, das ParlamentsgebĂ€ude zu betreten, griffen die Beamten zu Blendgranaten. Ein Bild, das man eher aus autoritĂ€ren Regimen kennt â nicht aus dem Herzen der vermeintlich demokratischen EuropĂ€ischen Union.
Mercosur: Ein TodesstoĂ fĂŒr Europas Landwirtschaft
Das Mercosur-Abkommen soll den Export europĂ€ischer Autos, Maschinen und Weine nach Lateinamerika ankurbeln. Im Gegenzug werden die Schleusen fĂŒr sĂŒdamerikanisches Rindfleisch, Zucker, Reis, Honig und Soja geöffnet. Was auf dem Papier nach fairem Handel klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Verrat an den europĂ€ischen Landwirten.
Die 26-jĂ€hrige französische Bio-BĂ€uerin AnaĂŻs Foulquier brachte es auf den Punkt: Ihr Betrieb, auf dem sie Ziegen, MilchkĂŒhe und Legehennen unter strengsten Standards hĂ€lt, wird durch dieses Abkommen zerstört werden. WĂ€hrend europĂ€ische Bauern jeden erdenklichen Standard einhalten mĂŒssen, dĂŒrfen nun Produkte importiert werden, die unter völlig anderen Bedingungen entstehen.
Brasiliens Pestizid-Paradies
Die Zahlen sind erschreckend: Allein Brasilien erlaubt den Einsatz von sage und schreibe 3.669 verschiedenen Pestiziden â viele davon in Europa lĂ€ngst verboten. Der Bundesstaat Mato Grosso gilt als das Königreich der AgrotoxizitĂ€t. Millionen Hektar Regenwald wurden bereits fĂŒr industrielle Monokulturen gerodet. Mit dem neuen Abkommen wird diese Zerstörung nur noch beschleunigt.
Eine französisch-deutsche Dokumentation mit dem Titel âPestizide: Europas Heuchelei" entlarvte bereits die doppelten Standards: Produkte, die auf dem alten Kontinent verboten sind, werden munter nach SĂŒdamerika verkauft â und kommen nun als billige Lebensmittel zurĂŒck auf unsere Teller.
Die Klimaheuchelei der EU-Kommission
Besonders pikant erscheint das Abkommen vor dem Hintergrund der stĂ€ndigen Klimapredigten aus BrĂŒssel. Jahrelang wurden europĂ€ische BĂŒrger und Unternehmen mit immer strengeren Umweltauflagen gegĂ€ngelt. Die viel gepriesenen âFarm-to-Table"-Programme sollten lokale Produktion fördern. Doch nun sollen Lebensmittel von der anderen Seite der Welt importiert werden? Von âregional und saisonal" kann keine Rede mehr sein, wenn das Steak erst 10.000 Kilometer zurĂŒcklegen muss.
Hervé Lapie, GeneralsekretÀr des französischen Bauernverbandes FNSEA, gab sich kÀmpferisch:
âSelbst wenn einige LĂ€nder Mercosur unterstĂŒtzen, gibt es innerhalb dieser LĂ€nder Abgeordnete mit ernsthaften Zweifeln. Es könnte auf wenige Stimmen ankommen, deshalb mĂŒssen wir den Druck aufrechterhalten."
Das Parlament knickt ein
Doch die Hoffnung auf einen Stopp des Abkommens scheint vergebens. Die gröĂte Fraktion im EuropĂ€ischen Parlament, die EVP, hat bereits angekĂŒndigt, einen möglichen Einspruch beim EuropĂ€ischen Gerichtshof nicht zu unterstĂŒtzen. Damit ist der Weg fĂŒr eine reibungslose Ratifizierung geebnet â gegen den erklĂ€rten Willen der europĂ€ischen Landwirte.
Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Die Bilder aus StraĂburg zeigen eine EU, die sich von ihren BĂŒrgern entfremdet hat. Eine Union, die lieber TrĂ€nengas gegen ihre eigenen Bauern einsetzt, als deren berechtigte Sorgen ernst zu nehmen. Und eine politische Elite, die beim Champagner in Davos ĂŒber Nachhaltigkeit philosophiert, wĂ€hrend sie gleichzeitig ein Abkommen durchwinkt, das RegenwĂ€lder zerstört und pestizidverseuchte Lebensmittel nach Europa bringt.
Die europĂ€ischen Landwirte haben gestern in StraĂburg nicht nur fĂŒr ihre eigene Existenz gekĂ€mpft â sie haben fĂŒr uns alle gekĂ€mpft. DafĂŒr, dass wir auch in Zukunft wissen, woher unser Essen kommt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde. Dass sie dafĂŒr mit TrĂ€nengas empfangen wurden, ist eine Schande fĂŒr Europa.










