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07.01.2026
15:06 Uhr

Tragödie von Crans-Montana: Feuerwehrchef schildert apokalyptische Szenen der Silvesternacht

Tragödie von Crans-Montana: Feuerwehrchef schildert apokalyptische Szenen der Silvesternacht

Die Schweiz steht noch immer unter Schock. 40 junge Menschen verloren ihr Leben, als in der Silvesternacht ein verheerendes Feuer die Bar Constellation im noblen Skiort Crans-Montana in ein Inferno verwandelte. Nun bricht der Einsatzleiter der RettungskrĂ€fte sein Schweigen – und seine Worte lassen das Ausmaß dieser Katastrophe erst richtig begreifen.

„Das ist Krieg" – Ein Feuerwehrmann am Rande des Zusammenbruchs

David Vocat, Kommandant der freiwilligen Feuerwehr, hatte sich auf einen ruhigen Silvesterabend eingestellt. „Endlich mal ein schöner Silvesterabend", dachte er noch kurz vor dem UnglĂŒck. Dann, um exakt 1:31 Uhr, ging der Notruf ein. Was er und seine 15 MĂ€nner bei ihrer Ankunft vorfanden, beschreibt er als apokalyptisch.

„Es war ein furchtbarer Anblick. Als ich diese schreienden Menschen sah, junge Leute, verbrannte Menschen, das war sehr erschĂŒtternd. Und ich dachte mir: ‚Das ist Krieg'."

Besonders eine Szene verfolgt den erfahrenen Einsatzleiter bis heute. Er nahm ein junges MĂ€dchen in seine Arme, versuchte sie zu reanimieren – vergeblich. Ein SanitĂ€ter musste ihn schließlich daran erinnern, dass andere noch zu retten seien. „Dass man jemanden zurĂŒcklassen muss, ist so schwer, so etwas sollte man nicht erleben mĂŒssen", sagt Vocat sichtlich gebrochen.

Die WĂŒrde einer trauernden Mutter

Was den Feuerwehrmann jedoch am meisten erschĂŒtterte, war die Begegnung mit einer Mutter, die ihren Sohn verloren hatte. Vocat rechnete mit VorwĂŒrfen, mit Ablehnung. Stattdessen sagte sie: „Danke fĂŒr all die Menschen, die Sie gerettet haben." Diese Worte, ausgesprochen von einer Frau, deren Kind tot ist, treffen ins Mark.

Die psychische Belastung fordert ihren Tribut. „Ich mache diesen Job aus Leidenschaft, aber ich weiß nicht, ob ich weitermachen kann", gesteht Vocat ein. Seine Berufung, der er Jahre seines Lebens gewidmet hat, steht auf dem Spiel. Ein Kollege brachte es auf den Punkt: „DafĂŒr habe ich mich nicht gemeldet."

SolidaritÀt inmitten des Chaos

Trotz aller Schrecken gab es auch Lichtblicke. Die Jugendlichen vor Ort packten tatkrĂ€ftig mit an, trugen Verletzte, schleppten AusrĂŒstung herbei. „Es war wirklich ein fantastischer Zusammenhalt", erinnert sich Vocat. In Momenten grĂ¶ĂŸter Not zeigt sich eben oft das Beste im Menschen.

Ermittlungen gegen Barbetreiber laufen

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die französischen Betreiber der Bar eingeleitet. Der Verdacht: fahrlÀssige Tötung, fahrlÀssige Körperverletzung und fahrlÀssige Brandstiftung. Nach ersten Erkenntnissen sollen FeuerwerksfontÀnen, die an Sektflaschen befestigt waren, den Brand im Keller ausgelöst haben. Die Pyrotechnik wurde offenbar zu nahe an die Decke gehalten.

Ein besonderes Augenmerk der Ermittler liegt auf der SchaumstoffdĂ€mmung an der Kellerdecke. Entsprach sie den Brandschutzvorschriften? Wurden notwendige Kontrollen versĂ€umt? Fragen, die fĂŒr die Hinterbliebenen von existenzieller Bedeutung sind.

Die erschĂŒtternde Bilanz

Die HĂ€lfte der 40 Todesopfer war minderjĂ€hrig. Das jĂŒngste Opfer hatte gerade einmal 14 Jahre gelebt, das Ă€lteste 39. Noch immer kĂ€mpfen 83 Verletzte in KrankenhĂ€usern quer durch Europa um ihr Leben, viele von ihnen mit schwersten Verbrennungen. Der 9. Januar wurde zum nationalen Trauertag erklĂ€rt – ein schwacher Trost fĂŒr Familien, deren Welt in jener Silvesternacht fĂŒr immer zerbrach.

David Vocats Worte hallen nach: „Das Leben wird nie wieder so sein wie vorher." FĂŒr ihn nicht, fĂŒr seine MĂ€nner nicht – und schon gar nicht fĂŒr die Angehörigen der Opfer.

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