
Sicherheitsgarantien für die Ukraine: Ein Kartenhaus auf tönernen Füßen

Während sich die Weltöffentlichkeit auf das Treffen zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj in Davos konzentriert, offenbart sich hinter den diplomatischen Kulissen ein fundamentales Problem: Die versprochenen Sicherheitsgarantien für die Ukraine könnten sich als gefährliche Illusion erweisen – und im schlimmsten Fall neue Eskalationen provozieren, statt den erhofften Frieden zu bringen.
Das Glaubwürdigkeitsproblem: Leere Versprechen mit Geschichte
Die zentrale Schwachstelle aller westlichen Sicherheitszusagen liegt in ihrer mangelnden Glaubwürdigkeit. Sicherheitsgarantien funktionieren nur durch Abschreckung – sie beruhen auf dem Versprechen, einem Staat im Ernstfall militärisch beizustehen. Doch wer glaubt noch an solche Versprechen?
Die Ukraine hat bereits bittere Erfahrungen gemacht. Das Budapester Memorandum von 1994 sollte dem Land im Austausch für den Verzicht auf Atomwaffen die territoriale Integrität garantieren. Unterzeichner waren die USA, Großbritannien und ausgerechnet Russland. Das Ergebnis kennt jeder: Die Krim wurde annektiert, der Donbass brennt seit Jahren. Auch die Minsker Abkommen von 2014 und 2015 blieben das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben standen.
Pariser Erklärung: Viel Rhetorik, wenig Substanz
Die sogenannte Koalition der Willigen signalisierte in der Pariser Erklärung vom Januar 2026 ihre Bereitschaft zu „robusten" Sicherheitsgarantien. Frankreichs Präsident Macron sprach vollmundig von einer „multinationalen Streitkraft" zu Wasser, in der Luft und am Boden. Bundeskanzler Friedrich Merz hingegen zog sofort eine bezeichnende Grenzlinie: Deutsche Truppen würden nicht in die Ukraine, sondern lediglich in NATO-Nachbarländer entsandt.
Besonders aufschlussreich ist die Rolle der USA. Nach Macrons Worten sollen die Amerikaner einen „Mechanismus zur Überwachung eines Waffenstillstands" leiten. Was das konkret bedeutet? Niemand weiß es. Sowohl Trump als auch sein Vorgänger Biden haben unmissverständlich klargemacht, dass sie keine direkte militärische Konfrontation mit Russland eingehen würden. Welchen Wert haben Garantien, wenn der mächtigste Garant von vornherein seine Grenzen absteckt?
Das ukrainische Misstrauen wächst
Die ukrainische Bevölkerung hat aus der Geschichte gelernt. Eine aktuelle Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology zeigt erschreckende Zahlen: Über die Hälfte der Befragten lehnt es ab, eigene Truppen aus den noch kontrollierten Teilen des Donezk im Tausch für Sicherheitsgarantien abzuziehen. Noch bezeichnender: 70 Prozent der Ukrainer glauben nicht daran, dass die laufenden Verhandlungen zu einem dauerhaften Frieden führen werden.
Moskaus rote Linien und der Widerspruch der Sicherheitslogik
Aus russischer Perspektive stellt sich die Lage völlig anders dar. Das Außenministerium in Moskau hat unmissverständlich erklärt, dass jede westliche Militärpräsenz auf ukrainischem Boden als ausländische Intervention und direkte Bedrohung gewertet würde – mithin als legitimes militärisches Ziel.
Hier offenbart sich ein fundamentaler Widerspruch: Westliche Staaten versuchen, die Ukraine durch Abschreckung zu schützen – also genau jenen Ansatz, den Russland selbst als Begründung für seinen Einmarsch anführte. Die NATO-Osterweiterung war aus Moskauer Sicht eine Sicherheitsbedrohung. Nun sollen neue Sicherheitsgarantien Frieden bringen? Die Logik erscheint bestenfalls fragwürdig.
Das Eskalationsrisiko von innen
Kritische Stimmen warnen vor einem weiteren, oft übersehenen Risiko. Der Forscher Mihail Evans vom New Europe College in Bukarest weist darauf hin, dass viele Diskussionen implizit davon ausgehen, ein künftiger Angriff könne nur von Russland ausgehen. Diese Sichtweise vernachlässige die politischen Kräfte innerhalb der Ukraine selbst.
Evans skizziert ein beunruhigendes Szenario: Paramilitärische Einheiten wie das umstrittene Asow-Regiment könnten durch Sicherheitsgarantien dazu verleitet werden, noch aggressiver zu handeln, um zusätzliche westliche Unterstützung zu erzwingen. Die Vergangenheit liefert Beispiele für provokative Aktionen, die schnell neue Spannungen erzeugten.
Neutralität als einziger Ausweg?
Nach drei Jahren Krieg kommt Evans zu einem ernüchternden Schluss: Die künftige Neutralität der Ukraine bleibe die einzige Grundlage für ein Ende der Kämpfe und ein friedliches Zusammenleben mit Russland. Sicherheitsgarantien allein könnten diplomatische Lösungen nicht ersetzen, da sie auf Abschreckung statt auf Dialog setzen.
Der preußische Generalmajor Carl von Clausewitz beschrieb bereits vor zwei Jahrhunderten den Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Wenn die Diplomatie scheitert, droht der Krieg. Die Frage ist, ob westliche Sicherheitsgarantien den Frieden sichern – oder ob sie lediglich die Grundlage für den nächsten Konflikt legen.
In Zeiten solcher geopolitischer Unsicherheiten erweist sich einmal mehr der Wert beständiger Vermögenswerte. Während politische Versprechen und Sicherheitsgarantien kommen und gehen, haben physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Jahrhunderte hinweg ihren Wert als Krisenwährung bewiesen. Sie bieten eine Absicherung gegen die Unwägbarkeiten einer zunehmend instabilen Weltordnung.










