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26.01.2026
09:34 Uhr

Selenskyj fordert Kompromissbereitschaft von allen Seiten – auch von Washington

Selenskyj fordert Kompromissbereitschaft von allen Seiten – auch von Washington

Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges nehmen offenbar Fahrt auf. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündete am Wochenende, dass das Dokument über US-Sicherheitsgarantien für sein Land vollständig ausgearbeitet sei und nur noch auf die Unterschrift warte. Doch während sich bei diesem Thema Fortschritte abzeichnen, bleiben die eigentlichen Friedensverhandlungen mit Russland von tiefen Gräben durchzogen.

Sicherheitsgarantien: Dokument zu „100 Prozent fertig"

Bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte Selenskyj das Thema Sicherheitsgarantien als „erledigt" bezeichnet. Nun konkretisierte er diese Aussage bei einer Pressekonferenz: „Das Dokument ist zu 100 Prozent fertig, und wir warten nun auf die Bestätigung von Datum und Ort der Unterzeichnung durch unsere Partner." Nach der Unterzeichnung soll das Abkommen sowohl dem US-Kongress als auch dem ukrainischen Parlament zur Ratifizierung vorgelegt werden.

Für Kiew stellen diese Garantien einen entscheidenden Baustein für jede Nachkriegsordnung dar. Ohne belastbare Sicherheitszusagen der Vereinigten Staaten dürfte die Ukraine kaum bereit sein, territoriale Zugeständnisse zu akzeptieren – ein Umstand, der die Verhandlungsdynamik maßgeblich beeinflusst.

Trilaterale Gespräche in Abu Dhabi: Konstruktiv, aber ohne Durchbruch

Die jüngsten Verhandlungen zwischen Vertretern Russlands, der Ukraine und der USA in Abu Dhabi bezeichnete Selenskyj als „konstruktiv". Auch amerikanische Beamte äußerten sich nach den Gesprächen vorsichtig optimistisch. Von einem echten Durchbruch kann jedoch keine Rede sein. Beide Kriegsparteien signalisierten lediglich ihre Bereitschaft zu weiteren Gesprächen, die möglicherweise bereits am kommenden Sonntag erneut in Abu Dhabi stattfinden könnten.

Die fundamentalen Differenzen zwischen Moskau und Kiew bleiben bestehen – insbesondere bei der heiklen Frage der von Russland besetzten Gebiete. Hier prallen zwei unvereinbare Positionen aufeinander, die selbst die geschickteste Diplomatie vor enorme Herausforderungen stellen.

Selenskyjs bemerkenswerte Forderung an Washington

Besonders aufhorchen ließ eine Aussage des ukrainischen Präsidenten, die man durchaus als diplomatischen Seitenhieb in Richtung Washington interpretieren könnte. Während er die amerikanischen Vermittlungsbemühungen lobte – „Die Amerikaner versuchen, einen Kompromiss zu finden" – fügte er eine bemerkenswerte Einschränkung hinzu: Für einen echten Kompromiss müssten alle Seiten zu Zugeständnissen bereit sein. „Übrigens auch die amerikanische Seite", so Selenskyj wörtlich.

Diese Formulierung lässt tief blicken. Offenbar sieht Kiew die Rolle Washingtons nicht nur als neutralen Vermittler, sondern als eigenständigen Akteur mit eigenen Interessen, der ebenfalls Flexibilität zeigen müsse. Angesichts der massiven amerikanischen Militärhilfe und der geopolitischen Bedeutung des Konflikts für die USA ist diese Einschätzung durchaus nachvollziehbar.

Der lange Weg zum Frieden

Die trilateralen Gespräche seien möglicherweise „die ersten Schritte, um einen Kompromiss zu finden", räumte Selenskyj ein. Diese vorsichtige Wortwahl verdeutlicht, wie weit der Weg zu einem dauerhaften Frieden noch ist. Nach Jahren des Blutvergießens, zerstörter Städte und zerrissener Familien erscheint jeder noch so kleine diplomatische Fortschritt wie ein Hoffnungsschimmer – auch wenn die Realität des Krieges täglich neue Opfer fordert.

Ob die Sicherheitsgarantien der USA tatsächlich den erhofften Schutzschirm für die Ukraine darstellen werden, bleibt abzuwarten. Die Geschichte lehrt, dass Papier geduldig ist – und dass selbst feierlich unterzeichnete Abkommen nur so viel wert sind wie der politische Wille, sie im Ernstfall auch durchzusetzen.

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