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03.10.2026
11:13 Uhr
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„Schön“ statt Schweiß: Studiogast bringt ZDF-Wettermann aus dem Konzept

Ein einziges Wort hat am Freitag das ZDF-Morgenmagazin durcheinandergebracht. Wettermoderator Benjamin Stöwe fragte eine Musikerin aus dem badischen Immendingen nach dem Rekordsommer 2026. Ihre Antwort: Sie habe ihn „schön“ gefunden. Das Gespräch war danach schnell vorbei.

Die Frage war gestellt, die Antwort kam anders

Stöwe begann seine Frage mit einem historischen Rückblick. Die Gemeindemusikkapelle Immendingen gebe es seit 1870, seit 1881 werde offiziell das Wetter beobachtet. Und Baden-Württemberg habe gerade den heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Dann fragte er: „Wie hat sich das angefühlt?“

Die Antwort war kurz und ohne jede Dramatik. Ein schöner Sommer, mehr gab es nicht zu sagen. Wie Medienberichten zufolge auf einem im Netz verbreiteten Mitschnitt zu sehen ist, wirkte der Moderator sichtlich überrumpelt.

Zweiter Versuch, gleiches Ergebnis

Stöwe versuchte es noch einmal. „Wir hatten in der Spitze Temperaturen bis 41,8 Grad im Land. Sie kamen damit gut klar?“, fragte er nach. Die Frau aus dem Landkreis Tuttlingen blieb gelassen: „Ja, es war auszuhalten.“

Danach kam die Abmoderation. Vielleicht gebe es auch einige, die sich freuten, dass es langsam herbstlicher werde, sagte Stöwe und leitete zu den Wetteraussichten über. Ende der Szene.

Viele Zuschauer sahen darin einen Moment, der mehr über das Programm verrät als über das Wetter. Wer im Live-Fernsehen eine Normalbürgerin fragt, sollte auch mit einer normalen Antwort rechnen. Dass ein Sommer mit viel Sonne vielen Menschen einfach gefällt, ist für die meisten keine Überraschung.

Was die Zahlen tatsächlich sagen

Ganz falsch lag der Moderator nicht. Nach Angaben des SWR übertraf der Sommer 2026 in Baden-Württemberg den bisherigen Rekordsommer 2003. Im Landesmittel gab es demnach 35 Hitzetage mit über 30 Grad, so viele wie nie seit 1881.

Ein Detail fehlte allerdings. Die 41,8 Grad, ein neuer deutscher Rekord, wurden laut Deutschem Wetterdienst nicht im Südwesten gemessen, sondern am 27. Juni im sachsen-anhaltischen Möckern-Drewitz. Und deutschlandweit war 2026 nach vorläufigen DWD-Zahlen nicht der heißeste Sommer. Mit 19,6 Grad im Mittel lag er knapp hinter dem Jahrhundertsommer 2003 mit 19,7 Grad.

Der DWD meldete außerdem viel Sonne, Trockenheit und niedrige Flusspegel. Das sind reale Probleme. Trotzdem kann ein einzelner Mensch den Sommer gut finden. Beides gilt gleichzeitig.

Stöwe reagiert: „Meinungsfreiheit live“

Am Samstag äußerte sich der Moderator selbst auf X. Er schrieb dort:

Der Sommer 2026 war der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen — mit drastischen Folgen für Mensch, Infrastruktur und Natur. Kann man ihn dennoch als »schön« bezeichnen? Na klar. Gestern so geschehen im #momaWetter. Das hat mich überrascht, aber ist Meinungsfreiheit live.

Das ist eine faire Reaktion. Sie zeigt aber auch, wie das Gespräch gedacht war. Die Frage hatte eine Richtung, nur die Antwort ging woandershin.

Ein Lehrstück für den Rundfunk

Stöwe moderiert seit 2015 das Wetter im Morgenmagazin und seit 2020 auch im Mittagsmagazin. Zuvor arbeitete er beim rbb. Ihm persönlich sollte man daraus keinen Strick drehen.

Die Szene passt aber zu einer Kritik, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon lange hört: Zu oft würden Gesprächspartner wie Statisten behandelt, die eine vorher festgelegte Botschaft bestätigen sollen. Bezahlt wird das von Beitragszahlern, die diesen Sommer vielleicht auch auf ihrer Terrasse genossen haben.

Die Musikerin aus Immendingen hat am Freitag nur ehrlich gesagt, was sie denkt. Ruhig, freundlich, ohne Aufregung. Dass genau das im Fernsehen auffällt, ist das eigentlich Bemerkenswerte.

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