
Ryanair dreht an der Preisschraube: Billigflieger wird teurer

Die Zeiten des sorglosen Schnäppchenflugs könnten bald der Vergangenheit angehören. Der irische Billigflieger Ryanair hat angekündigt, die Ticketpreise im laufenden Geschäftsjahr um mehr als sieben Prozent anzuheben. Eine Nachricht, die Millionen preisbewusster Reisender aufhorchen lassen dürfte – und die einmal mehr zeigt, wie fragil das Versprechen vom günstigen Fliegen geworden ist.
Boeing liefert endlich – und Ryanair kassiert
Die Begründung für die Preiserhöhung klingt zunächst paradox: Ausgerechnet weil der amerikanische Flugzeugbauer Boeing seine Lieferprobleme in den Griff bekommt, steigen die Preise. Ryanair erwartet nun rund 208 Millionen Passagiere im Geschäftsjahr 2026 – ein Plus von vier Prozent gegenüber den bisherigen Planungen. Die letzten vier Boeing-Max-8-Maschinen sollen bis Februar übergeben werden, das größere Modell Max 10 wird für Frühjahr 2027 erwartet.
Finanzvorstand Neil Sorahan macht keinen Hehl aus der Strategie seines Unternehmens. Die Verbraucher würden weiterhin in großer Zahl reisen, die Kapazitäten in Europa seien stark begrenzt – und genau das führe zu steigenden Flugpreisen. Eine bemerkenswert offene Ansage, die verdeutlicht: Wer fliegen will, muss künftig tiefer in die Tasche greifen.
Gewinneinbruch trotz voller Flieger
Bemerkenswert ist dabei der Blick auf die Quartalszahlen. Der bereinigte Nettogewinn sank im dritten Quartal auf 115 Millionen Euro – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 149 Millionen Euro im Vorjahr. Der Grund: Eine Rückstellung von 85 Millionen Euro für eine mögliche Geldstrafe der italienischen Wettbewerbsbehörde belastet die Bilanz. Dennoch übertraf Ryanair die Analystenerwartungen, die lediglich mit 90,2 Millionen Euro gerechnet hatten.
Für das Gesamtjahr gibt sich die Airline vorsichtig optimistisch und prognostiziert einen bereinigten Nettogewinn zwischen 2,13 und 2,23 Milliarden Euro. Zahlen, die verdeutlichen, dass das Geschäft mit dem Massentourismus trotz aller Herausforderungen weiterhin äußerst lukrativ bleibt.
Der Musk-O'Leary-Schlagabtausch als Marketing-Coup
Für Schlagzeilen sorgte zuletzt auch ein öffentlicher Streit zwischen Ryanair-Chef Michael O'Leary und Tesla-Gründer Elon Musk. Die beiden Unternehmer lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch über die Wirtschaftlichkeit des Starlink-WLAN-Dienstes, bei dem sie sich gegenseitig als „Idioten" bezeichneten. Was zunächst wie ein PR-Desaster wirken könnte, entpuppte sich als unerwarteter Marketingerfolg: Die Buchungen stiegen laut O'Leary um zwei bis drei Prozent.
Die Ryanair-Aktie zeigt sich von all dem wenig beeindruckt. Im laufenden Jahr liegt sie rund drei Prozent im Minus – nach einem beeindruckenden Anstieg von 55 Prozent im Vorjahr. Anleger scheinen abzuwarten, ob die ambitionierten Wachstumspläne tatsächlich aufgehen werden.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Die Botschaft ist eindeutig: Günstiges Fliegen wird zum Auslaufmodell. Während die Inflation die Haushalte ohnehin belastet und die Lebenshaltungskosten steigen, müssen Reisende nun auch bei vermeintlichen Billigfliegern mit höheren Preisen rechnen. Die begrenzte Kapazität in Europa und die anhaltend hohe Nachfrage spielen den Airlines in die Karten – zum Nachteil der Verbraucher, die sich den Traum vom günstigen Kurztrip künftig zweimal überlegen müssen.










