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04.08.2026
17:26 Uhr
KI-generiert

Rom denkt um, Berlin denkt ab: Italien holt die Kernkraft zurück – und Deutschland schaut zu

Rom denkt um, Berlin denkt ab: Italien holt die Kernkraft zurück – und Deutschland schaut zu
Symbolbild: KI-generiert

36 Jahre nach dem hastigen Abschied von der Kernenergie vollzieht Italien eine Wende, die man in Berlin am liebsten ignorieren würde. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schafft die rechtlichen Grundlagen dafür, dass auf italienischem Boden wieder Atomstrom erzeugt werden darf. Das Abgeordnetenhaus hat dem Rahmengesetz am 4. Juni zugestimmt, im Senat wird laut Berichten der Financial Times ebenfalls mit einer Mehrheit gerechnet. Der Fokus liegt auf sogenannten Small Modular Reactors, kleinen modularen Reaktoren, die flexibler sein sollen als die Betonkolosse der Vergangenheit.

Warum Rom umschwenkt – und warum das keine Ideologie ist

Die Antwort ist so schlicht wie schmerzhaft: Strom in Italien ist teuer. Zu teuer. Ein erheblicher Teil der Erzeugung hängt weiterhin am Erdgas, also an Importen, also an geopolitischer Erpressbarkeit. Zwei Energiekrisen in wenigen Jahren haben genügt, um in Rom eine Erkenntnis reifen zu lassen, die in Deutschland offenbar unter Denkmalschutz steht: Wer seine Industrie behalten will, braucht bezahlbare und verlässliche Energie. Nicht irgendwann. Sondern dauerhaft.

Nach dem Inkrafttreten soll die Regierung binnen zwölf Monaten Regeln für Planung, Genehmigung und Aufsicht ausarbeiten, ebenso Vorgaben für den Umgang mit radioaktivem Abfall. Erst danach beginnen konkrete Genehmigungsverfahren. Es ist also ein langer Weg – aber es ist überhaupt ein Weg. Hierzulande wurden funktionsfähige Kraftwerke abgeschaltet und teilweise bereits abgerissen, während man gleichzeitig Kohlekraftwerke reaktivierte und Strom aus französischen Reaktoren importierte. Ein Lehrstück in Realitätsverweigerung.

Windräder im Namen des heiligen Franziskus

Besonders bemerkenswert: Der Widerstand wächst nicht gegen die Kernkraft, sondern gegen neue Wind- und Solarparks. In Umbrien wehren sich Anwohner gegen ein Projekt des deutschen Konzerns RWE mit sieben bis zu 200 Meter hohen Anlagen. Regionalpräsidentin Stefania Proietti forderte Ende Juli laut der Zeitung Il Foglio, die Genehmigung zurückzunehmen – mit Verweis auf das kulturelle Erbe der Region.

Im Namen des heiligen Franziskus, des heiligen Benedikt und unserer etruskischen Vorfahren.

Man mag das pathetisch finden. Doch dahinter steckt etwas, das in Deutschland systematisch weggelächelt wird: die Verteidigung der eigenen Kulturlandschaft gegen die Verspargelung im Namen einer Klimareligion. Selbst frühere Umweltaktivisten argumentieren inzwischen für die Kernkraft, weil sie große Strommengen auf kleiner Fläche erzeugt. Die Regierung verweist zudem auf Italiens Geografie: bergig, landwirtschaftlich geprägt, touristisch wertvoll.

Die Industrie hat es eilig

Unumstritten ist der Kurs nicht. Umweltverbände monieren, viele SMR-Technologien seien kommerziell unerprobt. Und der Industrieverband Confindustria drängt parallel auf schnelleren Ausbau von Wind und Sonne – Unternehmen könnten nicht ein Jahrzehnt warten. Rund 130 Gigawatt an Projekten hängen in Genehmigungsschleifen. Auch Italien hat also seine Bürokratiemonster.

Historisch belastet, gesellschaftlich gedreht

Italien war in den sechziger und siebziger Jahren Pionier der zivilen Kernenergie. Nach Tschernobyl stimmten die Italiener 1987 dagegen, bis 1990 waren alle Reaktoren abgeschaltet. Ein zweiter Versuch unter Silvio Berlusconi scheiterte 2011 nach Fukushima. Heute jedoch bewerten laut einer YouTrend-Umfrage vom Juni 57 Prozent den Wiedereinstieg positiv, 31 Prozent lehnen ihn ab. Ein Stimmungsumschwung, der zeigt: Wenn die Stromrechnung schmerzt, verblasst die Ideologie.

Und Deutschland? Verankert Klimaneutralität im Grundgesetz, plant 500 Milliarden Euro Sondervermögen und wundert sich über abwandernde Industrie. Wer die Stabilität seines Vermögens nicht der Energiepolitik überlassen will, sucht traditionell nach Sachwerten, die von Gesetzesnovellen unberührt bleiben – physisches Gold und Silber gehören seit Jahrhunderten zu dieser Kategorie und können als Beimischung ein breit gestreutes Portfolio sinnvoll ergänzen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt die Auffassung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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