Kettner Edelmetalle
09.04.2026
18:35 Uhr

Ölpreis auf Achterbahnfahrt: Nahost-Chaos hält Energiemärkte in Atem

Was für ein Handelstag an den Rohstoffmärkten. Die Ölpreise schossen zunächst um mehr als fünf Prozent in die Höhe, nur um einen Großteil der Gewinne wieder abzugeben, als Israel überraschend direkte Friedensverhandlungen mit dem Libanon ankündigte. Am Ende blieb ein Plus von rund einem Prozent – doch die Nervosität an den Märkten ist mit Händen zu greifen.

Zwischen Waffenstillstand und Bombeneinschlägen

Die Straße von Hormus, jene maritime Lebensader, durch die normalerweise rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasversorgung fließen, gleicht derzeit einer Geisterstraße. Der Schiffsverkehr sei auf unter zehn Prozent des normalen Volumens eingebrochen, nachdem der Iran Schiffe gewarnt habe, sich innerhalb seiner Hoheitsgewässer aufzuhalten. Ein Zustand, der noch vor wenigen Monaten als undenkbar gegolten hätte.

Die Referenzsorte Brent notierte bei 95,65 Dollar pro Barrel – nachdem sie zwischenzeitlich die Marke von 99,50 Dollar touchiert hatte. Das amerikanische Pendant WTI kletterte sogar kurzzeitig über die psychologisch bedeutsame 100-Dollar-Schwelle auf 102,70 Dollar, bevor es auf 97,39 Dollar zurückfiel. Solche Schwankungen innerhalb eines einzigen Handelstages sprechen Bände über die Fragilität der aktuellen Lage.

Israels doppeltes Spiel

Premierminister Benjamin Netanjahu habe zwar Anweisungen für den Beginn von Friedensgesprächen mit dem Libanon gegeben, die auch die Entwaffnung der Hisbollah umfassen sollten. Gleichzeitig jedoch bombardierte Israel am selben Tag weitere Ziele im Libanon. Mehr als 250 Menschen seien bei den schwersten Angriffen des Krieges gegen den Nachbarstaat getötet worden. Man muss kein Diplomat sein, um zu erkennen, dass Friedensgespräche und Bombenangriffe am selben Tag eine denkbar schlechte Kombination darstellen.

Der von Donald Trump vermittelte Waffenstillstand steht damit von Beginn an auf tönernen Füßen. US-Vizepräsident J.D. Vance sei bereits auf dem Weg in den Nahen Osten, um die Verhandlungen fortzusetzen – ein Unterfangen, das angesichts der eskalierenden Gewalt einem Sisyphos-Akt gleichkommt.

Iranische Vergeltungsschläge treffen Golfstaaten

Besonders beunruhigend: Der Iran hat trotz des Waffenstillstands Ziele in mehreren Nachbarländern angegriffen. Eine Pipeline in Saudi-Arabien, die als Umgehungsroute für die blockierte Meerenge diente, sei getroffen worden. Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten ebenfalls Raketen- und Drohnenangriffe gemeldet. Die regionale Infrastruktur der Ölversorgung steht damit unter direktem Beschuss – ein Szenario, das die Verwundbarkeit der globalen Energieversorgung in erschreckender Deutlichkeit offenlegt.

Immerhin: Die Rohölverladungen am saudischen Rotmeerhafen Yanbu sollen trotz des iranischen Angriffs auf die Ost-West-Pipeline fortgesetzt worden sein. Ein schwacher Trost angesichts der Gesamtlage.

Reedereien zögern – und das zu Recht

Die Schifffahrtsunternehmen verlangten Klarheit über die genauen Bedingungen des Waffenstillstands, bevor sie den Transit durch die Straße von Hormus wieder aufnähmen. Der Iran habe zwar Karten veröffentlicht, die sichere Passagen um Minen herum zeigen sollen – doch welcher Reeder vertraut sein Milliarden-Schiff einer iranischen Seekarte an?

„Selbst wenn die Lieferungen wieder aufgenommen werden, verschwinden die Risiken nicht über Nacht", warnte eine Investmentstrategin. Tanker müssten möglicherweise durch verminte Gewässer und an einer verstärkten Militärpräsenz vorbei navigieren, was die Versicherungsprämien und Frachtkosten auf absehbare Zeit hoch halten werde.

Goldman Sachs senkt Prognosen – aber nur zaghaft

Die Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Prognosen für das zweite Quartal 2026 zwar leicht nach unten korrigiert: Brent werde demnach bei 90 Dollar statt zuvor 99 Dollar notieren, WTI bei 87 statt 91 Dollar. Doch diese Anpassung wirkt angesichts der dramatischen Lage fast schon wie kosmetische Chirurgie. Die Preise bleiben auf einem Niveau, das Verbraucher weltweit – und ganz besonders in Deutschland – empfindlich trifft.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für die deutsche Wirtschaft, die ohnehin unter den Folgen einer verfehlten Energiepolitik der vergangenen Jahre ächzt, sind explodierende Ölpreise Gift. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, eine bereits geschwächte Industrienation durch eine Energiekrise zu steuern, die sie nicht verursacht hat – deren Auswirkungen aber durch die ideologiegetriebene Abkehr von fossilen Energieträgern unter der Vorgängerregierung massiv verschärft wurden. Wer Kernkraftwerke abschaltet und gleichzeitig auf die Stabilität globaler Lieferketten vertraut, der erntet nun die bittere Frucht seiner Naivität.

In Zeiten derartiger geopolitischer Unsicherheit zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine solide Vermögenssicherung ist. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich historisch als verlässlicher Anker in Krisenzeiten bewährt. Während Ölpreise wild schwanken und geopolitische Risiken die Märkte erschüttern, bieten Edelmetalle jene Stabilität, die in einem breit aufgestellten Portfolio unverzichtbar ist.

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