
MilitÀrputsch im Niger: Ein weiteres Scheitern der westlichen Sahel-Politik
Der jĂŒngste MilitĂ€rputsch im Niger wirft ein beunruhigendes Licht auf die SchwĂ€che des Westens und stellt ein erhebliches Problem fĂŒr die Bundeswehr dar. Dieser Putsch entlarvt die Illusion des "StabilitĂ€tsankers Niger" und offenbart das Scheitern der westlichen Sahel-Politik. Ein Scheitern, das die russischen Ambitionen in Afrika weiter befeuert.
Die Ecowas und die westliche Sahel-Politik
Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, die StabilitĂ€t, Rechtsstaatlichkeit und Fortschritt propagiert, hatte den MilitĂ€rs im Niger ein Ultimatum gestellt: Sollten sie den gewĂ€hlten PrĂ€sidenten, Mohamed Bazoum, nicht binnen einer Woche wieder in sein Amt einsetzen, seien alle Mittel recht, dies zu erzwingen â auch militĂ€rische. Doch die Ecowas-Drohung und die umgehende Gegendrohung der NachbarlĂ€nder Burkina Faso und Mali, jedes militĂ€rische Vorgehen gegen die neuen Machthaber im Niger als "KriegserklĂ€rung" zu verstehen, sind die jĂŒngste Eskalation in einem Konflikt, den niemand kommen sah, oder vielmehr: den niemand kommen sehen wollte.
Die Illusion des "StabilitÀtsankers Niger"
Der Putsch entlarvt nicht nur die â auch von der Bundesregierung verbreitete â ErzĂ€hlung vom "StabilitĂ€tsanker Niger" als Wunschdenken. Der Coup erschwert auch den Abzug der Bundeswehr aus Mali. Und er markiert das Scheitern der westlichen Sahel-Politik, also des ambitionierten Unterfangens, die Ausbreitung fundamentalistischer und terroristischer Gruppen in einer notorisch instabilen Region durch militĂ€rische PrĂ€senz zu unterbinden.
Die Folgen des Putsches
Nach dem Putsch in Mali im Mai 2021 etwa verhĂ€ngte die Ecowas Wirtschaftssanktionen, die am Ende weniger die neuen Machthaber als die Zivilbevölkerung trafen. Die Folge: Den Putschisten gelang es angesichts der Bedrohung von auĂen, die Reihen im Inneren des Landes zu schlieĂen. Einfache BĂŒrger wandten sich endgĂŒltig von den etablierten Institutionen auf dem Kontinent ab. Und damit auch von alten Partnern, von der frĂŒheren Kolonialmacht Frankreich, aber auch von den Vereinigten Staaten und Europa. Die Sanktionen der Ecowas machten die Putschisten nicht schwĂ€cher, sie stĂ€rkten sie.
Die Reaktion der deutschen Regierung
Die Reaktion der deutschen Regierung auf den Putsch war ĂŒberraschend. Man hatte den "demokratischen Machtwechsel", der im Februar 2021 im Niger gelang, gelobt und die "stabilen VerhĂ€ltnisse im Land" gepriesen. Doch vom Putsch waren alle ĂŒberrascht. Davon, dass die deutschen Nachrichtendienste offenbar auch ĂŒberrascht waren, war man wiederum weniger ĂŒberrascht, da man das aus anderen ZusammenhĂ€ngen schon kannte. Die Dienste haben schlieĂlich auch nichts mitbekommen, als Russland den Einmarsch in der Ukraine vorbereitete.
Das Scheitern der westlichen Sahel-Politik und die daraus resultierenden politischen und militĂ€rischen Konsequenzen sind ein deutliches Zeichen dafĂŒr, dass wir unsere Strategien und AnsĂ€tze ĂŒberdenken mĂŒssen. Es ist an der Zeit, dass wir die RealitĂ€t anerkennen und die notwendigen MaĂnahmen ergreifen, um eine weitere Destabilisierung der Region zu verhindern.










