
Luther-Preis für Luisa Neubauer? Halles Vorschlag sorgt für Kopfschütteln

Die Stadt Halle will Klimaaktivistin Luisa Neubauer für den Preis „Das unerschrockene Wort“ ins Rennen schicken. Das geht aus einer Beschlussvorlage hervor, die Oberbürgermeister Alexander Vogt (parteilos) unterschrieben haben soll und über die zuerst die „Junge Freiheit“ berichtete. Verliehen wird der Preis im Frühjahr 2027. Die 10.000 Euro Preisgeld kommen aus den Kassen der Kommunen, also vom Steuerzahler.
Ein Preis, der an Martin Luthers Auftritt vor Kaiser und Reich erinnert, womöglich bald für das bekannteste Gesicht von Fridays for Future. Muss man das verstehen?
Die Begründung aus dem Rathaus
Laut dem Bericht begründet die Stadtverwaltung ihren Vorschlag mit Neubauers Einsatz für den Klimaschutz. Damit sei die Aktivistin zu „einer prägenden Stimme vieler junger Menschen“ geworden. Weiter heißt es in dem Papier, sie rufe „mit öffentlichen Auftritten und ihren Publikationen“ Politik und Öffentlichkeit dazu auf, gegen die Folgen des Klimawandels vorzugehen.
Eine prägende Stimme ist sie ohne Zweifel. Es gibt kaum eine Talkshow, in der sie noch nicht saß, und kaum eine Titelseite, auf der sie noch nicht zu sehen war. Aber macht das jemanden automatisch „unerschrocken“?
Ein Preis mit großer Tradition
Die 16 Lutherstädte haben die Auszeichnung im Lutherjahr 1996 gemeinsam gestiftet. Dazu gehören neben Halle unter anderem Wittenberg, Eisleben, Worms, Augsburg und Erfurt. Seit 1999 wird sie alle zwei Jahre vergeben, stets im Frühjahr. So erinnert sie an den April 1521, als Luther sich in Worms weigerte, seine Schriften zu widerrufen, und damit sein Leben riskierte.
Nach den Statuten soll der Preis Menschen ehren, die wichtige Aussagen für Gesellschaft und Staat gemacht und gegen Widerstände verteidigt haben. Jede Stadt darf einen Kandidaten vorschlagen. Danach entscheidet eine Jury aus 22 Mitgliedern: den 16 Stadtoberhäuptern und sechs Personen des öffentlichen Lebens. Halles Vorschlag ist also noch lange kein Zuschlag.
Echte Dissidenten und Aktivisten in der Liste
Ein Blick auf die bisherigen Preisträger zeigt, wie hoch die Messlatte liegt:
- 2011: der russische Journalist Dmitri Muratow, der später den Friedensnobelpreis erhielt
- 2021: die belarussischen Oppositionellen Swetlana Tichanowskaja, Weronika Zepkalo und Maria Kolesnikowa, die in Lukaschenkos Gefängnis landete
- 2023: die afghanische Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari, die vor den Taliban fliehen musste
Ausgezeichnet wurden außerdem die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“, das Syrische Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit und 2025 der Gedenkstättendirektor Jens-Christian Wagner. Beobachter sehen einen klaren Trend: Der Preis wird immer mehr zur Auszeichnung für eine bestimmte politische Haltung.
Die Bürger hatten keine Vorschläge
Ein Detail macht die Sache fast schon komisch. Die Stadt hatte ihre Einwohner laut der Vorlage vom 17. Juni bis zum 15. Juli 2026 über den Pressedienst und das Amtsblatt aufgerufen, eigene Kandidaten zu nennen. Das Ergebnis steht nüchtern im Papier: Aus der Bürgerschaft kam kein einziger Vorschlag.
Die Hallenser haben sich also nicht beteiligt, und das Rathaus hat trotzdem entschieden. Zur Frage, wie die Wahl auf Neubauer fiel, sagt das Papier dem Bericht zufolge nichts.
Das Kernproblem: Mut ohne Risiko
Um die Summe geht es dabei weniger. 10.000 Euro verteilt auf 16 Städte werden keinen Haushalt sprengen. Es geht um die Symbolik. Luther stand vor dem Kaiser und riskierte die Reichsacht. Ghafari und Kolesnikowa bezahlten ihren Widerstand mit Flucht oder Haft.
Neubauer dagegen vertritt Positionen, die in Ministerien, Medien und Kirchen breite Zustimmung finden. Kritiker nennen so etwas „Gratismut“. Ob die Jury eine Klimaaktivistin mit Dauerpräsenz in den Talkshows wirklich in eine Reihe mit Dissidenten stellen will, die ihr Leben riskiert haben, wird sich zeigen. Aus Sicht vieler Bürger wäre das ein Etikettenschwindel mit dem Namen Luther, bezahlt mit ihrem Steuergeld.










