Kettner Edelmetalle
18.02.2026
06:59 Uhr

Lagarde vor dem Absprung: EZB-Chefin plant offenbar vorzeitigen RĂŒckzug

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe in der Frankfurter Finanzwelt: Christine Lagarde, seit November 2019 an der Spitze der EuropĂ€ischen Zentralbank, erwĂ€gt offenbar, ihr Amt vorzeitig niederzulegen. Ihre regulĂ€re Amtszeit wĂŒrde erst am 31. Oktober 2027 enden – doch so lange will die Französin offensichtlich nicht mehr durchhalten. Die britische „Financial Times" berichtete unter Berufung auf eine mit Lagardes Überlegungen vertraute Person, dass die EZB-PrĂ€sidentin bereits vor den französischen PrĂ€sidentschaftswahlen im April 2027 ausscheiden wolle.

Ein Abgang mit KalkĂŒl

Was auf den ersten Blick wie ein ĂŒberraschender Schritt wirkt, entpuppt sich bei nĂ€herer Betrachtung als durchaus strategisches Manöver. Lagarde wolle dem scheidenden französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron – der nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten 2027 nicht erneut antreten darf – sowie Bundeskanzler Friedrich Merz genĂŒgend Zeit verschaffen, eine geeignete Nachfolge zu organisieren. Ein genauer Zeitpunkt fĂŒr den möglichen RĂŒckzug stehe allerdings noch nicht fest. Die EZB selbst habe eine Stellungnahme abgelehnt.

Man darf sich durchaus fragen, ob hinter diesem vermeintlich selbstlosen Timing nicht auch handfeste machtpolitische ErwÀgungen stecken. Denn wer den Zeitpunkt seines Abgangs selbst bestimmt, bestimmt auch mit, wer nachfolgt. Und in der Welt der europÀischen Spitzenpositionen ist das Personalkarussell bekanntlich ein Spiel, bei dem die Musik von Paris und Berlin dirigiert wird.

GerĂŒchte sind nicht neu – diesmal aber ernster

Bereits im vergangenen Jahr kursierten Spekulationen ĂŒber ein vorzeitiges Amtsende Lagardes. Damals sorgte ausgerechnet der umstrittene WEF-GrĂŒnder Klaus Schwab fĂŒr Aufsehen, als er andeutete, Lagarde habe mit ihm in Frankfurt ĂŒber einen möglichen FĂŒhrungswechsel beim Weltwirtschaftsforum gesprochen. Demnach hĂ€tten beide diskutiert, dass Lagarde bereits vor 2027 die Leitung des WEF ĂŒbernehmen könnte. Die EZB dementierte seinerzeit energisch. Dass die GerĂŒchte nun erneut und mit deutlich mehr Substanz auftauchen, lĂ€sst aufhorchen.

Wer könnte Lagarde beerben?

Die Spekulationen ĂŒber mögliche Nachfolger laufen bereits auf Hochtouren. Laut einer Umfrage der „Financial Times" unter Ökonomen gelten der frĂŒhere spanische Notenbankchef Pablo HernĂĄndez de Cos sowie der niederlĂ€ndische ZentralbankprĂ€sident Klaas Knot als aussichtsreiche Kandidaten. Besonders interessant fĂŒr Deutschland: Auch EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und BundesbankprĂ€sident Joachim Nagel werden als potenzielle Nachfolger gehandelt.

FĂŒr Deutschland wĂ€re es ein historischer Moment, sollte tatsĂ€chlich ein Deutscher oder eine Deutsche an die Spitze der EZB rĂŒcken. Seit der GrĂŒndung der EuropĂ€ischen Zentralbank im Jahr 1998 hat noch nie ein Deutscher das Amt des PrĂ€sidenten bekleidet – ein bemerkenswerter Umstand angesichts der Tatsache, dass die EZB ihren Sitz in Frankfurt hat und Deutschland die grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der Eurozone stellt. Ob Bundeskanzler Merz allerdings das politische Gewicht aufbringen kann, einen deutschen Kandidaten durchzusetzen, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt, dass bei europĂ€ischen Spitzenposten das große Geschacher zwischen den HauptstĂ€dten oft wichtiger ist als fachliche Qualifikation.

Eine Amtszeit im Zeichen permanenter Krisen

Lagardes Bilanz an der Spitze der EZB ist, gelinde gesagt, durchwachsen. Kaum hatte die ehemalige IWF-Chefin ihr Amt angetreten, traf die Corona-Pandemie Europa mit voller Wucht. Es folgten Russlands Angriff auf die Ukraine, explodierende Energiepreise und eine Inflationswelle, die im Jahr 2022 zeitweise die Marke von zehn Prozent ĂŒberschritt. Kritiker werfen Lagarde vor, die Zinswende viel zu spĂ€t eingeleitet und die Inflation zunĂ€chst strĂ€flich unterschĂ€tzt zu haben. Ihr berĂŒhmt gewordener Satz, die Inflation sei nur „vorĂŒbergehend", dĂŒrfte als einer der grĂ¶ĂŸten geldpolitischen FehleinschĂ€tzungen der jĂŒngeren Geschichte in die Annalen eingehen.

Mittlerweile hat sich die Inflation zwar auf 1,7 Prozent abgeschwĂ€cht – doch die Kaufkraftverluste, die Millionen europĂ€ischer BĂŒrger in den vergangenen Jahren hinnehmen mussten, sind real und schmerzhaft. Wer heute im Supermarkt steht, braucht keine Statistik, um zu wissen, dass das Leben deutlich teurer geworden ist. Die Ersparnisse der BĂŒrger wurden durch die jahrelange Nullzinspolitik und die anschließende Inflationswelle gleich doppelt geschröpft.

Gold als Gewinner der Lagarde-Ära

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet in Lagardes Amtszeit der Goldpreis von rund 1.500 US-Dollar auf historische HöchststĂ€nde jenseits der 2.500-Dollar-Marke gestiegen ist. Physische Edelmetalle haben sich einmal mehr als das erwiesen, was sie seit Jahrtausenden sind: ein verlĂ€sslicher Schutz gegen die Erosion der Kaufkraft durch eine Geldpolitik, die den Wert des Euro systematisch untergrĂ€bt. Wer auf Gold und Silber setzte, hat die Inflationswelle nicht nur ĂŒberstanden, sondern ist gestĂ€rkt daraus hervorgegangen.

UnabhĂ€ngig davon, wer Lagarde an der Spitze der EZB nachfolgt – die grundsĂ€tzliche Problematik einer Geldpolitik, die zwischen InflationsbekĂ€mpfung und der Finanzierung ĂŒberschuldeter Eurostaaten laviert, wird bleiben. FĂŒr den deutschen Sparer bedeutet das: Physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben eine der wenigen Konstanten in einer Welt geldpolitischer Experimente.

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