
Kupfer explodiert auf Rekordhoch: Wenn Zollpoker und Versorgungskollaps aufeinandertreffen

Es gibt Rohstoffe, die keine Schlagzeilen brauchen, um die Welt zu bewegen â und dann gibt es Kupfer. Am Mittwoch kletterte das rote Metall an der Comex in New York auf ein neues Allzeithoch: 6,7045 US-Dollar pro Pfund, umgerechnet rund 14.781 Dollar je Tonne. Das alte Rekordhoch von Mitte Mai ist damit Geschichte. Seit Jahresbeginn hat Kupfer in New York etwa 17 Prozent zugelegt, im Zwölfmonatsvergleich sind es ĂŒber 50 Prozent. Wer noch glaubt, Inflation sei ein vorĂŒbergehendes PhĂ€nomen, sollte sich diese Zahlen in Ruhe ansehen.
Zollarbitrage schlÀgt Fundamentaldaten
Der Treiber ist kein Konjunkturwunder, sondern politische WillkĂŒr. Washingtons Entscheidung ĂŒber Kupferzölle ist mehr als einen Monat ĂŒberfĂ€llig. Die Frist des Handelsministeriums, bis Ende Juni eine Empfehlung zu stufenweisen Abgaben auf raffiniertes Kupfer vorzulegen â 15 Prozent ab Januar 2027, 30 Prozent ein Jahr spĂ€ter â verstrich ohne Ergebnis. Gleichzeitig prĂŒft die Administration, die bestehenden 50-Prozent-Zölle auf Halbfertigwaren auf Rohmetall auszuweiten, und will 14 weitere Produktkategorien unter Section 232 stellen.
HĂ€ndler warten nicht ab. Ăber 200.000 Tonnen Kupfer erreichten im Juli US-HĂ€fen â der stĂ€rkste Monatszufluss seit Beginn der Erhebungen 2014. Die Comex-Lager schwellen um mehr als 40 Prozent auf Rekordniveau, der gesamte US-Bestand dĂŒrfte weit ĂŒber einer Million Tonnen liegen. In London notiert Kupfer bei 14.050 Dollar, der Markt ist in Backwardation gekippt: Kassaware kostet ĂŒber 100 Dollar mehr als Dreimonatsmetall.
Die Zollarbitrage regiert â nicht das Nachfragewachstum.
Der eigentliche Skandal liegt in der Lieferkette
WĂ€hrend Politiker Zolltabellen basteln, bricht die Versorgung real weg. Die fĂŒnfmonatige Sperrung der StraĂe von Hormus hat rund die HĂ€lfte der seewĂ€rtigen Schwefellieferungen aus dem Golf gekappt. Zusammen mit Chinas Exportverbot fehlt etwa ein Viertel der globalen SchwefelsĂ€ure â genau jener Stoff, der im SX-EW-Verfahren mehr als 15 Prozent der Weltkupferproduktion ermöglicht. Der Kongo produziert damit rund 1,5 Millionen Tonnen jĂ€hrlich, Chile etwa 1,2 Millionen. Manche Betriebe haben nur noch 30 bis 60 Tage SĂ€urevorrĂ€te.
Und in Chile stoppte Codelco die Erweiterung Andes Norte im El Teniente, der gröĂten Untertage-Kupfermine der Welt, nach Hinweisen auf ein bislang unbekanntes seismisches PhĂ€nomen. Vor einem Jahr starben dort sechs Arbeiter bei einem Gebirgsschlag. Der Aufsichtsratsvorsitzende rĂ€umte ein, es gebe âkeine Möglichkeit", das Produktionsziel von 1,7 Millionen Tonnen in vier bis fĂŒnf Jahren zu erreichen.
Konzerne kassieren, Verbraucher zahlen
Die Gewinner stehen fest: Glencore meldete ein um 86 Prozent auf 10,1 Milliarden Dollar gesprungenes bereinigtes EBITDA â kriegsgetriebene Handelsgewinne inklusive. Anglo American, Antofagasta, BHP, Rio Tinto, Freeport-McMoRan â alle im Plus. Die Zeche zahlen jene, die Kupfer tatsĂ€chlich verbauen mĂŒssen: Elektroinstallateure, Maschinenbauer, Netzbetreiber. Ausgerechnet in Deutschland, wo die Politik eine Energiewende mit gigantischem Kupferhunger dekretiert hat, ohne je zu fragen, woher das Metall kommen soll. Wer Milliarden in Netzausbau und Elektrifizierung schaufelt, wĂ€hrend der Rohstoff sich verdoppelt, betreibt keine Industriepolitik, sondern teures Wunschdenken.
Der Blick auf die harte WĂ€hrung
Bezeichnend ist, was parallel passiert: Gold notiert bei rund 4.713 Dollar je Unze, Silber sprang um ĂŒber sieben Prozent auf etwa 75,50 Dollar, Platin steht bei knapp 1.974 Dollar. Die MĂ€rkte sprechen eine deutliche Sprache. Wenn Regierungen Handelsströme per Dekret umlenken, Meerengen blockiert werden und Produktionsziele wie Seifenblasen zerplatzen, dann flieĂt Kapital dorthin, wo kein Politiker nachtrĂ€glich die Regeln Ă€ndern kann. Physische Edelmetalle sind kein Versprechen auf Papier, sondern greifbarer Besitz â ein Gedanke, der in Zeiten von 500-Milliarden-Sondervermögen und grundgesetzlich verankerten Klimazielen an AttraktivitĂ€t gewinnt.
Ob die StraĂe von Hormus tatsĂ€chlich in Tagen wieder öffnet, wie in Washington angedeutet wurde, bleibt offen. Selbst wenn: FĂŒr Teile der Kupfer-Lieferkette kĂ€me die Entspannung zu spĂ€t. Prognostiker rechnen mit strukturellen Defiziten bis ins nĂ€chste Jahrzehnt.
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