
Kontrollverlust im Innenministerium: Dobrindt tappt bei verschwundenen Asylbewerbern im Dunkeln

Es ist ein Skandal, der die ganze Misere der deutschen Migrationspolitik offenbart: Das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) hat schlichtweg keine Ahnung, wie viele Asylbewerber aus deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen spurlos verschwunden sind. Tausende Menschen, die eigentlich unter staatlicher Aufsicht stehen sollten, sind abgetaucht â und niemand in Berlin scheint sich dafĂŒr zu interessieren.
Bundesregierung ohne Ăberblick
Auf eine Schriftliche Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Sebastian MĂŒnzenmaier antwortete das Innenministerium mit einer Formulierung, die an Dreistigkeit kaum zu ĂŒberbieten ist: Man verfĂŒge ĂŒber âkeine Statistik" zu diesem Thema. Entsprechende bundesweite Daten wĂŒrden schlicht nicht erhoben. Die ZustĂ€ndigkeit liege bei den LĂ€ndern. Eine bequeme Ausrede, die das fundamentale Versagen der Bundesregierung in der Migrationsfrage einmal mehr unterstreicht.
Dabei sind die Zahlen, die aus einzelnen BundeslĂ€ndern durchsickern, alarmierend. Allein in Rheinland-Pfalz verschwanden seit Juli 2024 insgesamt 923 Personen aus Erstaufnahmeeinrichtungen â das entspricht einer Quote von 9,1 Prozent aller aufgenommenen Asylbewerber. In Hessen waren es in den vergangenen 18 Monaten sogar 1.763 Personen. Brandenburg, Niedersachsen und ThĂŒringen melden jeweils dreistellige Zahlen. Andere BundeslĂ€nder erheben solche Daten erst gar nicht.
Journalisten besser informiert als das Ministerium
Der Abgeordnete MĂŒnzenmaier reagierte mit deutlichen Worten auf diese Offenbarung behördlicher Inkompetenz. Es sei ein âArmutszeugnis", dass Journalisten inzwischen besser informiert seien als das Bundesinnenministerium. WĂ€hrend Redaktionen die Zahlen mĂŒhsam bei den LĂ€ndern zusammentragen mĂŒssten, gebe es im gesamten Ministerium offenbar keinen einzigen Beamten, der diese Aufgabe ĂŒbernehme.
âOffenbar interessiert man sich im Hause Dobrindt nicht dafĂŒr, wie viele Migranten aus Erstaufnahmeeinrichtungen abgetaucht sind und irgendwo in Deutschland herumschwirren."
Die Kritik trifft einen wunden Punkt. Wie will eine Regierung Migration steuern, wenn sie nicht einmal weiĂ, wie viele Menschen sich ĂŒberhaupt im Land befinden? Wie sollen Abschiebungen durchgefĂŒhrt werden, wenn der Aufenthaltsort Tausender abgelehnter Asylbewerber unbekannt ist?
PrioritÀten der Bundesregierung
Besonders pikant erscheint der Umstand, dass parallel zu diesem Kontrollverlust weiterhin neue Migranten nach Deutschland eingeflogen werden. Am Mittwoch landeten erneut 46 Afghanen am Berliner Flughafen. Die Beamten im Ministerium seien offenbar mehr mit der Organisation weiterer Einreisen beschĂ€ftigt als mit der Erfassung bereits verschwundener Personen, vermutet MĂŒnzenmaier.
Die sogenannte âMigrationswende" unter Bundeskanzler Friedrich Merz entpuppt sich damit einmal mehr als hohle Phrase. Statt konsequenter Kontrolle und Durchsetzung geltenden Rechts herrscht weiterhin das Prinzip Hoffnung â oder schlimmer noch: das Prinzip Desinteresse.
Ein Symptom des Staatsversagens
Das Fehlen grundlegender Statistiken ist kein Versehen, sondern Ausdruck einer politischen Haltung. Wer nicht zĂ€hlt, muss nicht handeln. Wer keine Zahlen kennt, kann keine unbequemen Fragen beantworten. Diese Strategie der bewussten Ahnungslosigkeit mag kurzfristig politisch bequem sein, langfristig untergrĂ€bt sie jedoch das Vertrauen der BĂŒrger in den Rechtsstaat.
Die deutsche Bevölkerung hat ein Recht darauf zu erfahren, wie viele Menschen sich illegal oder mit unbekanntem Status im Land aufhalten. Sie hat ein Recht auf eine Regierung, die ihre grundlegendsten Aufgaben erfĂŒllt â nĂ€mlich zu wissen, wer sich auf deutschem Staatsgebiet befindet. Dass dies im Jahr 2026 offenbar zu viel verlangt ist, spricht BĂ€nde ĂŒber den Zustand unserer Verwaltung und unserer politischen FĂŒhrung.










