
KI-Krieg der Supermächte: Jetzt macht auch Peking die Tür zu

Washington wirft China systematischen Diebstahl geistigen Eigentums bei Künstlicher Intelligenz vor. Peking kontert mit Ausreiseverboten für Top-Entwickler und Verboten für US-Software. Die kurze Ära der offenen KI-Modelle ist damit faktisch beendet – und Europa schaut zu.
Als China die Tore öffnete – aus kühlem Kalkül
Die Idee klang nach digitaler Aufklärung: „Open Weight". Also KI-Modelle, deren trainierte Gewichte frei verfügbar sind – für jeden, überall, wie Luft zum Atmen.
Ausgerechnet das autoritär regierte China trieb dieses Konzept voran, während in den wirtschaftsliberalen USA die Konzerne auf geschlossene Systeme setzten. Der Grund ist banal: Mit abgeschotteten Modellen lässt sich schlicht mehr Geld verdienen.
Peking dagegen verfolgte ein volkswirtschaftliches Ziel. Offene Modelle beschleunigen den Umbau des ganzen Landes zur KI-Gesellschaft. Dass sich Nachbarn wie Indien und Rivalen wie die USA dabei bedienen, nahm man in Kauf – man fühlte sich ohnehin drei Schritte voraus.
60 bis 90 Prozent billiger – und fast genauso gut
Das Kalkül ging zunächst auf. Chinesische Open-Source-Modelle sollen dem Bericht zufolge 60 bis 90 Prozent günstiger sein als die Spitzenprodukte von OpenAI und Anthropic.
Ein Beispiel: Das chinesische Modell GLM 5.2 des Anbieters Z.ai landete bei einem viel beachteten Cybersicherheits-Benchmark nur einen Prozentpunkt hinter dem US-Konkurrenten Claude Opus 4.8 – zu rund einem Fünftel der Kosten. Amerikanische Unternehmen greifen inzwischen selbst zu Software aus China.
Wenn aus Lernen plötzlich Diebstahl wird
Doch bei den wirklich führenden Modellen liegen die USA weiter vorn. Und genau dort sollen chinesische Firmen abgreifen, was sie kriegen können. Der Fachbegriff lautet „Wissensdestillation": Man filtert die Denkweisen eines fremden Modells heraus und spart sich damit Milliarden an Entwicklungskosten.
US-Finanzminister Scott Bessent nennt das laut dem Bericht schlicht „KI-Diebstahl". Anthropic beschuldigt chinesische Unternehmen, über mehr als 24.000 betrügerische Konten und 16 Millionen automatisierte Anfragen die eigenen Modelle angezapft zu haben. Washington kündigte Sanktionen an – ausländische Staatsangehörige sollen keinen Zugang zu den fortschrittlichsten Anthropic-Modellen mehr erhalten.
Einen besseren Beleg dafür, wie ernst die USA Chinas Innovationskraft nehmen, gibt es kaum.
Ausreiseverbote für KI-Manager
Peking zieht nun ebenfalls die Zugbrücke hoch. Alibaba untersagte seinen Mitarbeitern die Nutzung von Claude – aus Sorge vor Überwachung. Die Regierung legte ihr Veto gegen die zwei Milliarden Dollar schwere Übernahme des Start-ups Manus durch Meta ein; Medienberichten zufolge soll anschließend der Konzern Tencent über einen Einstieg zur selben Bewertung verhandelt haben.
Manus-Chef Xiao Hong und Chefforscher Ji Yichao dürfen China nicht verlassen. Auch Führungskräfte von Alibaba und DeepSeek sollen Ausreisebeschränkungen unterliegen. Menschliches Wissen wird zur Staatsressource erklärt.
Und Europa? Reguliert.
Während zwei Supermächte um die Schlüsseltechnologie des Jahrhunderts ringen, beschäftigt sich die EU vor allem mit Berichtspflichten und Risikoklassen. Aus Sicht unserer Redaktion ist das eine strategische Selbstverzwergung, für die deutsche Unternehmen teuer bezahlen dürften.
Technologische Blockbildung, Sanktionen, Exportverbote: Wer solche Brüche in der Weltwirtschaft erwartet, sucht traditionell nach Werten, die keine Ländergrenze abschalten kann. Physisches Gold und Silber zählen seit Jahrtausenden dazu – als nüchterne Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheiden.










