Kettner Edelmetalle
22.01.2026
16:31 Uhr

Kehrtwende in Davos: Musk erscheint erstmals beim Weltwirtschaftsforum – nach Jahren der Kritik

Kehrtwende in Davos: Musk erscheint erstmals beim Weltwirtschaftsforum – nach Jahren der Kritik

Es ist eine jener Wendungen, die selbst hartgesottene Beobachter der globalen Machtelite überraschen dürfte: Elon Musk, der wohl schärfste Kritiker des Weltwirtschaftsforums, betritt am Donnerstag erstmals die heiligen Hallen von Davos. Der reichste Mann der Welt, der das jährliche Treffen der politischen und wirtschaftlichen Elite jahrelang als elitär, abgehoben und vom einfachen Volk völlig losgelöst gegeißelt hatte, nimmt nun selbst auf dem Podium Platz.

Vom Spötter zum Teilnehmer

Die Ironie könnte kaum größer sein. Noch vor wenigen Jahren verspottete Musk das WEF auf seiner Plattform X regelmäßig als "langweilig" und bezeichnete es als "eine nicht gewählte Weltregierung, die das Volk nie verlangt hat und auch nicht will". Nun sitzt er gemeinsam mit BlackRock-Chef Larry Fink auf einem Panel – ausgerechnet mit dem Vertreter jenes Finanzgiganten, der für viele konservative Kritiker das Sinnbild globalistischer Machtkonzentration darstellt.

Was hat sich geändert? Die Antwort liegt wohl in Musks neuer politischer Rolle. Als enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump hat der Tesla-Chef einen beispiellosen Einfluss auf politische Entscheidungen gewonnen. Seine Unternehmen – von SpaceX über Starlink bis hin zu seiner KI-Firma xAI – sind längst zu geopolitischen Instrumenten geworden, die Regierungen weltweit nicht mehr ignorieren können.

Pragmatismus oder Prinzipienverrat?

Man könnte Musks Davos-Auftritt als cleveren Schachzug interpretieren: Wer die Spielregeln ändern will, muss am Tisch sitzen. Doch für viele seiner Anhänger, die seine WEF-Kritik als authentischen Ausdruck einer Anti-Establishment-Haltung verstanden, dürfte dieser Sinneswandel bitter schmecken. War die jahrelange Kritik am "Davos-Mann" letztlich nur rhetorisches Säbelrasseln?

Die Wahrheit ist vermutlich komplexer. Musk agiert nicht mehr als rebellischer Außenseiter, sondern als machtbewusster Akteur im Zentrum der globalen Politik. Seine Starlink-Satelliten versorgen Konfliktgebiete mit Internet, seine Plattform X bestimmt den öffentlichen Diskurs, und seine Nähe zu Trump verschafft ihm direkten Zugang zu den Schalthebeln der Macht.

Die Macht der Umstände

Dass ausgerechnet jener Mann, der das WEF als Symbol einer abgehobenen Elite brandmarkte, nun selbst dort auftritt, zeigt einmal mehr: In der Politik gibt es keine ewigen Feindschaften, nur ewige Interessen. Ob Musk in Davos als Reformer auftritt oder sich nahtlos in die Riege der Globalisten einreiht, wird sich zeigen. Eines steht jedoch fest: Der reichste Mann der Welt hat verstanden, dass man Macht nicht nur kritisieren, sondern auch ausüben muss – selbst wenn das bedeutet, die eigenen Prinzipien gelegentlich neu zu interpretieren.

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