
„Instagram is for girls“: Musks Spott und der Machtkampf mit Brüssel

Ein Satz, mehr als eine Million Aufrufe: Elon Musk hat am Donnerstag auf seiner Plattform X über Instagram gelästert. „Instagram is for girls“, schrieb der Tech-Milliardär. Das ist mehr als eine Pöbelei unter Rivalen, denn hinter dem Spott steht ein Konflikt, der längst zwischen Washington und Brüssel ausgetragen wird.
Ein Satz, der sitzt, und nicht zum ersten Mal
Auslöser war ein Beitrag des Accounts Geiger Capital. Dort hieß es, man habe Instagram gelöscht. Die App sei von Natur aus weiblich und bringe keinen Nutzen. Musk antwortete knapp, und das Netz war beschäftigt.
Neu ist die Pointe allerdings nicht. Schon im Mai hatte Musk den Satz unter einen viel geteilten Beitrag gesetzt. Darin ging es um die typischen Gewohnheiten von Instagram-Nutzern, von aufreizenden Selfies bis zum fotografierten Abendessen. Kurz darauf legte er nach: Manchmal schickten ihm erwachsene Männer ihre Instagram-Profile, und dann frage er sich, ob sie gerade eine Transition durchliefen.
Diese Spitze hat eine persönliche Vorgeschichte. Musks Tochter Vivian Jenna Wilson ließ 2022 Namen und Geschlechtseintrag ändern und brach mit dem Vater. Musk machte dafür später die „Woke-Kultur“ verantwortlich und kündigte an, das „Woke-Mind-Virus“ zu zerstören.
Zustimmung, Kopfschütteln und „Brostagram“
Die Reaktionen fallen gemischt aus. Ein Teil der Nutzer stimmt Musk zu, andere werfen ihm vor, plumpe Klischees zu bedienen. Im Mai hatte ein Nutzer wegen der vielen Schmollmünder und Spiegel-Selfies spöttisch eine eigene App für Männer vorgeschlagen, Arbeitstitel „Brostagram“. Ein anderer vermutete trocken, Musk würde die Sache wohl anders sehen, wenn Instagram ihm gehörte.
Der ewige Zweikampf: Musk gegen Zuckerberg
Damit ist der Kern getroffen. Instagram gehört zum Meta-Konzern von Mark Zuckerberg, und die beiden Männer verbindet eine lange Feindschaft. 2023 verabredeten sie öffentlich einen Käfigkampf, der nie stattfand. Im selben Jahr brachte Meta den Kurznachrichtendienst Threads heraus, einen direkten Angriff auf X.
Musk keilt seitdem regelmäßig zurück. Schon Anfang 2023 schrieb er, Instagram mache Menschen depressiv und Twitter mache sie wütend. WhatsApp nannte er unsicher und empfahl stattdessen den Chatdienst von X.
Pikant ist der Zeitpunkt. Erst Anfang der Woche saßen beide gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump und weiteren Tech-Chefs im Weißen Haus an einem Tisch und unterzeichneten eine freiwillige Vereinbarung zur Künstlichen Intelligenz. Zwei Tage später folgte der Seitenhieb. Die Harmonie hielt also nicht lange.
Die eigentliche Front verläuft in Brüssel
Viel ernster ist der Streit mit der EU. Im Dezember vergangenen Jahres verhängte die EU-Kommission ein Bußgeld von 120 Millionen Euro gegen X. Es war die erste Strafe nach dem Digital Services Act (DSA). Brüssel beanstandete den käuflichen blauen Haken sowie mangelnde Transparenz bei Werbung und Forschungsdaten.
Musk forderte daraufhin, die EU abzuschaffen. US-Außenminister Marco Rubio sprach von einem Angriff auf alle amerikanischen Tech-Plattformen. Wenige Wochen später verhängte Washington Einreisesperren gegen fünf Europäer, darunter der frühere EU-Kommissar Thierry Breton. Die US-Regierung wirft Brüssel Zensur vor. Die Kommission hält dagegen, das Gesetz solle das Internet für EU-Bürger sicherer machen.
Washington will vor Gericht mitmischen
X und Musk klagen nun vor dem Gericht der EU in Luxemburg gegen die Strafe. Vergangene Woche beantragte das US-Justizministerium, beiden Verfahren als Streithelfer beizutreten. Brett Shumate vom Justizministerium erklärte, die Kommission habe versucht, ihre Befugnisse auf amerikanische Unternehmen außerhalb ihrer Zuständigkeit auszudehnen. Die Kommission will ihre Entscheidung nach eigenen Angaben verteidigen.
Ob die USA zugelassen werden, muss das Gericht noch entscheiden. Fest steht: Erstmals wird eine DSA-Strafe gerichtlich überprüft. Für Kritiker der Brüsseler Regulierungswut ist das ein Präzedenzfall. Scheitert die Kommission, stünde ihr Vorzeigegesetz beschädigt da. Gewinnt sie, dürfte die Liste der Regeln für die Plattformen eher länger als kürzer werden. Gegen diesen Streit wirkt Musks Instagram-Spott fast harmlos.
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