Kettner Edelmetalle
22.01.2026
16:32 Uhr

Historischer Durchbruch? Erstmals sitzen Ukraine, Russland und USA gemeinsam am Verhandlungstisch

Historischer Durchbruch? Erstmals sitzen Ukraine, Russland und USA gemeinsam am Verhandlungstisch

Nach fast vier Jahren eines zermürbenden Krieges, der Europa in seinen Grundfesten erschüttert hat, zeichnet sich möglicherweise eine Wende ab. Was viele Beobachter längst nicht mehr für möglich hielten, scheint nun Realität zu werden: Vertreter der Ukraine, Russlands und der Vereinigten Staaten wollen sich erstmals zu trilateralen Gesprächen in den Vereinigten Arabischen Emiraten treffen. Ein Novum in diesem blutigen Konflikt, das Hoffnungen weckt – aber auch Fragen aufwirft.

Trump-Administration treibt Verhandlungen voran

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das geplante Treffen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos als „erstes Treffen dieser Art" und äußerte vorsichtigen Optimismus, dass Moskau zu Kompromissen bereit sein könnte. Bemerkenswert ist dabei die Rolle der Trump-Administration, die offenbar erheblichen Druck auf beide Seiten ausübt.

Donald Trumps Sondergesandter Steve Witkoff verkündete selbstbewusst, die Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten. Man habe die Differenzen auf „ein einziges Problem" reduziert, erklärte er am Rande des Weltwirtschaftsforums. Welches Problem das genau ist, ließ er wohlweislich offen. Gemeinsam mit Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, reiste er nach Moskau, um direkt mit Kremlchef Wladimir Putin zu sprechen.

„Wenn beide Seiten eine Lösung wollen, werden wir sie finden."

Diese Worte Witkoffs klingen zuversichtlich, doch die Realität ist komplizierter. Die Kernfragen des Konflikts bleiben ungelöst: Russlands Gebietsansprüche in der Ost- und Südukraine, die Forderung nach einem Verzicht Kiews auf eine NATO-Mitgliedschaft und – besonders brisant – der vom Kreml immer wieder geforderte Austausch der ukrainischen Regierung.

Europa bleibt außen vor – wieder einmal

Was bei diesem diplomatischen Schauspiel besonders ins Auge sticht, ist die vollständige Abwesenheit europäischer Akteure. Die EU, die sich gerne als Friedensmacht inszeniert und Milliarden an Hilfsgeldern in die Ukraine gepumpt hat, sitzt nicht mit am Tisch. Selenskyj selbst kritisierte die europäischen Staaten in seiner Davos-Rede scharf – ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr das Vertrauen in die europäische Handlungsfähigkeit geschwunden ist.

Diese Marginalisierung Europas sollte deutschen Politikern zu denken geben. Während die USA unter Trump die Fäden ziehen und Russland als Verhandlungspartner auf Augenhöhe behandelt wird, steht Europa am Spielfeldrand. Die viel beschworene „europäische Souveränität" entpuppt sich einmal mehr als hohle Phrase. Stattdessen darf Bundeskanzler Merz nun darüber nachdenken, wie er Grönland gegen Russland verteidigen will – ein Kotau vor Washington, der die eigentliche Machtlosigkeit Berlins nur unterstreicht.

Der humanitäre Druck wächst

Die Ukraine leidet derweil unter einem brutalen Winter. Strom- und Heizungsengpässe, zerstörte Infrastruktur und eine sich verschärfende humanitäre Krise setzen Kiew unter enormen Druck. Experten sehen darin einen möglichen Katalysator für ernsthafte Fortschritte – oder anders ausgedrückt: Die Not zwingt alle Seiten an den Verhandlungstisch.

Putin seinerseits deutete in den vergangenen Wochen an, dass Moskau bereit sei, über die Finanzierung des Wiederaufbaus nach Kriegsende zu verhandeln. Ein interessantes Signal, das zeigt, dass auch der Kreml nach einem gesichtswahrenden Ausweg sucht. Die eingefrorenen russischen Vermögenswerte im Westen könnten dabei eine zentrale Rolle spielen.

Ein historischer Moment – oder nur ein weiteres Strohfeuer?

Die zweitägigen Gespräche in den Emiraten sollen zunächst auf technischer Ebene stattfinden. Man erwartet also Vertreter unterhalb der politischen Führungsebene – ein vorsichtiges Herantasten, das Raum für Rückzieher lässt. Bisherige Friedensgespräche in Riad, Istanbul, Alaska oder Florida scheiterten stets daran, dass eine der Parteien fehlte. Diesmal sollen erstmals alle drei Seiten gleichzeitig am Tisch sitzen.

Ob dieses Treffen tatsächlich den Durchbruch bringt, bleibt abzuwarten. Die Positionen liegen noch weit auseinander, und der Kreml hat bislang offiziell nicht auf die ukrainischen Ankündigungen reagiert. Doch eines ist klar: Nach fast vier Jahren Krieg, Hunderttausenden Toten und einer zerrütteten europäischen Sicherheitsarchitektur wäre ein Ende dieses Konflikts mehr als überfällig. Die Frage ist nur, zu welchem Preis – und wer am Ende die Rechnung bezahlt.

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