
Havanna kontert Washington: Kuba wirft Trump-Regierung blanke Heuchelei vor
Selten war ein diplomatischer Schlagabtausch derart pikant: Nachdem die US-Justiz den ehemaligen kubanischen Staatschef RaĂșl Castro wegen des Abschusses ziviler Flugzeuge im Jahr 1996 angeklagt hat, schieĂt die kommunistische FĂŒhrung in Havanna scharf zurĂŒck â und trifft dabei einen empfindlichen Nerv der Trump-Administration.
Der Gegenangriff aus Havanna
Die kubanische Regierung sparte in ihrer offiziellen Stellungnahme nicht mit SchĂ€rfe. Es sei âhöchst zynischâ, dass ausgerechnet jene Regierung diesen Vorwurf erhebe, die in internationalen GewĂ€ssern der Karibik und des Pazifiks beinahe 200 Menschen getötet und 57 Schiffe versenkt habe â allesamt fernab des eigenen Hoheitsgebiets. Nach Lesart Havannas seien diese Tötungen völkerrechtlich nichts anderes als auĂergerichtliche Hinrichtungen.
Damit verweist Kuba unmissverstĂ€ndlich auf jene umstrittenen US-MilitĂ€rschlĂ€ge gegen mutmaĂliche Drogenboote, die in diesem Jahr international fĂŒr massive Kritik gesorgt haben. Trump verteidigt diese Angriffe als unverzichtbares Werkzeug im Kampf gegen den Drogenhandel. Doch was die Beweislage betrifft, herrscht im WeiĂen Haus auffallendes Schweigen. Belastbare Nachweise, dass sich tatsĂ€chlich Drogenkartelle an Bord der versenkten Schiffe befanden, blieb die Regierung der Ăffentlichkeit bislang weitgehend schuldig.
Castro vor amerikanischen Schranken?
Die Anklage gegen RaĂșl Castro, die das US-Justizministerium am Mittwoch öffentlich machte, bezieht sich auf den Abschuss von zwei zivilen Flugzeugen vor der kubanischen KĂŒste im Jahr 1996. Damals starben vier Mitglieder der Exilkubaner-Organisation âHermanos al Rescateâ. Die juristische Frage, ob ein heute 94-jĂ€hriger ehemaliger Staatschef tatsĂ€chlich noch in amerikanische Haft genommen werden könnte, dĂŒrfte ohnehin eher theoretischer Natur sein. Politisch jedoch ist das Signal eindeutig: Washington dreht die Daumenschrauben an.
Rubio gibt sich kompromisslos
US-AuĂenminister Marco Rubio, selbst kubanischer Abstammung und seit jeher ein scharfer Gegner des Castro-Regimes, lieĂ am Donnerstag vor seiner Abreise zu einem Nato-Treffen in Schweden wenig Zweifel daran, wohin die Reise geht. Zwar bevorzuge Washington stets eine Verhandlungslösung, erklĂ€rte er, doch angesichts der gegenwĂ€rtigen FĂŒhrung in Havanna sei die Aussicht darauf verschwindend gering. Sollte es in Kuba zu einem politischen Umdenken kommen, stehe man bereit. âBis dahin werden wir tun, was nötig istâ, so der AuĂenminister.
Den Vorwurf, die Vereinigten Staaten betrieben in Kuba ein sogenanntes âNation Buildingâ â also den von auĂen gesteuerten Umbau staatlicher Strukturen â, wies Rubio entschieden zurĂŒck. Vielmehr diene das Vorgehen der nationalen Sicherheit der USA.
Ein vergiftetes VerhÀltnis mit langer Vorgeschichte
Wer die Geschichte der amerikanisch-kubanischen Beziehungen kennt, der weiĂ: Das VerhĂ€ltnis zwischen Washington und Havanna ist seit der Revolution von 1959 ein einziges diplomatisches TrĂŒmmerfeld. Vom Schweinebucht-Desaster ĂŒber die Kuba-Krise bis hin zu den jahrzehntelangen Wirtschaftssanktionen reicht die Kette der Eskalationen. Die kurze Tauwetter-Phase unter Barack Obama wurde von Trump bereits in seiner ersten Amtszeit beendet. Seit seiner RĂŒckkehr ins Oval Office fĂ€hrt der PrĂ€sident wieder den harten Kurs â und Rubio liefert die rhetorische Munition.
Doppelmoral als Waffe
Bemerkenswert ist, mit welcher Geschicklichkeit die kubanische FĂŒhrung den moralischen SpieĂ umzudrehen versucht. Denn der Vorwurf auĂergerichtlicher Tötungen auf hoher See trifft die Trump-Administration durchaus an einem wunden Punkt. Selbst westliche VerbĂŒndete und Menschenrechtsorganisationen haben die Drohnen- und Marineangriffe auf vermeintliche Drogenboote in den vergangenen Monaten zunehmend kritisch hinterfragt. Wer ohne öffentliche Beweise tötet, der liefert seinen Gegnern auf dem geopolitischen Schachbrett wertvolle Argumente â das gilt auch dann, wenn diese Gegner selbst nicht gerade mit einer weiĂen Weste glĂ€nzen.
Geopolitisches Pulverfass mit Folgen fĂŒr Anleger
FĂŒr deutsche Beobachter sollte dieser Konflikt mehr sein als bloĂe Karibik-Folklore. Jede weitere Eskalation im US-amerikanischen Hinterhof, jeder neue Krisenherd â sei es im Nahen Osten, in der Ukraine oder eben in der Karibik â erhöht die geopolitische Unsicherheit weltweit. Und Unsicherheit ist seit jeher der beste Freund stabiler Sachwerte. WĂ€hrend PapierwĂ€hrungen, AktienmĂ€rkte und politische Versprechen im Sturm der Weltgeschichte oft wie Spreu im Wind verfliegen, haben physische Edelmetalle wie Gold und Silber ĂŒber Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie ihren Wert auch dann bewahren, wenn die diplomatischen Karten neu gemischt werden.
Eines steht fest: Die Konfrontation zwischen Washington und Havanna wird sich in den kommenden Monaten weiter zuspitzen. Ob daraus mehr wird als ein verbaler Schlagabtausch, hĂ€ngt nicht zuletzt davon ab, wie weit Trump und Rubio bereit sind zu gehen â und wie die kubanische FĂŒhrung darauf antwortet.
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