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22.01.2026
16:28 Uhr

Grönland-Krise: Trumps Kehrtwende nach internem Druck seiner Berater

Grönland-Krise: Trumps Kehrtwende nach internem Druck seiner Berater

Was für ein Schauspiel in Davos! Wochenlang hatte Donald Trump die Welt mit seinen martialischen Drohungen in Atem gehalten, Grönland notfalls mit militärischer Gewalt zu übernehmen. Nun die überraschende Wende: Der US-Präsident rudert zurück – und das offenbar nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil seine engsten Berater ihm ins Gewissen redeten.

Chaos im Weißen Haus: Berater uneins über Grönland-Strategie

Hinter den Kulissen des Weißen Hauses spielten sich in den vergangenen Wochen dramatische Szenen ab. Während Trump unbeirrt an seiner Obsession festhielt, die arktische Insel unter amerikanische Kontrolle zu bringen, bemühten sich seine Top-Berater fieberhaft darum, die aufgeschreckten Verbündeten zu beruhigen und gleichzeitig den Präsidenten von seinem aggressiven Kurs abzubringen. Mehrere Schlüsselfiguren in Trumps Team zeigten sich wenig begeistert von der Idee, dänisches Territorium mit Waffengewalt zu erobern – ein NATO-Mitglied wohlgemerkt.

Die Spaltung innerhalb der Administration war offenkundig: Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio drängten auf einen gemäßigteren Ansatz, während Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus, die Option einer Annexion und den möglichen Einsatz militärischer Mittel weiterhin auf dem Tisch halten wollte. Ein klassischer Machtkampf zwischen Pragmatikern und Hardlinern.

Zolldrohungen als Druckmittel – eine Idee aus dem Handelsministerium

Die Idee, europäische Verbündete mit Strafzöllen zu erpressen, bis sie einer Übernahme Grönlands zustimmen, stammte ausgerechnet von Handelsminister Howard Lutnick und anderen Kabinettsmitgliedern. Trump hatte am Samstag in einem Beitrag auf sozialen Medien angekündigt, eine Welle steigender Zölle auf europäische Waren zu verhängen – ein Vorgehen, das führende EU-Staaten umgehend als Erpressung brandmarkten.

Diese Ankündigung löste im Weißen Haus hektische Betriebsamkeit aus. Verschiedene Behörden arbeiten noch immer daran, die möglichen Vergeltungsmaßnahmen und Gegenreaktionen der EU-Mitgliedstaaten zu analysieren. Das Chaos war perfekt.

Europas Reaktion: Kleine Truppenkontingente als Signal

Die europäischen Verbündeten reagierten auf Trumps Drohgebärden mit einer bemerkenswerten Geste: Mehrere Länder entsandten kleine Militärkontingente nach Grönland – offiziell um zu demonstrieren, dass sie die amerikanischen Sicherheitsbedenken bezüglich der Insel ernst nehmen. In Wahrheit war es wohl eher ein Signal der Entschlossenheit gegenüber Washington.

„Er mag es nicht, in die Enge getrieben zu werden"

So beschrieb eine Quelle aus dem Weißen Haus Trumps Reaktion auf den europäischen Widerstand. Der Präsident, der sich gerne als starker Mann inszeniert, sah sich plötzlich mit einer geschlossenen Front konfrontiert.

Die Vorgeschichte: Von der Idee zur Obsession

Trumps Faszination für Grönland ist nicht neu. Bereits 2019, während seiner ersten Amtszeit, hatte er die Idee eines Kaufs der arktischen Insel ins Spiel gebracht – und war damit auf höfliche, aber bestimmte Ablehnung gestoßen. Nach seiner Rückkehr ins Amt vor einem Jahr verschärfte er die Rhetorik jedoch dramatisch.

Im Dezember ernannte Trump überraschend den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zum Sondergesandten für Grönland. Beobachter vermuten, dass der Präsident durch die erfolgreiche Operation zur Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro am 3. Januar ermutigt wurde, auch in der Grönland-Frage aggressiver vorzugehen.

Dänemark und Grönland bleiben standhaft

Die Reaktion aus Kopenhagen und Nuuk war eindeutig: Die Zukunft Grönlands liegt in den Händen seiner Bewohner, nicht in denen amerikanischer Präsidenten. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen bezeichnete die Gespräche mit Vance und Rubio im Weißen Haus als „offen, aber konstruktiv" – diplomatische Sprache für eine Begegnung, bei der man sich nicht einig wurde.

Bemerkenswert ist, dass bei diesem Treffen militärische Optionen offenbar nicht ernsthaft diskutiert wurden. Stattdessen erörterte Vance, wie trotz scheinbar unvereinbarer Positionen eine Lösung gefunden werden könnte.

Was bleibt: Ein Präsident zwischen Ambition und Realität

Die Grönland-Episode ist symptomatisch für Trumps zweite Amtszeit: abrupte politische Kurswechsel, schnelle Kehrtwenden und eine Außenpolitik, die zwischen Drohgebärden und Rückzügen oszilliert. Immer wieder musste der Präsident unter wirtschaftlichem, politischem oder Marktdruck seinen Kurs korrigieren.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, versuchte die Wende positiv zu verkaufen: Sollte ein Abkommen zustande kommen, würden die USA ihre Ziele in Grönland mit minimalen langfristigen Kosten erreichen. Eine elegante Formulierung für das, was manche als diplomatische Niederlage bezeichnen würden.

Die Realität ist jedoch komplexer: Ein Abkommen von 1951 zwischen Dänemark und den USA gewährt dem amerikanischen Militär bereits freien Zugang zu Grönland zur Verteidigung des Territoriums oder anderer NATO-Gebiete. Experten zufolge hat Washington damit ohnehin die Möglichkeit, zusätzliche Truppen nach Grönland zu entsenden. Die Frage ist also weniger, ob die USA militärisch präsent sein können, sondern ob sie die politische Kontrolle übernehmen wollen – und zu welchem Preis.

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