
Grönland-Deal: Trump verzichtet auf Zölle – doch die Arktis-Bewohner bleiben skeptisch
Was für ein diplomatisches Schauspiel in den verschneiten Höhen von Davos! US-Präsident Donald Trump verkündete nach einem Gespräch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte eine vermeintliche Einigung über die Zukunft Grönlands und der gesamten Arktis-Region. Die angekündigten Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder, die eigentlich zum 1. Februar in Kraft treten sollten, werden nun nicht erhoben. Doch während sich europäische Hauptstädte in Erleichterung wiegen, zeigen die eigentlich Betroffenen – die Grönländer selbst – wenig Begeisterung.
Trump feiert sich als Sieger – wie gewohnt
Der US-Präsident ließ es sich nicht nehmen, den vermeintlichen Erfolg in gewohnter Manier zu zelebrieren. Über seinen Onlinedienst Truth Social verkündete er, einen „Rahmen für ein zukünftiges Abkommen" vereinbart zu haben. Die Vereinbarung bringe den USA „alles, was wir wollten", so Trump vor Journalisten. Sie werde „unbegrenzt" Wirkung haben und Bereiche wie militärische Sicherheit sowie Rohstoffe umfassen.
Bemerkenswert ist dabei Trumps Aussage, er werde keine Gewalt anwenden, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen.
„Wir werden wahrscheinlich nichts bekommen, es sei denn, ich entscheide mich für übermäßige Stärke und Gewalt, wo wir offen gesagt nicht aufzuhalten wären. Aber das werde ich nicht tun."Eine Aussage, die man wohl als beruhigend empfinden soll – obwohl sie gleichzeitig die militärische Überlegenheit der USA demonstrativ zur Schau stellt.
Rutte spielt den diplomatischen Vermittler
NATO-Generalsekretär Mark Rutte gab sich nach dem Treffen betont optimistisch. In einem Interview mit dem US-Sender Fox News erklärte er, die Frage der dänischen Souveränität über Grönland sei bei dem Gespräch gar kein Thema gewesen. Trump habe sich vielmehr darauf konzentriert, wie die „riesige arktische Region" geschützt werden könne, in der sich derzeit Veränderungen vollzögen und Russland sowie China zunehmend aktiv seien.
Der ehemalige niederländische Ministerpräsident lobte Trump sogar dafür, Europa und Kanada auf die „berühmten 5 Prozent" Verteidigungsausgaben gebracht zu haben. „Das ist für uns entscheidend, um unsere Ausgaben anzugleichen, aber auch, um uns selbst zu schützen", so Rutte. Man könnte fast meinen, der NATO-Chef habe vergessen, dass Trump Europa noch vor wenigen Wochen mit massiven Zöllen drohte.
Die arktische Bedrohungslage als Verhandlungsmasse
Rutte bezeichnete Trumps Fokus auf die Sicherheit in der Arktis als „völlig richtig". Die Gefahr, dass Russland oder China in dieser Region zur Bedrohung würden, steige täglich. Damit spielt der NATO-Generalsekretär Trump geschickt in die Hände, indem er dessen geopolitische Ambitionen als legitime Sicherheitsbedenken rahmt.
Grönland: „Nichts über uns ohne uns"
Während sich europäische Regierungen erleichtert zeigten, fiel die Reaktion in Grönland selbst deutlich verhaltener aus. Die grönländische Abgeordnete im dänischen Parlament, Aaja Chemnitz, brachte es auf den Punkt: „Die NATO hat in keinem Fall das Recht, ohne uns, Grönland, über irgendetwas zu verhandeln." Ihr Zusatz „Nichts über uns ohne uns" verdeutlicht die wachsende Frustration der Inselbewohner, die sich als Spielball geopolitischer Interessen fühlen.
Grönland ist ein autonomes Gebiet mit rund 57.000 Einwohnern, das zum Königreich Dänemark gehört. Die strategisch wichtige und rohstoffreiche Arktisinsel beherbergt bereits eine US-Luftwaffenbasis. Sowohl Grönland als auch Dänemark hatten wiederholt betont, dass das Gebiet nicht zum Verkauf stehe – eine Position, die offenbar in den Verhandlungen zwischen Trump und Rutte keine zentrale Rolle spielte.
Ein fragwürdiger Kompromiss
Die weiteren Verhandlungen sollen nun von Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und dem Sondergesandten Steve Witkoff geführt werden. Was genau dieser „Rahmen für ein zukünftiges Abkommen" beinhaltet, bleibt jedoch nebulös. Klar ist nur: Trump hat seine Zolldrohungen als Druckmittel eingesetzt und Europa zum Einlenken gebracht – zumindest vorläufig.
Die Frage, ob dieser vermeintliche Kompromiss tatsächlich im Interesse Europas liegt oder ob sich die EU einmal mehr von amerikanischem Druck hat treiben lassen, wird die kommenden Wochen zeigen. Eines steht fest: Die Stimme der Grönländer selbst wurde bei diesem Deal offenbar nicht gehört – ein demokratisches Armutszeugnis, das nachdenklich stimmen sollte.










