
Drohnenkrieg frisst Germanium: Pekings stiller Griff an Europas Kehle

Ein Metall, das kaum jemand kennt, wird zum Nadelöhr der modernen KriegsfĂŒhrung. Nach einer Analyse der Investmentbank BMO Capital Markets könnten die rund 15 Millionen Drohnen, die 2026 im russisch-ukrainischen Krieg verheizt werden, mehr als vier Prozent der weltweiten Germanium-Nachfrage verschlingen. Ein Bedarf, den es vor 2022 schlicht nicht gab.
Die Rechnung der Analysten ist simpel und brutal: Eine durchschnittliche FPV-Drohne enthĂ€lt demnach etwa ein Gramm Germanium, 0,1 Gramm Gallium und 46 Gramm Neodym-Eisen-Bor-Magnete. Hochgerechnet sind das rund 15 Tonnen Germanium, 1,5 Tonnen Gallium und 690 Tonnen Magnetmaterial â pro Jahr, in Rauch aufgelöst.
343 Tonnen fĂŒr die ganze Welt
Zur Einordnung: Der globale Germanium-Bedarf lag 2025 bei geschÀtzten 343 Tonnen. Das ist kein Massenmarkt wie Kupfer oder Stahl, sondern ein Nischenmarkt, in dem ein paar Tonnen zusÀtzliche Nachfrage die Preise durch die Decke jagen.
Genau das ist passiert. Laut Angaben des US-Geologiedienstes stieg der europĂ€ische Germanium-Metallpreis 2025 von rund 3.150 auf 5.380 Dollar je Kilogramm. SpĂ€tere Marktberichte nannten Werte jenseits von 11.000 Dollar â gegenĂŒber einem historischen Mittel um 2.000 Dollar. HĂ€ndler beschrieben die Lage Berichten zufolge als verzweifelt, weil LagerbestĂ€nde dĂŒnn sind und sich MilitĂ€roptik kaum substituieren lĂ€sst.
Wer den Hahn zudreht, gewinnt
Und hier wird es fĂŒr Europa unangenehm. China produzierte 2023 laut USGS rund 77 Prozent des raffinierten Germaniums, 98 Prozent des primĂ€ren Galliums und 68 Prozent der geförderten Seltenen Erden. Peking fĂŒhrte 2023 Exportlizenzen ein, verhĂ€ngte im Dezember 2024 ein Ausfuhrverbot in die USA und setzte dieses spĂ€ter nur befristet aus. Die US-Importe von Germanium-Metall brachen im vergangenen Jahr um geschĂ€tzte 67 Prozent ein.
Germanium fĂ€llt fast ausschlieĂlich als Nebenprodukt der Zink- und Kohleverarbeitung an. Man kann es nicht einfach "hochfahren", wenn ein Verteidigungsminister es wĂŒnscht. Wer die Raffinerien besitzt, besitzt den Schalter.
Milliarden fĂŒr Drohnen â aber nicht fĂŒr die Rohstoffbasis
Westliche Staaten und BĂŒndnisse haben seit 2025 rund 150 Milliarden Dollar fĂŒr Drohnen- und Abwehrprogramme zugesagt; die NATO allein bewilligte im Juli ĂŒber 40 Milliarden Dollar fĂŒr Anti-Drohnen-FĂ€higkeiten. Kiew will 2026 mehr als sieben Millionen Drohnen bauen, nach vier Millionen im Vorjahr.
Nur: Auch die Ukraine bleibt Berichten zufolge auf chinesische Motoren, Batterien, Optik und Glasfaser angewiesen. EU-Beschaffungsprogramme mĂŒssen Ausnahmen gewĂ€hren, weil Tempo und Preis aus Fernost kaum zu schlagen sind. Man finanziert also eine Kriegsindustrie, deren Vorprodukte aus dem Land kommen, das gleichzeitig als wichtiger Lieferant fĂŒr Russlands RĂŒstung gilt.
Die Lehre fĂŒr Anleger
Erste Gegenbewegungen gibt es: Kanada unterstĂŒtzt Medienberichten zufolge den Ausbau der Germanium- und Galliumproduktion am Standort Trail mit bis zu 850 Millionen kanadischen Dollar, Rio Tinto plant eine Gallium-Pilotanlage in QuĂ©bec. Doch solche Projekte brauchen Jahre â Lieferstopps wirken in Tagen.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall Germanium das Kernproblem europĂ€ischer Industriepolitik: jahrzehntelang ausgelagert, wegreguliert, wegdiskutiert. Wer physische Knappheit erlebt, versteht wieder, warum knappe, unvermehrbare Sachwerte â allen voran Gold und Silber â als Fundament der Vermögenssicherung dienen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
- Themen:
- #Energie










