Kettner Edelmetalle
21.02.2026
11:40 Uhr

Digitale AbhÀngigkeit: Berlin verweigert den Blick in den eigenen Abgrund

WĂ€hrend die geopolitischen Spannungen weltweit zunehmen und die Frage nach technologischer SouverĂ€nitĂ€t drĂ€ngender denn je wird, leistet sich die Bundesregierung einen bemerkenswerten Akt der RealitĂ€tsverweigerung. Das Bundesministerium fĂŒr Digitales und Staatsmodernisierung weigert sich weiterhin beharrlich, eine umfassende Bestandsaufnahme der digitalen AbhĂ€ngigkeiten innerhalb der Bundesverwaltung durchzufĂŒhren. Man könnte meinen, wer nicht hinschaut, hat auch kein Problem.

Ministerium vertröstet mit Studien und Arbeitsgruppen

Auf eine Schriftliche Frage der GrĂŒnen-Abgeordneten Rebecca Lenhard antwortete das Digitalministerium mit der fĂŒr Berliner BĂŒrokratie typischen Mischung aus Beschwichtigung und Vertagung. Man verweise auf „bereits vorliegende Studien", die angeblich einen ausreichenden Überblick ĂŒber die drĂ€ngenden Handlungsfelder böten. DarĂŒber hinaus informiere sich das Ministerium „fortlaufend ĂŒber die Entwicklungen im Bereich der digitalen SouverĂ€nitĂ€t Europas" und arbeite daran, sich ein „zusammenfassendes Bild" zu verschaffen.

Besonders entlarvend: Man wolle zunĂ€chst eine Definition digitaler SouverĂ€nitĂ€t abwarten, die derzeit im Rahmen einer deutsch-französischen Taskforce erarbeitet werde. WĂ€hrend also andere Nationen lĂ€ngst handeln, definiert Deutschland noch Begriffe. Das ist symptomatisch fĂŒr ein Land, das sich in endlosen Abstimmungsschleifen verliert, wĂ€hrend die Welt sich weiterdreht.

Ein Déjà-vu der UntÀtigkeit

Lenhard hatte bereits Ende vergangenen Jahres beim Ministerium nachgefragt und schon damals die gleiche Antwort erhalten: Eine umfassende Bestandsaufnahme sei „aktuell nicht geplant". Als dann Ende Januar im Ausschuss fĂŒr Digitales und Staatsmodernisierung plötzlich doch von einer solchen Bestandsaufnahme die Rede gewesen sei, hakte die Abgeordnete erneut nach – nur um abermals abgespeist zu werden.

Die GrĂŒnen-Politikerin nannte die Haltung des Ministeriums „angesichts der verĂ€nderten geopolitischen Lage nicht nachvollziehbar". Deutschland verliere wertvolle Zeit und Geld. Digitale SouverĂ€nitĂ€t entstehe nicht durch Begriffsdefinitionen, sondern durch Transparenz, strategische Beschaffung und klare politische Entscheidungen.

Ein strukturelles Versagen mit Ansage

Man muss kein Freund grĂŒner Politik sein, um in diesem konkreten Fall die Kritik als berechtigt anzuerkennen. Die Frage, wie abhĂ€ngig die deutsche Bundesverwaltung von auslĂ€ndischen – insbesondere amerikanischen und chinesischen – Technologiekonzernen ist, gehört zu den elementaren Sicherheitsfragen unserer Zeit. Wer nicht einmal wissen will, wo die Schwachstellen liegen, kann sie auch nicht beheben.

In einer Ära, in der US-PrĂ€sident Trump mit massiven Zollerhöhungen den transatlantischen Handel unter Druck setzt und die geopolitischen Karten völlig neu gemischt werden, wirkt die deutsche Verweigerungshaltung geradezu fahrlĂ€ssig. Was geschieht, wenn ein amerikanischer Cloud-Anbieter morgen den Zugang fĂŒr europĂ€ische Behörden einschrĂ€nkt? Was passiert, wenn kritische Software-Lizenzen zum geopolitischen Druckmittel werden? Niemand in der Bundesregierung scheint diese Fragen auch nur stellen zu wollen.

Die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Modernisierung und Effizienz versprochen. Doch was sich hier offenbart, ist das genaue Gegenteil: eine Verwaltung, die sich selbst nicht kennt, ein Ministerium, das lieber auf Taskforces wartet, als zu handeln, und eine politische FĂŒhrung, die offenbar nicht begreift, dass digitale SouverĂ€nitĂ€t keine akademische Übung ist, sondern eine Frage der nationalen Sicherheit.

Digitale SouverÀnitÀt entsteht nicht durch Begriffsdefinitionen, sondern durch Transparenz, strategische Beschaffung und klare politische Entscheidungen.

Deutschland leistet sich den Luxus der Ahnungslosigkeit – und das in einer Zeit, in der sich kein Land der Welt diesen Luxus noch leisten kann. Es bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung aufwacht, bevor die digitale AbhĂ€ngigkeit zur digitalen Erpressbarkeit wird. Denn dann könnte es bereits zu spĂ€t sein.

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