
Deutschlands fatale Medikamenten-AbhÀngigkeit von China: Ein selbstverschuldetes Desaster

WĂ€hrend die politische Klasse in Berlin sich jahrelang mit Gender-Sternchen und Klimakleber-Debatten beschĂ€ftigte, hat sich im Stillen eine Katastrophe angebahnt, die jeden einzelnen BĂŒrger dieses Landes treffen kann. Die Rede ist von der erschreckenden AbhĂ€ngigkeit Deutschlands bei der Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten â und der Hauptlieferant sitzt ausgerechnet in Peking.
70 Prozent der Wirkstoffe aus chinesischer Hand
Die Zahlen sind alarmierend und sollten jeden aufhorchen lassen, der noch einen Funken Verstand fĂŒr strategische Sicherheit besitzt. Etwa 70 Prozent der Arzneimittelwirkstoffe stammen mittlerweile aus chinesischer Produktion. Bei Antibiotika sieht die Lage noch dramatischer aus â hier kommen die zentralen Vorprodukte fast vollstĂ€ndig aus dem Reich der Mitte. Thomas Weigold, Deutschlandchef des Generikaherstellers Sandoz, bringt es auf den Punkt: âEs geht nicht nur um âGeiz ist geil', wir zahlen einen bitteren Preis dafĂŒr."
Und dieser Preis ist bereits spĂŒrbar. Laut dem Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte befinden sich aktuell rund 500 Medikamente im Engpass â fast ausschlieĂlich Generika, also jene NachahmerprĂ€parate, die etwa 80 Prozent aller weltweit eingesetzten Medikamente ausmachen. Das Brustkrebsmittel Tamoxifen, lebenswichtig fĂŒr erkrankte Frauen, war zwischen FrĂŒhjahr 2022 und Mitte 2023 auf dem deutschen Markt schlichtweg nicht verfĂŒgbar. Ein Skandal, der in den Mainstream-Medien kaum Beachtung fand.
Die Bundeswehr klopft bei Pharmaherstellern an
Wie ernst die Lage inzwischen ist, zeigt ein bemerkenswerter Vorgang: Im November informierte sich die Bundeswehr am Sandoz-Standort Barleben ĂŒber die VerfĂŒgbarkeit kritischer Medikamente. Dort werden jĂ€hrlich mehr als elf Milliarden Tabletten produziert. Die zentrale Frage der MilitĂ€rs: Wie belastbar ist die Versorgung im Krisenfall? Eine Frage, die man sich in Berlin offenbar erst jetzt stellt â nachdem man jahrzehntelang die Augen vor der RealitĂ€t verschlossen hat.
âDeutschland war einmal die Apotheke der Welt, das globale Entwicklungszentrum fĂŒr Antibiotika. Das ist inzwischen passĂ©."
Diese Worte von Weigold sollten wie ein Weckruf durch die Republik hallen. Doch statt strategischer Weitsicht regierte in Deutschland zwei Jahrzehnte lang das Prinzip des billigsten Preises. Die Krankenkassen schlossen RabattvertrĂ€ge mit dem jeweils gĂŒnstigsten Anbieter ab â und das waren zunehmend indische Hersteller, deren Wirkstoffe wiederum aus China stammen. Etwa 40 Prozent dieser VertrĂ€ge werden mittlerweile von solchen Anbietern bedient.
Chinas strategisches KalkĂŒl
WĂ€hrend deutsche Gesundheitspolitiker unter Druck stehen, die KrankenkassenbeitrĂ€ge stabil zu halten, verfolgt Peking unbeirrt seine langfristige Pharmastrategie. Das Ziel ist klar: China will bei Generika MarktfĂŒhrer werden. Und die Mittel sind bekannt â niedrigere Regulierung, gĂŒnstigere Energiekosten und eine Regierung, die industriepolitisch denkt statt ideologisch.
Weigold warnt eindringlich: âMan wird die AbhĂ€ngigkeit von Medikamenten strategisch ausnutzen, da mĂŒssen wir uns gar nichts vormachen." Die Parallelen zu anderen Branchen sind offensichtlich. Bei Halbleitern haben wir bereits erlebt, wie ausbleibende Lieferungen die Automobilproduktion zum Stillstand brachten. Bei Elektroautos, Batterietechnologien und Solarpanelen hat China den Westen lĂ€ngst abgehĂ€ngt. Judith Wallenstein von der Boston Consulting Group sieht die Gefahr, dass sich dieses Muster in den Life Sciences wiederholen könnte.
Der Preisverfall als Waffe
Besonders perfide: Nachdem die USA Zölle gegen China erhoben hatten, lenkten chinesische Hersteller ihre Lieferungen verstĂ€rkt nach Europa um. Die Folge war ein massiver Preisverfall, vorwiegend bei Antibiotika. FĂŒr europĂ€ische Produzenten wie Sandoz wird das GeschĂ€ft damit zunehmend unrentabel. Der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, bestĂ€tigt: Das Preisniveau bei Generika sei inzwischen so niedrig, dass weitere Preissenkungen nicht mehr realistisch seien.
Stefan Schneider von der Schweizer Investmentbank Vontobel bringt die Konsequenz auf den Punkt: âWenn die ganze Welt aus China bestellt, wird am Ende der beliefert, der den höchsten Preis zahlt." Deutschland, das sich jahrelang als SchnĂ€ppchenjĂ€ger im globalen Pharmamarkt gerierte, könnte dann leer ausgehen â ausgerechnet bei Medikamenten, die ĂŒber Leben und Tod entscheiden.
Forderungen nach einem Kurswechsel
Der Branchenverband Pro Generika fordert nun einen radikalen Kurswechsel. Bei kritischen Medikamenten im Engpass, fĂŒr die es keine Alternativen gibt, brauche es Sonderregeln: höhere FestbetrĂ€ge anstelle von RabattvertrĂ€gen. EU-Produzenten mĂŒssten im Erstattungssystem Vorteile erhalten â nicht durch Subventionen, sondern durch bessere Rahmenbedingungen.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat einen Pharma-Dialog gestartet, an dem erstmals auch Generikahersteller beteiligt sind. Weigold setzt Hoffnungen auf Kanzleramtschef Thorsten Frei, der das Thema ressortĂŒbergreifend koordinieren soll. Die Sicherung der Arzneimittelversorgung sei eine Frage, die Gesundheit, Wirtschaft und Sicherheit zugleich betreffe.
Ein Versagen mit Ansage
Was wir hier erleben, ist das Ergebnis einer Politik, die kurzfristiges Sparen ĂŒber langfristige Sicherheit gestellt hat. Eine Politik, die lieber Milliarden in fragwĂŒrdige Energiewende-Projekte pumpte, anstatt die strategische UnabhĂ€ngigkeit bei lebenswichtigen GĂŒtern zu sichern. Eine Politik, die Deutschland von einem WeltmarktfĂŒhrer in der Pharmaproduktion zu einem Bittsteller degradiert hat, der im Krisenfall auf Gnade aus Peking hoffen muss.
Die Frage ist nicht mehr, ob wir einen bitteren Preis zahlen werden â wir zahlen ihn bereits. Die Frage ist nur, ob die neue Bundesregierung den Mut aufbringt, diesen Kurs zu korrigieren, bevor es zu spĂ€t ist. Die Geschichte lehrt uns: Wer seine Grundversorgung in fremde HĂ€nde legt, verliert am Ende mehr als nur Geld. Er verliert seine SouverĂ€nitĂ€t.










