Kettner Edelmetalle
13.07.2026
05:51 Uhr

Das Ende der Pax Americana: Wie sich die Welt vom mÀchtigsten Land der Erde abwendet

Es ist ein bemerkenswerter Rollentausch, der sich vor unseren Augen abspielt. Vor gerade einmal drei Jahren prĂ€gte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen den schillernden Begriff des „De-Risking“. Damals ging es darum, Europas gefĂ€hrliche AbhĂ€ngigkeit von China zu kappen – Lieferketten sollten diversifiziert, wirtschaftliche Klumpenrisiken minimiert werden. Heute jedoch, so konstatiert ausgerechnet ein hochrangiger ehemaliger US-Sicherheitsberater, richtet sich dieselbe Strategie gegen einen ganz anderen Adressaten: die Vereinigten Staaten selbst.

Vom Schutzpatron zum Risikofaktor

Jon Finer, bis 2025 Erster Stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater unter Joe Biden, hat in einem vielbeachteten Gastbeitrag fĂŒr die New York Times eine These formuliert, die aufhorchen lĂ€sst. Immer mehr VerbĂŒndete der USA – ob in Asien, im Nahen Osten oder eben in Europa – versuchten heimlich, ihre AbhĂ€ngigkeit von Washington zu reduzieren. Was einst als Fundament westlicher Sicherheit galt, werde zunehmend als Klotz am Bein empfunden.

„WĂ€hrend sie öffentlich versuchen, einen rachsĂŒchtigen amerikanischen PrĂ€sidenten zu besĂ€nftigen, arbeiten Politiker in ganz Europa hinter den Kulissen daran, ihre jahrzehntelange AbhĂ€ngigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern.“

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, was hier geschieht. Die wiederholten Zolldrohungen Donald Trumps, das kuriose Gezerre um Grönland, die Spannungen innerhalb der NATO und die diffuse Unsicherheit ĂŒber amerikanische Sicherheitsgarantien haben ein historisches Misstrauen gesĂ€t. Der jĂŒngste NATO-Gipfel in Ankara, bei dem Trump erneut gegen die VerbĂŒndeten DĂ€nemark und Spanien wetterte, war laut Finer nur der vorlĂ€ufige Tiefpunkt.

Der Bumerang kehrt zurĂŒck

Interessant ist die Argumentation des Amerikaners vor allem deshalb, weil sie den vermeintlichen Sieger als eigentlichen Verlierer entlarvt. Jahrzehntelang hĂ€tten Sicherheitsgarantien und wirtschaftliche Verflechtungen den globalen Einfluss Washingtons zementiert. Wer sich nun aber emanzipiere, entziehe den USA nicht nur Marktanteile, sondern auch politische Macht. Finer nennt beeindruckende Zahlen: Der verlorene Krieg gegen den Iran habe die amerikanischen Verbraucher laut Moody's rund 132 Milliarden Dollar gekostet. Und obwohl Europa seine MilitĂ€rausgaben 2025 um satte 14 Prozent auf 864 Milliarden Dollar hochgefahren habe, seien die RĂŒstungskĂ€ufe bei amerikanischen Konzernen um fast die HĂ€lfte eingebrochen.

Amerika verliert seine Anziehungskraft

Auch die restriktive Einwanderungspolitik zeige Wirkung – wenngleich im negativen Sinne. Vier Millionen Besucher weniger als im Vorjahr, ein RĂŒckgang internationaler Studierender um 17 Prozent, ein Milliardenschaden fĂŒr die UniversitĂ€ten. Das Land, das sich selbst gerne als „unverzichtbare Nation“ feiere, werde zunehmend verzichtbar. LĂ€nder fragten nicht mehr, was Amerika fĂŒr sie tun könne, sondern wie sie möglichst viel ohne die USA erreichen könnten.

Eine Lehre fĂŒr Deutschland und Europa

Was bedeutet dies fĂŒr uns? Man kann die Analyse eines Biden-Vertrauten mit gebotener Skepsis lesen – schließlich schreibt hier kein neutraler Beobachter, sondern ein Mann, der Trump aus tiefster Überzeugung ablehnt. Und doch steckt in seinen AusfĂŒhrungen ein wahrer Kern, den unsere Politiker in Berlin endlich verinnerlichen sollten: Wer sich in existenziellen Fragen von Energie, Verteidigung und Technologie an eine einzige fremde Macht kettet, macht sich erpressbar. Diese Lektion haben wir schmerzhaft bei der AbhĂ€ngigkeit von russischem Gas gelernt – und offenbar nichts daraus gemacht.

Die eigentliche Tragik liegt darin, dass Europa unter der FĂŒhrung einer strategisch orientierungslosen BrĂŒsseler BĂŒrokratie und einer deutschen Regierung, die zwischen 500-Milliarden-Schuldenpaketen und ideologischen Klimazielen taumelt, kaum in der Lage sein dĂŒrfte, echte SouverĂ€nitĂ€t aufzubauen. Man ersetzt eine AbhĂ€ngigkeit durch die nĂ€chste, ohne je zu lernen.

Was bleibt dem BĂŒrger?

In einer Welt, in der GroßmĂ€chte die AbhĂ€ngigkeit kleinerer Nationen zunehmend als Waffe einsetzen und in der selbst der einstige Garant westlicher Ordnung zum Unsicherheitsfaktor wird, stellt sich fĂŒr jeden Einzelnen die drĂ€ngende Frage nach echter UnabhĂ€ngigkeit – auch beim eigenen Vermögen. Denn wenn Staaten und BĂŒndnisse ins Wanken geraten, wenn WĂ€hrungen unter der Last politischer Fehlentscheidungen Ă€chzen, dann suchen kluge Köpfe nach Werten, die keiner Regierung, keinem BĂŒndnis und keinem launischen PrĂ€sidenten unterworfen sind.

Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrtausende bewiesen, dass sie geopolitischen UmwĂ€lzungen trotzen. Sie kennen keine Sicherheitsgarantien, die aufgekĂŒndigt werden können, und keine Lieferketten, die zerbrechen. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio können sie helfen, das eigene Vermögen gegen die UnwĂ€gbarkeiten einer sich neu ordnenden Weltordnung abzusichern.

Hinweis: Der vorliegende Beitrag gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst. Bei Bedarf sollte ein unabhĂ€ngiger Fach-, Steuer- oder Rechtsberater konsultiert werden.

Wissenswertes zum Thema