
Berlin vor dem Linksrutsch: Umfrage sieht SED-Erben an der Spitze â und die CDU im Tiefschlaf

Sechs Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liefert eine neue Erhebung ein Bild, das man in der Hauptstadt fast schon als Selbstbeschreibung lesen könnte: Die Linke fĂŒhrt das Feld an. Nach einer Umfrage des Instituts Civey im Auftrag des Tagesspiegels kommt die Partei auf 21 Prozent â zwei Punkte mehr als noch Anfang Juli. Damit hĂ€tte Spitzenkandidatin Elif Eralp die realistische Aussicht, als erste Vertreterin dieser Partei ins Amt der Regierenden BĂŒrgermeisterin einzuziehen.
Die Union tritt auf der Stelle â trotz Personalwechsel
Und die CDU? Verharrt bei 19 Prozent. Bemerkenswert, denn eigentlich sollte der Wechsel an der Spitze frischen Wind bringen. Kai Wegner, bislang Regierender BĂŒrgermeister und Spitzenkandidat, hatte im Juli seinen RĂŒckzug angekĂŒndigt. Finanzsenator Stefan Evers wurde nachnominiert. Ein AufwĂ€rtstrend? Nicht messbar. Wer die Berliner Union kennt, wundert sich wenig: Eine Partei, die inhaltlich kaum von ihren Koalitionspartnern zu unterscheiden ist, darf sich nicht beklagen, wenn WĂ€hler das Original bevorzugen.
Dahinter liegt die AfD mit 18 Prozent, ein Punkt im Plus â und damit erstmals vor den GrĂŒnen, die unverĂ€ndert bei 17 Prozent stehen. Die SPD hingegen rutscht weiter ab, auf nunmehr 12 Prozent. Damit hat die einst stolze Berliner Sozialdemokratie exakt das Niveau erreicht, auf dem sie auch bundesweit dĂŒmpelt. FDP und BĂŒndnis Sahra Wagenknecht kĂ€men auf je drei Prozent und wĂ€ren drauĂen. GewĂ€hlt wird am 20. September, gemeinsam mit den Bezirksverordnetenversammlungen.
Wenn aus Verwaltungsversagen ein Wahlprogramm wird
Man muss sich die Lage vor Augen halten: Eine Stadt, deren BĂŒrgerĂ€mter monatelange Wartezeiten produzieren, deren Schulen sanierungsbedĂŒrftig sind, deren Sicherheitslage in manchen Parks Frauen abends de facto vom Spazierengehen abhĂ€lt â diese Stadt schickt sich an, jene politische Kraft zu belohnen, deren Rezepte seit Jahrzehnten aus Umverteilung, Enteignungsfantasien und Mietendeckel-TrĂ€umereien bestehen. Es ist die alte Logik: Je gröĂer das Scheitern staatlicher Steuerung, desto lauter der Ruf nach noch mehr Staat.
Wer glaubt, mit den geistigen Erben der SED lasse sich eine Metropole sanieren, verwechselt Politik mit Nostalgie.
Ein Blick zurĂŒck lohnt sich. Bereits 2002 saĂ die VorgĂ€ngerpartei PDS im Berliner Senat, gemeinsam mit der SPD. Der Wirtschaftssenator hieĂ damals Gregor Gysi â und warf nach wenigen Monaten das Handtuch. Regierungsverantwortung ist eben etwas anderes als Oppositionsrhetorik. Dass Berlin bis heute zu den NettoempfĂ€ngern im LĂ€nderfinanzausgleich zĂ€hlt und Jahr fĂŒr Jahr Milliarden aus den erfolgreicheren BundeslĂ€ndern absorbiert, gehört zur unbequemen Wahrheit dieses Stadtstaats.
Vorsicht bei Umfragen â aber die Richtung ist eindeutig
NatĂŒrlich gilt bei jeder Erhebung: Momentaufnahme, keine Prophetie. Gerade an der Methodik von Online-Panels wurde in der Vergangenheit wiederholt Kritik geĂŒbt, und zwar nicht nur von konservativer Seite. Doch selbst wenn man die Zahlen mit reichlich Salz nimmt, bleibt der Trend: Die bĂŒrgerliche Mitte in Berlin bröckelt, wĂ€hrend links und rechts der Mitte die RĂ€nder wachsen. Wer das als Zufall abtut, hat die Stimmungslage im Land nicht verstanden.
Was Berlin ĂŒber die Republik verrĂ€t
Berlin ist Symptom, nicht Ursache. Die Hauptstadt spiegelt, was viele BĂŒrger im gesamten Land empfinden: dass Politik zunehmend gegen die Interessen der LeistungstrĂ€ger gemacht wird. Dass Sicherheit, funktionierende Verwaltung und wirtschaftliche Vernunft hinter ideologische Symbolpolitik zurĂŒcktreten. Dass die GroĂe Koalition in Bonn â Verzeihung, in Berlin â unter Friedrich Merz Sondervermögen in Hunderte-Milliarden-Höhe auflegt und damit kĂŒnftige Generationen mit Zinslasten fesselt, obwohl vor der Wahl das Gegenteil versprochen wurde.
Wer in einem solchen Umfeld sein Vermögen bewahren möchte, tut gut daran, sich nicht ausschlieĂlich auf staatliche Zusagen oder Papierwerte zu verlassen. Physisches Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie politische UmbrĂŒche, WĂ€hrungsreformen und Inflationsphasen ĂŒberdauern â als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben Edelmetalle daher ein sinnvoller Anker gegen die UnwĂ€gbarkeiten einer Politik, die den BĂŒrger allzu oft als Melkkuh betrachtet.
Der 20. September wird zur Richtungsentscheidung
Sechs Wochen sind eine lange Zeit im Wahlkampf. Ob die Union noch aufwacht, ob die SPD ihren Absturz bremst, ob die Berliner tatsĂ€chlich das Experiment wagen â offen. Fest steht nur: Wer die Verwahrlosung einer Stadt beklagt, sollte am Wahltag nicht jene stĂ€rken, die sie mitverantwortet haben. Diese Auffassung teilt nach unserem Eindruck nicht nur unsere Redaktion, sondern ein erheblicher Teil der deutschen Bevölkerung, der die Geduld mit einer Politik verloren hat, die Probleme verwaltet statt löst.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten EinschĂ€tzungen spiegeln die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung â ob in Edelmetalle, Wertpapiere, Immobilien oder andere Vermögenswerte â erfordert eigene, sorgfĂ€ltige Recherche und liegt in der ausschlieĂlichen Verantwortung des Anlegers. Eine Haftung fĂŒr VermögensschĂ€den wird ausdrĂŒcklich ausgeschlossen.










