
Aufstand gegen KI-Stromfresser: Jetzt wankt Europas Datencenter-Boom!
Der Widerstand gegen gigantische Rechenzentren springt von den USA nach Europa und Asien über. Anwohner, Gemeinderäte und Regierungen bremsen Projekte in Milliardenhöhe aus, weil sie um Strom, Wasser und Fläche fürchten. Für Investoren, die blind auf den KI-Boom gesetzt haben, wird das zu einem echten Risiko.
42 Milliarden Dollar auf Eis
Die Zahlen sind deutlich. Laut einer Untersuchung des Analysehauses STL Partners hat öffentlicher Protest in Europa bereits rund 42 Milliarden US-Dollar an Rechenzentrums-Investitionen verzögert oder ganz gestoppt. In den USA sollen es etwa 77 Milliarden sein.
Noch dramatischer klingt eine andere Zahl. Nach Angaben des European Data Center Monitor wurden zwischen Januar und April mehr als 70 Projekte in Europa abgelehnt oder eingeschränkt. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2025. Der Streit habe sich von kommunalen Sitzungssälen bis vor Gerichte, Aufsichtsbehörden und Parlamente ausgeweitet.
Olivier Darmouni, Energieexperte an der Pariser Business School HEC, hält den Gegenwind gegenüber CNBC für möglicherweise „den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt".
Von Schottland bis Spanien: Europa zieht die Notbremse
Schottland hat die Genehmigung neuer Hyperscale-Rechenzentren vorerst gestoppt. Aktivisten hatten davor gewarnt, Irlands Fehler zu wiederholen. Dort hatte der enorme Strombedarf der Anlagen zu einem Moratorium geführt.
Auch im Norden wird es eng. Dänemark beschloss ein Notgesetz, nach dem Rechenzentren bei Anträgen auf Netzanschluss künftig hinten anstehen könnten. Spanien will vorschreiben, dass Rechenzentren 80 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen. In Großbritannien kommen Projekte wegen Protesten von Anwohnern nicht voran.
Darmouni beschreibt viele der Anlagen als eine Art „riesige Geisterlagerhallen", die massenhaft Ressourcen verbrauchen und Gemeinden vor Ort schaden könnten. Der Nutzen der KI verteile sich dagegen breit. In Europa könnte der Widerstand nach seiner Einschätzung besonders hart ausfallen: Die Länder sind dicht besiedelt, der Strom ist teuer und viele Betreiber kommen aus den USA.
Und Deutschland?
Hierzulande ist das Problem längst angekommen. Der Frankfurter Versorger Mainova geht Medienberichten zufolge davon aus, dass große Neuanschlüsse erst ab Mitte der 2030er-Jahre wieder möglich sind. Laut dem Immobilienberater JLL warten größere Anlagen im Rhein-Main-Gebiet inzwischen bis zu 13 Jahre auf einen Netzanschluss.
Schon 2022 sollen Rechenzentren in Deutschland rund 18 Milliarden Kilowattstunden verbraucht haben, mehr als ganz Berlin. Da wirkt es fast zynisch, dass die Bürger gleichzeitig mit einigen der höchsten Strompreise Europas leben müssen. Wer zahlt am Ende für den Netzausbau? Die Frage dürfte die Debatte über die Energiewende weiter anheizen.
Südkorea: 172 Tage Protest vor dem Rathaus
Auch in Asien wächst der Unmut. Südkoreas Regierung hat KI-Rechenzentren im Juni neben Halbleitern zu einem von drei großen Investitionsprojekten erklärt. Vor Ort stößt das auf Widerstand.
Im Seouler Bezirk Geumcheon fordern Anwohner, die Baugenehmigung für ein Rechenzentrum in der Nähe ihrer Wohnungen zurückzunehmen. Lokalen Medien zufolge protestierten sie bis Mitte August an 172 Tagen. Die Behörden wollen künftig die Zustimmung einer Mehrheit der Anwohner im Umkreis von 200 Metern verlangen. In Gwacheon schlägt ein Kommunalpolitiker Schutzregeln vor, etwa gegen Brände von Notstrom-Batterien.
Was das für Anleger bedeutet
Asya Walters von der Beratungsfirma Alvarez & Marsal hält es für bemerkenswert, dass eine Gemeinde einen Zehn-Milliarden-Dollar-Plan zu Fall bringen könne. Selbst wenn ein Projekt vor dem Bau scheitere, sei schon viel Geld für Planung und Genehmigungen ausgegeben worden. Dieses Geld könne verloren sein.
Die Branche gibt sich gelassen. Eulalia Flo vom Betreiber Equinix sieht darin keine strukturelle Wachstumsbremse, räumt aber ein, dass sich die Politik in manchen Märkten verschärfe. Dominic Ward, Chef des Betreibers Verne, sagte, früher sei die Branche eine „Black Box" gewesen. „Jetzt weiß jeder, wo sie sind", sagte er, verstecken könne man sich nicht mehr.
Unterm Strich zeigt die Lage: Hinter dem KI-Hype stecken handfeste Risiken. Dazu gehören Netzengpässe, Klagen und politische Kehrtwenden. Wer sein Vermögen nicht allein vom nächsten Technologie-Rausch abhängig machen will, sollte breit streuen. Physisches Gold und Silber können dabei als krisenerprobte Ergänzung dienen, die nicht vom Strom und nicht von einer Baugenehmigung abhängt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Er ist auch keine Aufforderung, Wertpapiere, Edelmetalle oder andere Anlagen zu kaufen oder zu verkaufen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich.
- Themen:
- #Energie
- #Aktien
- #Übernahmen-Fussion










