Kettner Edelmetalle
27.07.2026
06:01 Uhr

Anschlag auf den Berliner CSD: Wenn die RealitÀt nicht ins Weltbild passt

Ein Islamist rast in eine Menschenmenge, sticht mit dem Messer auf Menschen ein – und die politische Klasse redet ĂŒber „schlechte Witze“ und „Hass“ im Allgemeinen. Der Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin legt eine Denkblockade offen, die lĂ€ngst tödliche Folgen hat.

Es war Samstagabend, als in Berlin geschah, was in Deutschland inzwischen zur traurigen Routine gehört: Ein weißer Transporter wird zur Waffe, ein Messer folgt. Der TĂ€ter, ein Mann namens Abdul Rahman Toufic Ballout, wurde erschossen. Was ĂŒber ihn bekannt wurde, klingt wie das Drehbuch, das man in diesem Land seit einem Jahrzehnt immer wieder verfilmt: der islamistischen Szene zugerechnet, AnhĂ€nger des sogenannten Islamischen Staates, mehrfach vorbestraft, libanesischer Herkunft – und Inhaber eines deutschen Passes.

Der Schock, der keiner sein dĂŒrfte

Der Schock sitzt tief, heißt es. Bei Politikern, in der CSD-Szene, im Kulturbetrieb. Doch wer sich ehrlich erinnert, weiß: Überraschend war daran nichts. Wer glaubte, Pride-Paraden stĂŒnden in Europa vor allem im Visier bĂŒrgerlicher Konservativer, hat die vergangenen Jahre entweder verschlafen oder bewusst weggeschaut.

2020 wurde in London ein 29-jĂ€hriger Islamist verurteilt, weil er einen Angriff mit Stich- und Schusswaffen auf die dortige Pride vorbereitet hatte. 2022 tötete ein 44-jĂ€hriger Islamist in Oslo wĂ€hrend der Pride-Feierlichkeiten zwei MĂ€nner bei einem bewaffneten Angriff auf zwei Bars. 2023 nahm die österreichische Polizei drei Jugendliche und Heranwachsende mit islamistischer Gesinnung fest, die einen Schusswaffenangriff auf die Wiener Pride geplant haben sollen. 2024 folgten in der Schweiz zwei Festnahmen wegen Anschlagsdrohungen gegen die ZĂŒrich Pride. Die Liste ließe sich verlĂ€ngern – und sie wird sich verlĂ€ngern.

Phrasen aus dem Floskelbaukasten

Und was hört man aus Berlin und DĂŒsseldorf? Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst sprach von einer schrecklichen Tat und einem abscheulichen Angriff auf die Freiheit. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte es einen Angriff auf „unsere Gesellschaft“ und versicherte, Deutschland sei offen und freiheitsliebend und werde es bleiben. Von wem dieser Angriff eigentlich ausging, blieb in beiden FĂ€llen im Nebel. Der Kanzler sah sich stattdessen bemĂŒĂŸigt, ĂŒber schlechte Witze und dumme Redensarten zu sprechen, die er als Wegbereiter des Terrorismus verortet.

Ein Islamist rast in eine Parade – und der Bundeskanzler warnt vor StammtischsprĂŒchen. Deutlicher lĂ€sst sich politische RealitĂ€tsflucht kaum inszenieren.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch fand die Tat schrecklich und kĂŒndigte FĂŒrbitten fĂŒr ein friedliches Miteinander an. Der Hass dĂŒrfe nicht gewinnen, sagte er. Die Rapperin Ikkimel, die Stunden vor dem Anschlag noch auf der BĂŒhne stand und bislang vor allem durch Wahlkampfhilfe fĂŒr die Linkspartei aufgefallen war, rief zu Zusammenhalt auf: Liebe sei niemals der Fehler, Angst und Hass niemals eine Antwort. Und das linksextreme BĂŒndnis „Widersetzen“ erklĂ€rte den islamistischen Anschlag kurzerhand zum Ausdruck faschistischer Ideologie. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Die Zahlen, ĂŒber die niemand sprechen will

WĂ€hrend man sich in Metaphern flĂŒchtet, liefern die Sicherheitsbehörden das nĂŒchterne Zahlenwerk: Allein in Berlin zĂ€hlt der Verfassungsschutz rund 900 gewaltbereite Islamisten. Bundesweit sollen es 28.645 Islamisten sein. Der TĂ€ter war kein Phantom, das aus dem Nichts auftauchte – er war ein mehrfach vorbestrafter Mann, der weiterhin frei herumlief. Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg will nun prĂŒfen, ob die gesetzlichen MaßstĂ€be zur Reife im Jugendstrafrecht noch der heutigen Wirklichkeit entsprechen. PrĂŒfen. Immer wieder prĂŒfen. Man prĂŒft in diesem Land, seit Breitscheidplatz, WĂŒrzburg, Mannheim, Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg.

Der Zielkonflikt, den niemand benennen darf

Der Kern des Problems ist ein simpler Widerspruch, den die progressive ErzÀhlung nicht aushÀlt: Man kann nicht gleichzeitig offene Grenzen und eine offene Gesellschaft haben, wenn man Hunderttausende Menschen ins Land lÀsst, ohne zu fragen, welche Werte sie mitbringen. Wer glaubt, ausgerechnet der religiöse Fundamentalismus werde sich der Regenbogenfahne beugen, hat weder den Koran gelesen noch die Nachrichten der letzten Jahre.

Dass die gefĂ€hrlichsten Feinde einer liberalen Lebensweise gerade nicht der schweigende deutsche Familienvater aus der Vorstadt sind, passt nicht ins Schema. Also wird das Schema verteidigt – notfalls gegen die Wirklichkeit. So entstehen AbsurditĂ€ten wie „Queers for Palestine“, ein BĂŒndnis von Menschen mit jenen, die sie im Ernstfall vom Dach werfen wĂŒrden.

„Haltung ist hot“ – und die RealitĂ€t ist tödlich

Bezeichnend ist das Motto des Berliner CSD: „Haltung ist hot“. Es sollte, so die Veranstalter, Demokratie, Zusammenhalt und die Zukunft einer weltoffenen Stadt in den Mittelpunkt stellen – und eine Antwort auf Anfeindungen gegen queere Menschen sowie auf den Druck auf demokratische Werte sein. Gemeint war damit natĂŒrlich vor allem der Kampf gegen die politische Rechte. Man richtete den Blick mit aller Kraft nach rechts, wĂ€hrend die Gefahr aus einer ganz anderen Richtung kam.

Begriffe wie Demokratie, Zusammenhalt und Weltoffenheit werden hohl, wenn sie zur Munition einer einzigen politischen Agenda verkommen. Eine Gesellschaft, in der jeder Weihnachtsmarkt Betonpoller braucht, in der Volksfeste Sicherheitszonen sind und in der Islamisten in UmzĂŒge rasen, ist nicht offen. Sie ist belagert. Und sie opfert ihre eigenen liberalen Errungenschaften auf dem Altar einer falsch verstandenen Toleranz, die am Ende selbstzerstörerisch wirkt.

Es geht um mehr als um eine Parade

Die zunehmende GewaltkriminalitĂ€t in Deutschland, die Messerangriffe, die AnschlĂ€ge – all das ist kein Naturereignis, sondern das Ergebnis jahrelanger politischer Fehlentscheidungen: einer Migrationspolitik ohne Kontrolle, einer Justiz, die MehrfachtĂ€ter laufen lĂ€sst, und einer Sicherheitsarchitektur, die lieber Meinungen ĂŒberwacht als GefĂ€hrder. Nach Überzeugung unserer Redaktion – und, wie Umfragen seit Jahren zeigen, nach Überzeugung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung – braucht dieses Land endlich Politiker, die fĂŒr Deutschland und seine BĂŒrger regieren, statt gegen sie.

Denn die bittere Pointe dieses Wochenendes lautet: Wer die Bedrohung nicht benennen will, wird sie nicht abwenden. Und wer nach jedem Anschlag denselben Textbaustein vorliest, sollte sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der BĂŒrger in die politische FĂŒhrung dieses Landes weiter erodiert – schneller, als jede RegierungserklĂ€rung es kitten kann.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt eine journalistische Einordnung und MeinungsĂ€ußerung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen dar. Er ist keine Rechtsberatung. FĂŒr rechtliche Fragen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Rechtsanwalt.

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