Kettner Edelmetalle
19.02.2026
15:51 Uhr

Alice Schwarzer rechnet mit Baerbock ab – und adelt ausgerechnet Weidel

Es sind SĂ€tze, die man von Deutschlands bekanntester Feministin nicht unbedingt erwartet hĂ€tte. In einem aufsehenerregenden Interview mit dem Spiegel hat Alice Schwarzer, die Grande Dame der deutschen Frauenbewegung und langjĂ€hrige Herausgeberin des Emma-Magazins, ein vernichtendes Urteil ĂŒber Annalena Baerbocks sogenannte „feministische Außenpolitik" gefĂ€llt – und gleichzeitig einer möglichen Kanzlerschaft von AfD-Chefin Alice Weidel durchaus Positives abgewonnen. Man reibt sich die Augen.

Baerbocks feministische Fassade bröckelt

Als Spiegel-Moderator Markus Feldenkirchen die Publizistin nach ihrer Bewertung der ehemaligen Außenministerin fragte, ließ Schwarzer keinen Stein auf dem anderen. Der Name „feministische Außenpolitik" sei zwar „total in ihrem Sinne" gewesen, rĂ€umte sie ein. Doch dann kam der Hammer: Das habe „ja nun gar nicht geklappt", Baerbock habe „gerade an dem Punkt völlig versagt". Besonders die Frauen im Iran und in Afghanistan habe die GrĂŒnen-Politikerin im Stich gelassen.

Ein Urteil, das es in sich hat. Denn wer, wenn nicht Alice Schwarzer, hĂ€tte die moralische AutoritĂ€t, das feministische AushĂ€ngeschild der Ampel-Regierung an ihren eigenen MaßstĂ€ben zu messen? Und das Ergebnis dieser Messung fĂ€llt katastrophal aus. Was viele konservative Beobachter seit Jahren kritisierten – dass Baerbocks feministische Außenpolitik mehr Schaufensterdekoration als substanzielle Hilfe fĂŒr unterdrĂŒckte Frauen weltweit war –, wird nun ausgerechnet von der Ikone des deutschen Feminismus bestĂ€tigt.

Weidel als Kanzlerin? „Ermutigend fĂŒr Frauen"

Noch bemerkenswerter war freilich, was Schwarzer ĂŒber Alice Weidel zu sagen hatte. Als Feldenkirchen ein Foto der AfD-Co-Vorsitzenden zĂŒckte und fragte, wie gut eine Kanzlerschaft Weidels nach Angela Merkel fĂŒr die Sache der Frauen wĂ€re, stockte die sonst so schlagfertige Feministin zunĂ€chst. „Das ist schwierig", entgegnete sie. Doch nach kurzem Zögern rang sie sich zu einer bemerkenswerten EinschĂ€tzung durch: Eine Kanzlerschaft Weidels hĂ€tte „vermutlich auch den Effekt, ermutigend fĂŒr Frauen zu sein".

Man muss sich diese Aussage auf der Zunge zergehen lassen. Alice Schwarzer – jahrzehntelang im linksliberalen Milieu verortet, von konservativen Kreisen oft als „Kampfemanze" belĂ€chelt – attestiert ausgerechnet der Vorsitzenden jener Partei, die vom politischen Establishment als Paria behandelt wird, eine potenziell positive Wirkung fĂŒr Frauen. Das ist mehr als nur eine Randnotiz. Es ist ein Erdbeben im deutschen Diskurs.

Von der Leyen: In der BĂŒrokratie versunken

Auch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen bekam ihr Fett weg – wenn auch deutlich milder. Schwarzer lobte deren Engagement als Familienministerin, insbesondere ihren Einsatz fĂŒr eine „wirklich emanzipierte Elternschaft". Heute jedoch sei von der Leyen derart in „europĂ€ischen BĂŒrokratie- und Sachfragen versunken", dass man sie als Person kaum noch wahrnehme. Eine Diagnose, der wohl nicht wenige BĂŒrger zustimmen dĂŒrften, die sich fragen, was die BrĂŒsseler Apparatschiks eigentlich den ganzen Tag so treiben.

Ein Paradigmenwechsel im feministischen Lager?

Was Schwarzers Aussagen so brisant macht, ist nicht nur ihr Inhalt, sondern der Kontext, in dem sie fallen. Deutschland wird seit Mai 2025 von einer Großen Koalition unter Friedrich Merz regiert, die GrĂŒnen sitzen auf der Oppositionsbank, und die AfD hat sich als stĂ€rkste Oppositionskraft etabliert. In dieser politischen Gemengelage wirkt Schwarzers Abrechnung mit Baerbock wie eine nachtrĂ€gliche BestĂ€tigung dessen, was Millionen Deutsche bei der Bundestagswahl im Februar 2025 zum Ausdruck brachten: Die Ampel-Politik – und ganz besonders die der GrĂŒnen – war ein einziges Desaster.

Schwarzer hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gegen den Strom gestellt. Sie warnte frĂŒh vor den Gefahren des politischen Islam, kritisierte die Verschleierung von Frauen und scheute nicht davor zurĂŒck, die Doppelmoral jener Feministinnen anzuprangern, die zwar lautstark das Patriarchat bekĂ€mpfen, aber zum Thema FrauenunterdrĂŒckung in islamischen Gesellschaften beharrlich schweigen. Dass sie nun auch noch Weidel eine ermutigende Wirkung fĂŒr Frauen zugesteht, dĂŒrfte im links-grĂŒnen Milieu fĂŒr erhebliche Schnappatmung sorgen.

Doch vielleicht ist genau das der Punkt. Vielleicht braucht es gerade in einer Zeit, in der ideologische Scheuklappen den Blick auf die RealitĂ€t verstellen, Stimmen wie die von Alice Schwarzer – unbequem, streitbar, aber ehrlich. Denn eines muss man der 82-JĂ€hrigen lassen: Sie hat sich nie verbiegen lassen. Nicht fĂŒr die Linken, nicht fĂŒr die Rechten, nicht fĂŒr den Zeitgeist. Und genau das macht ihre Worte so wertvoll – auch und gerade dann, wenn sie wehtun.

Ob der zu erwartende Shitstorm aus dem links-grĂŒnen Lager Schwarzer beeindrucken wird, darf bezweifelt werden. Die Frau, die seit ĂŒber fĂŒnf Jahrzehnten fĂŒr ihre Überzeugungen kĂ€mpft, hat schon ganz andere StĂŒrme ĂŒberstanden. Dass sie inzwischen offenbar bereits begonnen hat, ihre Äußerungen zu relativieren, zeigt allerdings, wie groß der Druck der selbsternannten „Guten" in diesem Land nach wie vor ist.

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