Kettner Edelmetalle
21.01.2026
10:09 Uhr

AfD-Fraktionschef stellt sich hinter Sellner: „Keine Unperson"

AfD-Fraktionschef stellt sich hinter Sellner: „Keine Unperson"

Die politische Landschaft in Brandenburg wird einmal mehr von einer Kontroverse erschĂŒttert, die tief in die Strukturen der Alternative fĂŒr Deutschland hineinreicht. Hans-Christoph Berndt, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der AfD im brandenburgischen Landtag, hat sich in bemerkenswerter Deutlichkeit hinter den österreichischen Aktivisten Martin Sellner gestellt – und damit eine Debatte entfacht, die weit ĂŒber die Landesgrenzen hinaus Wellen schlĂ€gt.

Ein Treffen, das fĂŒr Wirbel sorgt

Der Stein des Anstoßes: Eine fĂŒr den 22. Januar 2026 geplante Veranstaltung in Luckenwalde unter dem programmatischen Titel „Remigration in Theorie und Praxis". Die Landtagsabgeordnete Lena KotrĂ© hatte den als Rechtsextremisten eingestuften Sellner als Gastredner angekĂŒndigt. Auch ihr Ehemann, der Bundestagsabgeordnete Steffen KotrĂ©, sollte zugegen sein.

Was folgte, war ein bemerkenswertes Schauspiel innerparteilicher Machtpolitik. Nach einem Telefonat zwischen Steffen KotrĂ© und der AfD-FĂŒhrungsspitze – Alice Weidel, Tino Chrupalla sowie Brandenburgs Landeschef RenĂ© Springer – wurde die Veranstaltung kurzerhand abgesagt. Die Bundesspitze hatte offenkundig interveniert.

Sellners geschickter Schachzug

Doch Sellner wĂ€re nicht Sellner, wenn er sich so einfach ausbremsen ließe. Parallel zur Absage verkĂŒndete Lena KotrĂ© auf der Plattform X, dass der Österreicher sie seinerseits zu einer „zufĂ€llig" zeitgleich stattfindenden Veranstaltung mit nahezu identischem Titel eingeladen habe. Ein durchsichtiges Manöver, das die Parteispitze in eine prekĂ€re Lage bringt – denn zu dieser alternativen Zusammenkunft haben sich Weidel und Chrupalla bislang in vielsagendes Schweigen gehĂŒllt.

Berndts trotzige Verteidigung

Fraktionschef Berndt hingegen macht aus seiner Haltung keinen Hehl:

„Ich sehe nicht ein, dass Martin Sellner jetzt eine Unperson ist und dass es ein Verbrechen ist, sich mit Martin Sellner zu treffen."

Seine einzige Kritik richtet sich nicht gegen das Treffen selbst, sondern lediglich gegen die mangelnde Abstimmung im Vorfeld. Es sei „politisch nicht klug", solche Termine im Alleingang zu organisieren. Eine bemerkenswert milde RĂŒge angesichts der Brisanz des Vorgangs.

Der Verfassungsschutz beobachtet genau

Die Dimension dieser Positionierung wird erst vor dem Hintergrund der behördlichen EinschĂ€tzungen deutlich. Martin Sellner gilt als fĂŒhrende Figur und ehemaliger Kopf der IdentitĂ€ren Bewegung, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird. Pikant dabei: Auch die AfD in Brandenburg selbst trĂ€gt diese Klassifizierung durch den Landesverfassungsschutz.

Einem Bericht der Welt zufolge war Sellner im vergangenen Jahr mehrfach Thema im AfD-Bundesvorstand. Dort sei den Mitgliedern geraten worden, Distanz zu dem Österreicher zu wahren. Dass diese Empfehlung in Brandenburg offenkundig auf taube Ohren stĂ¶ĂŸt, offenbart die tiefen GrĂ€ben zwischen der Bundespartei und ihren ostdeutschen LandesverbĂ€nden.

Ein Spagat mit Sollbruchstelle

Die AfD befindet sich in einem schwierigen Balanceakt. Einerseits bemĂŒht sich die Bundesspitze um ein gemĂ€ĂŸigteres Erscheinungsbild, andererseits pflegen Teile der Basis unverhohlene Sympathien fĂŒr radikalere Positionen. Wie lange dieser Spagat noch gelingen kann, bleibt abzuwarten. Die Ereignisse in Brandenburg jedenfalls zeigen, dass die FliehkrĂ€fte innerhalb der Partei betrĂ€chtlich sind – und dass der Begriff „Remigration" lĂ€ngst zum ideologischen Kampfbegriff geworden ist, der die GemĂŒter erhitzt wie kaum ein anderer.

Wissenswertes zum Thema

Magazin
26.09.2025
6 Min.

Digitaler Euro: Kein Schutz vor Falschgeld

Auf der Nordseeinsel Föhr hĂ€ufen sich in diesen Wochen Berichte ĂŒber gefĂ€lschte 2-Euro-MĂŒnzen. Eisdielen, HĂ€ndler und Gastronomen sind gleichermaßen betroffen. Das zustĂ€ndige Landeskriminalamt erklĂ€r