Kettner Edelmetalle
16.02.2026
06:52 Uhr

AfD fordert nationale Zentralasienstrategie: Rohstoffe, Handelskorridore und Abschiebungen

WĂ€hrend die neue Große Koalition unter Friedrich Merz noch damit beschĂ€ftigt ist, sich in ihrem Koalitionsvertrag einzurichten, prescht die AfD-Fraktion im Bundestag mit einem bemerkenswert detaillierten Strategiepapier vor. Der Antrag fĂŒr eine eigenstĂ€ndige deutsche Zentralasienstrategie liest sich wie ein geopolitisches Manifest – und wirft Fragen auf, die sich die Bundesregierung schon lĂ€ngst hĂ€tte stellen mĂŒssen.

Rohstoffsicherung als Chefsache

Im Kern des Antrags steht eine Erkenntnis, die eigentlich banal sein sollte, in der deutschen Politik aber offenbar revolutionĂ€r wirkt: Deutschland braucht Rohstoffe. Und zwar dringend. Die AbhĂ€ngigkeit von China, das rund 90 Prozent der weltweiten Seltenen Erden fördert oder verarbeitet, ist ein strategisches Risiko ersten Ranges. Dass russisches Gas und Öl nach dem Beginn des Ukraine-Krieges als verlĂ€ssliche Energiequelle weggebrochen sind, hat das alte deutsche Wirtschaftsmodell – billige Energie aus dem Osten, Exporte nach Fernost – endgĂŒltig als Illusion entlarvt.

Der AfD-Abgeordnete Jan Wenzel Schmidt, der den Antrag federfĂŒhrend eingebracht hat, fordert daher nichts weniger als einen Paradigmenwechsel. Rohstoffpolitik mĂŒsse „Chefsache" werden und direkt im Bundeskanzleramt angesiedelt sein. Neben der bereits bestehenden Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan sollen auch Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgisistan in ein Netz bilateraler Abkommen eingebunden werden. Die Zahlen sprechen fĂŒr sich: Kasachstan ist der weltweit grĂ¶ĂŸte Uranproduzent, Turkmenistan verfĂŒgt ĂŒber die viertgrĂ¶ĂŸten Gasreserven der Erde, und in der gesamten Region lagern betrĂ€chtliche Vorkommen an Gold, Silber, Kupfer und Antimon.

Staatliche Preisgarantien – ein zweischneidiges Schwert?

Besonders brisant ist das vorgeschlagene Finanzierungsmodell. Nach einem Vorschlag des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft soll der Staat deutschen Unternehmen bei kritischen Rohstoffen feste Abnahmepreise garantieren. FĂ€llt der Marktpreis unter diese Schwelle, gleicht der Staat die Differenz aus. Steigt er darĂŒber, fließen die Mehreinnahmen zurĂŒck in die Staatskasse. Ein Modell, das an die EinspeisevergĂŒtung fĂŒr erneuerbare Energien erinnert – nur eben fĂŒr Rohstoffe statt fĂŒr WindrĂ€der.

Ob dieses Instrument mit EU-Beihilferecht und WTO-Regeln vereinbar wĂ€re, ließ Schmidt bewusst offen. Die Details wolle man „nach RegierungsĂŒbernahme" in den zustĂ€ndigen Ministerien erarbeiten lassen. Eine Formulierung, die angesichts der aktuellen MehrheitsverhĂ€ltnisse im Bundestag eher als Zukunftsmusik denn als konkrete Gesetzgebungsinitiative zu verstehen ist. Schmidt selbst gibt sich gleichwohl selbstbewusst: „Es ist nicht die Frage, ob wir regieren, sondern wann."

Der Mittlere Korridor: Handelsroute unter Umgehung Russlands

Geopolitisch interessant ist die Forderung nach dem Ausbau des sogenannten Mittleren Korridors. Diese Handelsroute fĂŒhrt von China ĂŒber Kasachstan, das Kaspische Meer, den SĂŒdkaukasus und die TĂŒrkei nach Europa – und umgeht dabei russisches Territorium vollstĂ€ndig. Die Transportzeit gegenĂŒber dem Seeweg wĂŒrde sich von 35 bis 45 Tagen auf 13 bis 21 Tage verkĂŒrzen. Ein gewaltiger logistischer Vorteil, der in Zeiten fragiler Lieferketten und geopolitischer Spannungen nicht zu unterschĂ€tzen ist.

Dass ausgerechnet die AfD, der von politischen Gegnern regelmĂ€ĂŸig eine zu große NĂ€he zu Russland vorgeworfen wird, eine Handelsroute unter expliziter Umgehung russischen Territoriums fordert, dĂŒrfte manchen Kritiker ĂŒberraschen. Es zeigt, dass die Partei zumindest in Teilen pragmatischer agiert, als es das mediale Zerrbild vermuten lĂ€sst.

Abschiebungen und Sicherheitspolitik

Weniger ĂŒberraschend, aber nicht minder relevant ist der sicherheitspolitische Schwerpunkt des Antrags. Die AfD fordert die schnellstmögliche Abschiebung islamistischer GefĂ€hrder in ihre zentralasiatischen HerkunftslĂ€nder. Laut dem Papier befinden sich derzeit elf GefĂ€hrder mit tadschikischer, einer mit kirgisischer und einer mit turkmenischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Mögliche Haftstrafen sollen in den HerkunftslĂ€ndern verbĂŒĂŸt werden – flankiert von bilateralen Abkommen und unangekĂŒndigten GefĂ€ngnisinspektionen durch deutsche Kommissionen.

Angesichts der dramatisch gestiegenen KriminalitĂ€t in Deutschland und der zahlreichen Messerangriffe, die das SicherheitsgefĂŒhl der Bevölkerung nachhaltig erschĂŒttert haben, trifft diese Forderung einen Nerv. Dass islamistische GefĂ€hrder ĂŒberhaupt noch in Deutschland leben, statt konsequent abgeschoben zu werden, ist fĂŒr einen Großteil der Bevölkerung schlicht nicht nachvollziehbar. Die jahrelange Fehlpolitik, die Abschiebungen durch bĂŒrokratische HĂŒrden und eine ĂŒbertriebene RĂŒcksichtnahme auf vermeintliche Menschenrechtsbedenken faktisch unmöglich gemacht hat, rĂ€cht sich nun bitter.

Schluss mit Demokratieexport und Regime-Change-Fantasien

Bemerkenswert ist auch die klare Absage an jede Form von Demokratieförderung als außenpolitisches Instrument. Der Antrag fordert, „jegliche Versuche einzustellen, in den Staaten Zentralasiens auf einen Regime Change hinzuwirken". Die BegrĂŒndung ist so simpel wie einleuchtend: Solche Versuche hĂ€tten „bereits im Nahen und Mittleren Osten zu mehreren Kriegen und großen Migrationsströmen beigetragen". Syrien, Libyen, der Irak, Afghanistan – die Liste gescheiterter westlicher Interventionen ist lang und blutig.

Statt öffentlicher Menschenrechtsrhetorik, die Partner brĂŒskiere und letztlich nichts bewirke, plĂ€diert Schmidt fĂŒr stille Diplomatie hinter verschlossenen TĂŒren. Als Positivbeispiel nennt er ausgerechnet die Trump-Administration, deren pragmatischer Umgang mit Belarus zur Freilassung politischer Gefangener gefĂŒhrt habe – wĂ€hrend die EU mit ihrem moralischen Zeigefinger „völlig gescheitert" sei. Eine unbequeme Wahrheit, die man in BrĂŒssel ungern hört.

Deutsche Minderheiten als vergessene BrĂŒcke

Ein Aspekt des Antrags verdient besondere Beachtung, weil er in der deutschen Öffentlichkeit kaum Beachtung findet: die Förderung deutscher Minderheiten in Zentralasien. In Kasachstan identifizieren sich laut dem Papier 226.000 Menschen als Deutsche – ein Anstieg gegenĂŒber 180.000 im Jahr 2012. In Kirgisistan sind es weniger als 20.000, in Usbekistan 7.000 bis 8.000. Diese Menschen, Nachfahren jener Deutschen, die unter Stalin nach Zentralasien deportiert wurden, könnten als natĂŒrliche BrĂŒcke zwischen Deutschland und der Region fungieren.

Doch statt dieses Potenzial zu nutzen, wĂŒrden die Mittel im Haushalt des Bundesinnenministeriums „immer weiter gekĂŒrzt". Ein Trauerspiel, das symptomatisch ist fĂŒr eine Politik, die ihre eigenen Landsleute im Ausland systematisch vergisst, wĂ€hrend sie Milliarden in ideologisch motivierte Projekte pumpt. Ebenso fordert der Antrag einen stĂ€rkeren Schutz christlicher Minderheiten in der Region – Usbekistan steht auf Rang 25, Turkmenistan auf Rang 29 des Weltverfolgungsindex fĂŒr Christenverfolgung.

Ein Antrag mit Signalwirkung – trotz parteiinterner Turbulenzen

Man mag zur AfD stehen, wie man will. Doch dieser Antrag zeigt, dass die Partei in außen- und wirtschaftspolitischen Fragen durchaus substanzielle Konzepte vorlegen kann. Dass der Antragsteller Schmidt parteiintern unter erheblichem Druck steht – ein Landesschiedsgericht entzog ihm im Januar 2026 vorlĂ€ufig seine Mitgliedsrechte, ein Ausschlussverfahren wegen mutmaßlicher ScheinarbeitsverhĂ€ltnisse lĂ€uft –, schmĂ€lert die inhaltliche Relevanz des Papiers nicht.

Die entscheidende Frage bleibt: Wird die Bundesregierung unter Friedrich Merz die Zeichen der Zeit erkennen? Deutschland braucht eine kohĂ€rente Rohstoffstrategie, eine konsequente Abschiebepolitik und den Mut, nationale Interessen ĂŒber ideologische Befindlichkeiten zu stellen. Die zentralasiatischen Republiken bieten eine historische Chance zur Diversifizierung – Gold, Silber, Seltene Erden, Uran, Gas. Wer diese Chance verstreichen lĂ€sst, handelt fahrlĂ€ssig gegenĂŒber kommenden Generationen.

„Deutschland braucht endlich eine kohĂ€rente Rohstoffstrategie" – so die Kernforderung des AfD-Antrags. Eine Forderung, der man unabhĂ€ngig von der parteipolitischen Zuordnung nur schwer widersprechen kann.

In Zeiten, in denen die geopolitischen Karten neu gemischt werden, in denen Trump mit seinen Zöllen die Weltwirtschaft durcheinanderwirbelt und China seinen Einfluss in Zentralasien systematisch ausbaut, kann sich Deutschland keine weitere Dekade der strategischen Lethargie leisten. Ob die Antwort auf diese Herausforderung aus den Reihen der AfD oder der Regierungskoalition kommt, ist letztlich zweitrangig. Hauptsache, sie kommt.

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