
98 Prozent in asiatischer Hand: Europas Batterie-Traum zerschellt an der eigenen BĂŒrokratie

Es ist ein Befund, der jede Sonntagsrede ĂŒber âtechnologische SouverĂ€nitĂ€tâ zu Konfetti zerreiĂt: 98 Prozent der groĂen Batteriefabriken auf europĂ€ischem Boden werden nach einer aktuellen Deloitte-Erhebung von asiatischen Konzernen betrieben. Allen voran der chinesische WeltmarktfĂŒhrer CATL. Europa liefert das GrundstĂŒck, den Strom und die Subventionen â die Wertschöpfung, das Know-how und die Marge wandern nach Fernost. Willkommen in der industriellen SelbstentmĂŒndigung, made in Berlin und BrĂŒssel.
Der Batterieverband schlĂ€gt Alarm â und niemand in Berlin scheint zuzuhören
Stefan Wolf, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Batterieverbands, findet gegenĂŒber dem âTagesspiegel Backgroundâ ungewöhnlich klare Worte. Man sei hierzulande schlicht zu zaghaft, wenn es darum gehe, Zukunftsindustrien dauerhaft aufzubauen und die dafĂŒr nötigen Investitionen zu mobilisieren. Notwendig sei ein abgestimmtes Vorgehen von Staat und Industrie â gerade jetzt, wo die Automobilbranche mit einbrechenden AbsĂ€tzen kĂ€mpfe und ihr finanzieller Spielraum schrumpfe.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Jene Industrie, die man politisch jahrelang mit Verbrennerverbot, Flottengrenzwerten und moralischen Belehrungen in die ElektromobilitĂ€t geprĂŒgelt hat, soll nun aus eigener Kraft eine komplette Zulieferkette aus dem Boden stampfen â wĂ€hrend ihr gleichzeitig das GeschĂ€ft wegbricht. Wer den Karren erst in den Graben schiebt, sollte sich nicht wundern, wenn niemand mehr Kraft zum Ziehen hat.
China subventioniert, Amerika schottet ab â und Europa hĂ€lt die TĂŒr auf
Die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse sind lĂ€ngst zementiert. Chinesische Hersteller seien ĂŒber Jahrzehnte mit gewaltigen staatlichen Mitteln hochgezogen worden, so Wolf, und suchten wegen massiver ĂberkapazitĂ€ten im eigenen Land nun gezielt den Weg nach Europa. Die USA hĂ€tten ihren Markt dagegen lĂ€ngst mit hohen Barrieren gesichert. Bleibt nur ein Absatzgebiet, das noch bereitwillig die Arme öffnet.
Europa ist damit zur Notausfahrt fĂŒr chinesische Ăberproduktion geworden â nicht aus StĂ€rke, sondern aus politischer NaivitĂ€t.
Als bemerkenswerte Ausnahme nennt der Verbandschef Tesla: Der Konzern habe den Trockenbeschichtungsprozess industrialisiert und skaliere dieses Verfahren mittlerweile auch im brandenburgischen GrĂŒnheide. Ein amerikanisches Unternehmen also, das in Deutschland vormacht, was deutsche Konzerne unter dem Dauerfeuer von Energiepreisen, BĂŒrokratie und Berichtspflichten kaum noch stemmen können.
Förderprogramme statt Marktgestaltung â die deutsche Krankheit
Milliarden sind geflossen. GenĂŒtzt hat es wenig. Denn die Politik setze, so die Kritik, fast ausschlieĂlich auf Subventionstöpfe und kaum auf marktgestaltende Instrumente. Es brauche neben Fördergeld vor allem Nachfrageanreize. Wolf bemĂŒht das Bild des BrĂŒckenbaus: Um das berĂŒchtigte âTal des Todesâ zwischen Forschung und Serienproduktion zu ĂŒberwinden, mĂŒsse man von beiden Seiten bauen â Technologien entwickeln und Technologien nachfragen. Als Vorbild dient ausgerechnet Washington, wo Steuergutschriften fĂŒr Unternehmen aus China, Russland, Nordkorea oder dem Iran schlicht ausgeschlossen sind.
Und die Bundesregierung? WĂ€hrend Forschungsministerium und Kanzleramt die strategische Bedeutung der Batterietechnologie immerhin erkannt hĂ€tten, agiere das Wirtschaftsministerium auffĂ€llig zurĂŒckhaltend. Das passt ins Bild einer Koalition, die 500 Milliarden Euro Sondervermögen verspricht, aber bei der Frage, wo die industrielle Substanz dieses Landes eigentlich herkommen soll, merkwĂŒrdig sprachlos bleibt.
Northvolt, SVolt, Cellforce, Varta â eine Liste des Scheiterns
Die TrĂŒmmer der ersten europĂ€ischen Investitionswelle sprechen fĂŒr sich. Dennoch gibt sich der Verband mit Blick auf eine zweite Runde in Frankreich, Schweden und den Niederlanden zuversichtlich. Batterietechnologie bleibe neben Mikroelektronik und KĂŒnstlicher Intelligenz entscheidend fĂŒr die Zukunft der europĂ€ischen Industrie. Die nĂŒchterne Wahrheit lautet aber: Deutschlands Industrie schrumpft, die BeschĂ€ftigtenzahl ist auf 6,6 Millionen gefallen, und wer Strom zu Weltrekordpreisen anbietet, muss sich ĂŒber abwandernde Fabriken nicht wundern.
Was das fĂŒr Sparer bedeutet
Eine Volkswirtschaft, die ihre SchlĂŒsseltechnologien outsourct und die LĂŒcke mit schuldenfinanzierten Programmen kaschiert, produziert am Ende vor allem eines: Geldentwertung. Wer sein Vermögen nicht ausschlieĂlich an das Wohlergehen europĂ€ischer Industriepolitik koppeln möchte, sollte ĂŒber eine Beimischung physischer Edelmetalle nachdenken. Gold und Silber kennen weder Standortdebatten noch Förderrichtlinien â sie sind seit Jahrtausenden das, was Papierversprechen nie waren: verlĂ€sslich.
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