
13.000 ArbeitsplÀtze weg: BMW und Porsche schreiben das Ende des deutschen Autowunders

Es gibt Nachrichten, die man mit einem Achselzucken abtut. Und es gibt Nachrichten, die einem Land den Boden unter den FĂŒĂen wegziehen. Was Ende Juli 2026 aus MĂŒnchen und Stuttgart gemeldet wird, gehört zweifellos in die zweite Kategorie: BMW und Porsche wollen zusammen rund 13.000 Stellen abbauen. Nicht irgendwelche Zulieferer der dritten Reihe, nicht ein taumelnder MittelstĂ€ndler â die beiden AushĂ€ngeschilder deutscher Ingenieurskunst, jahrzehntelang Symbol fĂŒr Wohlstand, ExportstĂ€rke und technologische Ăberlegenheit, greifen zur Rotstift-KettensĂ€ge.
Bei BMW fÀllt die letzte Bastion
BMW, so heiĂt es aus Unternehmenskreisen, könnte die weltweite Belegschaft um etwa 8.000 Personen verkleinern. In Deutschland sollen mehrere Tausend Stellen bis Ende 2027 verschwinden. Offiziell mag der Konzern keine abschlieĂende Zahl nennen â man kennt das Spiel: erst dementieren, dann relativieren, dann abwickeln. Konzern und Betriebsrat haben sich auf ein freiwilliges Abfindungsprogramm verstĂ€ndigt, hinzu kommt die sogenannte natĂŒrliche Fluktuation. Die direkte Produktion bleibt vorerst verschont, es trifft vor allem Verwaltung und Entwicklung.
Ausgerechnet die Entwicklung. Jener Bereich also, in dem die Zukunft eines Automobilherstellers eigentlich entsteht. Wer dort spart, spart an seinem eigenen Morgen. Und BMW galt bislang als der StabilitĂ€tsanker der Branche, als jener Hersteller, der mit seiner Technologieoffenheit vieles besser gemacht hat als die Konkurrenz. Rund 150.000 Menschen arbeiten fĂŒr den Konzern. Nun erreicht die Krise auch die MĂŒnchner.
China war das GeschĂ€ft â und China ist jetzt das Problem
Bereits im Juni musste BMW die Gewinnprognose senken. Der Grund liegt auf der Hand und heiĂt China. Dort, wo deutsche Premiumfahrzeuge einst als Statussymbol galten, machen inzwischen einheimische Hersteller das GeschĂ€ft â mit aggressiven Preisen, kurzen Entwicklungszyklen und einem Staat im RĂŒcken, der Industriepolitik nicht als Schimpfwort begreift.
Wer ĂŒber Jahre zulĂ€sst, dass die eigene SchlĂŒsselindustrie durch Regulierung, Energiepreise und ideologische Verbotsfantasien gefesselt wird, darf sich nicht wundern, wenn andere vorbeiziehen.
Porsche wiederum streicht weitere 5.000 Stellen bis Ende 2035. Zusammen mit frĂŒheren Programmen summiert sich das auf rund 9.000 wegfallende ArbeitsplĂ€tze. Man setzt auf Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige AufhebungsvertrĂ€ge; betriebsbedingte KĂŒndigungen schlieĂt der Sportwagenbauer fĂŒr Zuffenhausen und Weissach bis 2035 aus. Klingt sozialvertrĂ€glich â ist aber teuer bezahlt.
Der Preis der Standortgarantie
Denn die verbleibenden Mitarbeiter zahlen die Rechnung: Teile der Tariferhöhungen werden einbehalten, das maximale Weihnachtsgeld sinkt, mobiles Arbeiten wird auf acht Tage im Monat begrenzt. Im Gegenzug flieĂen 2,1 Milliarden Euro in Zuffenhausen und Weissach. Nur: Investitionen ersetzen keine Kunden. Und die bleiben aus. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Porsche weltweit 122.306 Fahrzeuge aus â ein Minus von 16 Prozent. In China brachen die Auslieferungen um 32 Prozent ein. Ein Drittel des chinesischen GeschĂ€fts, verdampft in zwölf Monaten.
Die politische Rechnung, die niemand bezahlen will
Man könnte all das als Marktgeschehen abtun. Doch das wĂ€re bequem und falsch. Diese Krise hat VĂ€ter und MĂŒtter, und sie sitzen nicht nur in Peking. Sie sitzen in Berlin und BrĂŒssel. Jahre der Elektro-Planwirtschaft, ein Verbrennerverbot als moralisches Projekt, Strompreise auf Weltniveau, eine BĂŒrokratie, die jede Schraube dokumentiert wissen will â und obendrein Zölle, die den Export zusĂ€tzlich verteuern. Die Transformationskosten, von denen in Konzernbilanzen so nĂŒchtern die Rede ist, sind zu einem erheblichen Teil politisch verordnete Kosten.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 im Grundgesetz verankert und ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgelegt. Schulden statt Strukturreformen, Symbolik statt Standortpolitik. Wer geglaubt hat, mit dem Ende der Ampel kehre der wirtschaftliche Realismus zurĂŒck, sieht sich getĂ€uscht. Was hilft der Industrie eine Beton-Offensive, wenn ihr die AbsatzmĂ€rkte wegbrechen und die Energie unbezahlbar bleibt?
Was bleibt, wenn die Substanz geht
13.000 ArbeitsplĂ€tze sind 13.000 Familien, Steuerzahler, Kaufkraft. Sie sind Handwerksbetriebe im Umland, Zulieferer, Gastronomie, Vereine. Der industrielle Kern eines Landes ist kein SelbstlĂ€ufer, sondern das Ergebnis von Generationen. Er lĂ€sst sich in wenigen Jahren verspielen â und in keinem Wahlzyklus wieder aufbauen.
FĂŒr Sparer und Anleger ist die Botschaft unmissverstĂ€ndlich: Die Zeiten, in denen deutsche Industriewerte als Inbegriff der Sicherheit galten, sind vorbei. Wer sein Vermögen ausschlieĂlich an Aktien und Papierversprechen bindet, macht sich abhĂ€ngig von politischen Launen und geopolitischen Verschiebungen. Physische Edelmetalle â Gold und Silber in der Hand, nicht auf dem Papier â haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie Krisen, WĂ€hrungsreformen und industrielle UmbrĂŒche ĂŒberdauern. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben sie das, was sie immer waren: ein Anker, den keine Regierung per Verordnung entwerten kann.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt ausschlieĂlich die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eine eigenstĂ€ndige, grĂŒndliche PrĂŒfung und erfolgt in eigener Verantwortung. FĂŒr VermögensschĂ€den, die aus Entscheidungen auf Grundlage dieses Textes entstehen, wird keine Haftung ĂŒbernommen. Bei Bedarf ziehen Sie bitte einen unabhĂ€ngigen Fachberater hinzu.
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